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Gaskrise: So wichtig ist Erdgas für die Fleischwirtschaft

Die Fleischwirtschaft hängt am Erdgas, sagt Dr. Heike Harstick vom Verband der Fleischwirtschaft (VDF). Sollte der Gashahn dennoch zugedreht werden, drohen Tierschutzprobleme und leere Fleischtheken.

Lesezeit: 2 Minuten

Frau Dr. Harstick, welche Rolle spielt Erdgas in der Fleischwirtschaft?

Harstick: Rund 60% des Energieeinsatzes in Schlachtbetrieben wird mit Erdgas abgedeckt. Darunter fällt auch der weit verbreitete Betrieb von bisher als nachhaltig angesehenen Blockheizkraftwerken, die zugleich Wärme und Strom erzeugen.

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Für welche Produktionsschritte wird Gas benötigt?

Harstick: Für die benötigte Prozesswärme und Stromerzeugung wird zumeist Erdgas benötigt. Insbesondere ist das Enthaaren und Hygienisieren von Schweineschlachtkörpern durch Brühen, Dampf und Abflämmen kaum ohne Erdgas möglich.

Enthaaren und Entkeimen geht nur mit Erdgas

Welche alternativen Energiequellen könnten Schlachtunternehmen und Fleischverarbeiter nutzen?

Harstick: Ein Teil des Erdgases könnte durch Flüssiggas, Erdöl und Strom ersetzt werden, vorausgesetzt, das Stromnetz hält das aus und es ist bezahlbar. Die Umstellung kann allerdings nicht von heute auf morgen realisiert werden. In normalen Zeiten würde das mindestens sechs Monate erfordern. Angesichts aktuell mangelnder Verfügbarkeit von technischem Material und Personal vermutlich ein Jahr und länger.

In der Schweineschlachtung ist das Enthaaren und Entkeimen jedoch nicht ohne Erdgas denkbar. D.h. wenn hier kein Gas mehr in den Schlachtbetrieben ankommt, stehen die Betriebe still.

Kleinere Schlachtbetriebe könnten theoretisch auf manuelle Prozesse mit hohem Personaleinsatz und Ausnahmen vom Hygienerecht weiterarbeiten, wenn das Personal verfügbar wäre und die Veterinärüberwachung Ausnahmen zulassen würde.

Gilt die Fleischwirtschaft als kritische Infrastruktur und ist damit für den Bezug von Erdgas priorisiert?

Harstick: Die Fleischwirtschaft ist ein wesentlicher Teil der Nahrungsmittelversorgung und damit eine systemrelevante Branche. Die Bundesnetzagentur hat bekannt gegeben, dass es keine Abschaltreihenfolge geben wird. Zur Abwägung ihrer Maßnahmen in einer Gasmangelsituation hat sie allerdings Kriterien festgelegt, die berücksichtigt werden sollen. Das sind u.a. die Versorgung mit Nahrungsmitteln und Tierschutzaspekte. Eine Gewähr dafür, dass Schlachtbetriebe bei der Gasversorgung priorisiert werden, ist das jedoch nicht.

Nach wenigen Tagen sind die Fleischtheken leer

Welche Konsequenzen hätte eine Gasknappheit in der Fleischwirtschaft? Bleiben Landwirte dann auf Schlachttieren sitzen?

Harstick: Sollten Schlachtbetriebe nicht mit Erdgas versorgt werden, steht die Schweineschlachtung sofort still. Dann müssen die Tiere im Stall bleiben und wir bekommen sehr schnell ein massives Tierschutzproblem.

Gleichzeitig werden schon nach wenigen Tagen die Fleischregale und –theken im Lebensmitteleinzelhandel und den meisten Fleischereien leer sein.

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