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topplus Mutterkuhhaltung

Fleischrinder absetzen nach Plan

Ein Hauptziel der Mutterkuhhaltung sind frohwüchsige Kälber, die auch nach dem Absetzen in der Mast weiter gute Leistungen erzielen. Wie das gelingt, zeigt unsere Autorin.

Lesezeit: 6 Minuten

Unsere Autorin: Anne Wegerhof, Fachberatung Naturland, Sankt Blasien, Baden-Württemberg

Egal, ob für die eigene Weitermast am Hof oder den Verkauf in einen Mastbetrieb: Mastfähigkeit und Frohwüchsigkeit sind entscheidend für gute Absetzer aus der Mutterkuhhaltung. Aber was braucht es für einen guten Absetzer? Wann ist der richtige Zeitpunkt zum Absetzen? Und warum überhaupt?

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Unter Neun Monaten

Eine Mutterkuh ist im Grunde nichts anderes als eine Milchkuh, nur auf einem anderen Milchleistungsniveau. Damit braucht auch diese eine ausreichende Trockenstehphase, damit sie sich gut auf die Geburt vorbereiten, ihr Euter regenerieren und Biestmilch bilden kann. Das Absetzen sollte daher spätestens mit neun Monaten stattfinden.

Neben der neunmonatigen Säugeperiode hat sich in der Praxis mittlerweile auch eine siebenmonatige Säugeperiode etabliert. Einzelne Betriebe schwören bei guter Anfütterung darauf, die Kälber sogar bereits mit fünf Monaten abzusetzen. Hier besteht allerdings die Gefahr, dass die Kühe bis zur nächsten Kalbung verfetten.

Wichtig ist auch: Je früher die Kälber von ihren Müttern getrennt werden, desto früher muss die Anfütterung zur optimalen Pansenentwicklung erfolgen.

Die Kälber länger als neun Monate bei den Müttern zu lassen, ist im Hinblick auf die spätere Mast und das mögliche Wachstumspotenzial bis zum zwölften Lebensmonat hingegen nicht empfehlenswert. Solange Milch ein fester Nahrungsbestandteil für die Kälber ist, werden sie die Aufnahme von Grundfutter auf das Notwendige beschränken.

Trennungsschmerz und Absetzstress

Die Trennung von Kalb und Kuh bedeutet immer Stress für beide – ganz ohne geht es nicht. Landwirte können mit einigen Vorgehensweisen allerdings versuchen, das Absetzen so schonend wie möglich zu gestalten:

  • Aus den Augen, aus dem Sinn: Es hat sich in der Praxis bewährt, die Absetzer außer Sicht- und Hörkontakt der Mutterkühe zu bringen. Nur durch einen Weidezaun lassen sich die Halbstarken nicht von ihren Müttern abbringen.
  • Mutterkühe sind in den ersten Tagen nach der Trennung oft unruhig und nervös. Ein Ortswechsel, wie beispielsweise eine neue Weide, lenkt in der Regel ab.
  • Absetzer, die bereits frühzeitig angefüttert werden und andere Futtermittel als Milch und Weidegras kennen, lassen sich mit einem besonders schmackhaften Futter ablenken.
  • Geteiltes Leid ist halbes Leid: Nie nur Einzeltiere absetzen. In Kleingruppen bleiben die Absetzer entspannter, auch wenn es im Anschluss in einen neuen Stall oder auf eine unbekannte Weide geht.
  • Frühzeitiges Planen des Absetztages: Es empfiehlt sich, im Vorhinein zu überlegen, welche Kälber abgesetzt werden sollen, welche Helfer infrage kommen, wo sich die Herde zu besagtem Zeitpunkt befindet und welche Hilfsmittel benötigt werden. Fanggatter sollten Landwirte nach Möglichkeit bereits einige Tage vorher auf der Weide aufstellen. Um die Tiere daran zu gewöhnen, können Landwirte dort bei der täglichen Tierkontrolle ein Lockfutter anbieten.
  • Nicht jede Weidefläche eignet sich, um die Tiere zu trennen und zu verladen. Daher sollte man die Absetztermine bei der Weideplanung berücksichtigen. Ein Umtrieb kurz zuvor führt zu mehr Stress.

Gute Optik = Mastfähigkeit?

In der Praxis ist oftmals zu beobachten, dass die am besten entwickelten Absetzer in den ersten Wochen in der Mast (egal, ob im eigenen Betrieb oder im Mastbetrieb) massiv an Körpermasse abbauen. Das Fell wird struppig, sie wirken eingefallen, zeigen wenig Appetit und brauchen relativ lange, um sich einzugewöhnen. Häufig hat das weniger mit Trennungsschmerz oder Stress zu tun als vielmehr mit einer mangelnden Pansenentwicklung und ungenügender Anfütterung.

Ein Tier, welches noch nie Silage, Getreide oder Maissilage gesehen hat, wird auch nicht sofort zuschlagen, wenn es eine solche Mastration vorgesetzt bekommt. Eine gute, an die Mastration angepasste Anfütterung, bereits in der Säugeperiode ist daher die Basis für die Mastfähigkeit und eine angemessene Mastdauer.

Grund dafür ist die Enwicklungsdauer des Pansens. Dieser durchläuft im Wachstum zwei Phasen. Zum einen muss sich die Größe entwickeln. Dies können Rinderhalter durch die Fütterung von strukturreichem Futter unterstützen. Die Struktur stimuliert die Pansenwand und regt die Durchblutung an.

Zum anderen müssen sich die Pansenzotten ausbilden. Leicht verdauliche Kohlenhydrate, wie beispielsweise Getreide, fördern das Wachstum der Zotten. Erst wenn ein Pansen optimal entwickelt ist, kann das Tier seinen Nährstoffbedarf auch zeitnah nach dem Absetzen ohne Milch decken. Aus verschiedenen Studien stammt die Erkenntnis, dass ein Kalb von der Milch abgesetzt werden kann, wenn es an mehreren aufeinanderfolgenden Tagen 0,8 bis 1 kg Kraftfutter aufnimmt.

Die Anfütterung der Kälber mit Getreide gestaltet sich im Kälberschlupf sehr einfach. Dort orientieren sie sich an den älteren Tieren und lernen schnell zu fressen. Die Verfütterung von leicht verdaulichen Kohlenhydraten sollten Landwirte selbst in der ertragreichsten Weideperiode nicht aussetzen. Verschiedene Hersteller bieten Futterautomaten für die Weide an, deren Zugang flexibel auf die jeweilige Tiergruppe bzw. deren Körpergröße einstellbar ist. Das stellt sicher, dass auch nur die richtigen Tiere an das Kraftfutter gelangen.

Wachstum durch Milch

Ein hohes Lebendgewicht bei gut entwickeltem Pansen ist also das große Ziel der Absetzererzeugung. Eine wichtige Rolle im Hinblick auf die Gewichtsentwicklung spielt trotz der Anfütterung die Milchleistung der Mutterkuh. Als Faustformel gilt: Je 1.000 g Tageszunahmen werden 10 Liter Milch benötigt. Wenn sich die Kälber in den ersten Lebenswochen und -monaten eher schlechter entwickeln und Erkrankungen und Parasiten ausgeschlossen werden können, sollten Landwirte den Fokus auf die Milch der Kuh legen.

In den seltensten Fällen lässt sich eine Mutterkuh dafür abmelken. Bei der Ermittlung der Milchmenge ist dies auch nicht unbedingt das Mittel der Wahl. Wenn sich die Kuh am Euter anfassen lässt, sollten Rinderhalter aber überprüfen, ob einzelne Viertel verletzt, verhärtet oder entzündet sind.

Auffallend häufige Saugbesuche bei der Mutter bei schlechter Entwicklung deuten auf wenig Milch hin. Ältere Kälber versuchen es notfalls dann bei anderen Kühen und drängen jüngere Tiere wiederum ab. Kleinen Kälbern fehlt dazu noch die Kraft, diese Kälber sollten im Ernstfall dann eine Ersatztränke bekommen.

Anhand der Fütterung bei Stallhaltung lässt sich ebenfalls auf die Milchmenge schließen. Rationsberechnungen auf Basis der Grundfutterergebnisse können helfen, zumindest rechnerisch, eine mögliche Milchmenge zu ermitteln.

Grundsätzlich beeinflusst eine an das Laktationsstadium angepasste Weideführung die Milchleistung der Kuh bzw. die optimale Versorgung des Kalbes. Eine Weide mit viel jungem, energiereichem Aufwuchs ist weniger für Kühe mit jungen Kälbern geeignet, da diese noch keine allzu hohen Milchmengen aufnehmen können. Generell sollte die bedarfsgerechte Versorgung der Kühe im Fokus stehen: Günstiger als über die Kuh lässt sich ein Kalb nicht füttern!

Die einfachste Methode zur Überprüfung der Aufzuchtqualität und -leistungen bleibt das Wiegen der Kälber. Viehwaagen gibt es in verschiedenen Ausführungen mobil oder stationär, mit oder ohne Behandlungsstand. Das optimale Absetzgewicht steht dabei immer im Verhältnis zum Gewicht der Elternrasse. Schwere Rassen, wie z.B. Charolais, sollten mit neun Monaten mindestens 350 kg Lebendgewicht erzielen. Leichte Rassen mit einem Gewicht der Mutter unter 600 kg sollten beim Absetzen mindestens 250 kg wiegen.

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