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„Deutsche Milchwirtschaft hat noch Verbesserungspotenzial“

Beim DBV-Fachforum Milch auf der Grünen Woche stand das Thema „Milch. Kuh. Wohl – Wo bleibt das Wohl unserer Milchbauern?“ im Fokus. Staatssekretär Dr. Hermann Onko Aeikens fand klare Worte, Franz-Martin Rausch vom Handelsverband wünscht mehr Gespräche und Prof. Dr. Matthias Kussin gab Tipps zur Öffentlichkeitsarbeit.

Lesezeit: 4 Minuten

Beim traditionellen Fachforum Milch des Deutschen Bauernbandes auf der Grünen Woche stand gestern (Montag) das Thema „Milch. Kuh. Wohl – Wo bleibt das Wohl unserer Milchbauern?“ im Fokus.

 

Dr. Hermann Onko Aeikens, Staatssekretär im Bundeslandwirtschaftsministerium, musste zunächst die Frage beantworten, wie die Politik dabei unterstützen kann. Grundsätzlich könne sie in Krisen helfen, so der Staatssekretär. Voraussetzung sei aber, dass es tatsächlich notwendig ist und die nötigen Gelder für Hilfsmaßnahmen im Haushalt vorhanden sind. „Die Wirtschaft ist gut beraten, selbst mehr zu tun, um die Volatilität abzufedern. Es gibt noch Verbesserungspotenzial“, sagte Dr. Aeikens.



Das sieht er insbesondere in der Wertschöpfungstiefe der Molkereien. Hier seien die deutschen Unternehmen schlechter unterwegs als Molkereien in anderen Ländern. Zudem sollten Erzeuger und Molkereien ihre Lieferbeziehung anpassen, damit beide Seiten Marktverwerfungen besser überstehen.

 

Von einer staatlich angeordneten, entschädigungslosen Milchmengen-Drosselung in Krisen hält Dr. Aeikens nichts. Ebenso erteilt er dem Vorschlag seines Parteikollegen Kees de Vries eine Absage, dass ein neuer europäischer Branchenverband jedem Milcherzeuger ein Ablieferbares Milch-Kontingent (AMIKO) zuteilen und dieses steuern soll (top agrar berichtete).

 

Die Intervention habe sich als Kriseninstrument bewährt, so der Staatssekretär. Wenngleich er zugibt, dass derzeit noch über 300.000 t Magermilchpulver in der Intervention liegen. Die Kommission habe zu lange interveniert, deshalb sei der Berg entstanden. Dr. Aeikens erwartet einen sukzessiven Abbau über den Verkauf. Weitere Vorschläge wie das Umschichten in die Bedürftigenhilfe oder Futtermittelwirtschaft ließen sich nicht einfach umsetzen.

 

Beim Blick auf die künftige Agrarpolitik prognostiziert der Staatssekretär, dass die Prämien entkoppelt bleiben und es keine Kopf-Prämie für Tierhaltung geben werden. Kleinere und mittlere Betriebe sollen aber stärker profitieren.

 

Handel will Gesprächsplattform

 

Franz-Martin Rausch, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes des Deutschen Lebensmittelhandels, musste Stellung beziehen zu der Frage: Wer setzt die Standards?

 

Rausch sieht eine breite gesellschaftliche Diskussion über die Lebensmittelproduktion und die Tierhaltung – bis in den ländlichen Raum hinein. „Bei Geflügel und Schwein sind wir da aber schon weiter. Bei der Milch sollten wir jetzt vorankommen“, so der Verbandsvertreter.

 

Mehrmals führte er QS als Positiv-Beispiel an. Hier gebe es eine gemeinsame Gesprächsplattform von Erzeuger, Verarbeitung und Handel. Die gesamte Kette könne so auch kritische Punkte aufgreifen und gemeinsame Lösungen erarbeiten. „Bei der Milch fehlt uns so eine gemeinsame Gesprächsplattform. QM ist ein guter Ansatz, aber der Handel ist nicht dabei“, so Rausch. Zuletzt habe es aber ein erstes Treffen von QM Milch und acht Handelsvertretern von sechs Unternehmen gegeben.

 

Die Ursache für die immer höheren Auflagen und den stetigen Preisdruck sieht Rausch nicht vornehmlich im Handel. Für den Milchpreis hält er beispielsweise die Exportstrategie und das Produktportfolio einer Molkerei für mindestens so entscheidend wie den Milchpreis im Laden.

 

Zur Enttäuschung vieler der rund 160 Zuhörer wich Rausch den meisten konkreten Fragen aus oder ließ sie unbeantwortet.

 

Mehr über Zukunft statt Gegenwart reden

 

Für Prof. Dr. Matthias Kussin, Medien und CSR-Kommunikation an der Hochschule Osnabrück, besteht gute Öffentlichkeitsarbeit sowohl in der direkten Kommunikation von Landwirten zu Verbrauchern als auch in großen Brancheninitiativen.

 

Fakten würden auch im postfaktischen Zeitalter eine hohe Relevanz besitzen. Allerdings müsse ein Faktencheck immer offen und ehrlich sein und nicht nur das genaue Gegenteil von dem Vorwurf widergeben. Eine chronologisch aufbereitete Geschichte mit Fakten sei gut. Extrem-Kritiker würden sich davon aber nicht umstimmen lassen, sie hätten eine vorgefertigte Meinung.

 

Insgesamt sollte die Branche nach Meinung von Prof. Dr. Kussin gelassener mit Kritik umgehen. „Treten Sie auch mal zur Seite und lassen Sie es laufen“, so sein Rat.

 

Und noch einen Tipp nannte er: Mehr über die Zukunft und weniger über die Gegenwart reden. Nicht direkt vergleichbar, aber als Beispiel führte Prof. Dr. Kussin die Autoindustrie auf: „Obwohl sie noch mitten im Dieselskandal steckt, spricht sie fortlaufend über Zukunftsthemen wie Elektromobilität oder Car-Sharing. So lenkt die Autoindustrie von dem kritischen Thema ab und setzt neue Akzente.“

 

 

 

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