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Branche sehr nervös

Gaskrise: Molkereien in großer Sorge vor Produktions-Aus

Sollte die Ernährungsbranche bei einer Krise nicht priorisiert Gas bekommen, stünden die Molekereien von heute auf morgen still. Eine Molkerei baut gerade einen Heizöl-Notbetrieb auf.

Lesezeit: 3 Minuten

Ein Stopp der Gaslieferungen aus Russland träfe auch die deutschen Molkereien hart. Das hat Ludwig Huber, Vorstandsvorsitzender des Molkereiverbandes Milch.Bayern e.V., jetzt gegenüber dem Bayerischen Rundfunk verdeutlicht. Ohne Gas gäbe es einen massiven Produktionsstopp. Das Angebot an Milch und Käse würde einbrechen und Preissteigerungen wären unausweichlich, sagte er.

Wegen des möglichen Gas-Lieferstopps kam kürzlich der Milchausschuss des Deutschen Bauernverbandes zu einem Treffen zusammen. Günther Felßner, Vizepräsident des Bayerischen Bauernverbandes, warnte direkt nach dem Treffen im mittelfränkischen Triesdorf, dass die Lebensmittelversorgung systemrelevant sei, wichtiger noch als Wärme, wichtiger als die Wohnung, die ein Grad kälter oder wärmer sei.

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"Wenn du nichts zu essen hast, dann ist das ein Riesenproblem." Sollte das Gas abgedreht werden, dann werde schon zwölf Stunden später die Milch an den Höfen nicht mehr abgeholt, und ein, zwei Tage später gebe es keine Milchprodukte mehr in den Supermarktregalen. "Es hat existenzielle Auswirkung, wenn das Gas nicht mehr zur Verfügung steht", so der Milchexperte.

Milchfahrer zu Heizölfahrern umgeschult

Die Molkerei Berchtesgadener Land baut nach Informationen des BR bereits seit Monaten einen Notbetrieb mit Heizöl auf. Öltanks und einen Heizöllaster habe die Molkerei bereits gekauft. Das Unternehmen schickte zwei Fahrer von Milchlastern in eine Schulung, damit sie das Gefahrgut Heizöl auch transportieren dürfen. Außerdem setzt die Molkerei auf Notstromaggregate. Mehrere Millionen Euro habe das gekostet, sagt Bernhard Pointer, der Geschäftsführer von Berchtesgadener Land.

Schon bald will er genug Heizöl für sechs Tage Produktion lagern. Bei 25.000 Litern pro Tag sind das 150.000 Liter. "Ich will auf keinen Fall im Herbst unsere Bauern anrufen müssen und sagen: 'Wir können eure Milch nicht mehr abholen, schüttet sie in die Güllegrube'." Denn nichts anderes wird bei vielen Molkereien die Konsequenz sein, wenn das Gas ausbleibt, so Pointner.

Er ist sich aktuell sicher: Seine Branche und die bayerischen Milchbauern stehen kurz vor einer Krisensituation. Denn viele Molkereien könne es sich nicht leisten, zweigleisig mit Öl und Gas zu produzieren. Hinzu kommt: Aktuell gebe es auch nicht mal mehr entsprechende Notstromaggregate zu kaufen. "Der Markt ist leer. Keine Chance", sagt Pointner. Nur die Politik könne eine Krise noch verhindern.

Politik stellt sich quer

Laut Molkereiverbandschef Huber müssen auch Molkereien zur kritischen Infrastruktur gezählt und im Fall der Fälle weiter mit Gas versorgt werden. Bisher habe es dazu von der Politik aber keinerlei Signale gegeben. Außerdem müsste dabei auch auf die Lieferketten geschaut werden. "Uns hilft es nichts, wenn wir arbeiten können, aber die Verpackungsindustrie nicht - dann können wir unsere Produkte auch nicht verkaufen."

Zur kritischen Infrastruktur zählen vor allem die Bereiche Gesundheit und Energie. Krankenhäuser und generell die Stromversorgung stehen daher ganz oben auf der Liste schützenswerter Bereiche. Ernährung zählt aber derzeit nicht zur kritischen Infrastruktur

Zuständig für die kritische Infrastruktur ist in Deutschland das Bundeswirtschaftsministerium von Robert Habeck. Der schiebt die Verantwortung laut BR aber weiter. Das entscheide allein die Bundesnetzagentur.

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