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Zuviele hornlose Rinder bei Demeter - Verband plant Regelpräzisierung

Viele Demeter-Bauern halten auch 15 bis 20 Jahre nach der Umstellung noch hornlose Rinder, trotz anderslautender Werbung. Die Richtlinie ist bislang unpräzise und soll nun angepasst werden.

Lesezeit: 5 Minuten

Nach einem Bericht in der Tageszeitung taz, wonach viele Demeter-Betriebe auch 15 bis 20 Jahre nach Umstellung noch genetisch hornlose Rinder im Stall haben, hat der Ökoverband eine Präzisierung seiner Regeln angekündigt.

Das Problem ist, dass Demeter bislang damit warb, dass die Betriebe nur behornte Rinder halten. Nach den taz-Recherchen Anfang Juni ergänzte der Verband einige Ausnahmen in seiner Erklärung:

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"Neue Betriebe müssen ihre Herden Schritt für Schritt umstellen auf hörnertragende Tiere. Anders kann es in Anbetracht von über 90 % hornlosen Milchkühen in Deutschland auch gar nicht gehen. Doch die Hornlosigkeit vererbt sich genetisch dominant, daher kann es mehrere Generationen dauern, bis auf dem Betrieb tatsächlich nur noch Kälber geboren werden, die zu hörnertragenden Rindern heranwachsen. Da eine Demeter-Kuh schon mal 10, 12 Jahre alt wird, stehen also womöglich noch einige Zeit auch einzelne hornlose Kühe in der Herde. Die Kontrolle des Züchtungsfortschritts wird vom Verband an die Kontrollstellen beauftragt."

Keine Änderung an bisheriger Praxis

Auf Anfrage von top agrar online bestätigte Antje Kölling vom Demeter-Büro Berlin, dass umstellende Betriebe akzeptieren, ihre Herden schnellstmöglich auf hörnertragende Tiere zurückzuzüchten. "Es dürfen vom ersten Tag der Umstellung auf Demeter laut unserer Richtlinie nur genetisch horntragende Stiere (bzw. Sperma) zur Zucht eingesetzt werden, das wird auch so bleiben.

Trotzdem kann die Rückzüchtung mehrere Jahre dauern. Das ist gängige Praxis und gegenüber Demeter International angezeigt. Der Übergang steht aber noch nicht explizit in der deutschen Richtlinie, deshalb muss diese hier präzisiert werden. Dies ist keine Aufweichung sondern ebnet den Weg, um zu ermöglichen, dass in Zukunft die Kühe möglichst viele Herden wieder Hörner tragen", stellte sie klar.

Sie erwarte, dass diese Änderung problemlos und ohne große Diskussion angenommen wird. "Zudem sind die Hälfte unserer Delegierten Landwirte, die aus eigener Erfahrung sehr genau wissen, dass sich eine Kuhherde nicht mit einem Federstreich umstellen lässt, sondern dass dies ein langwieriger und auch kostspieliger Prozess sein kann. Strategien für diese Umstellung wurden im Projekt „Hörner im Laufstall“ von Beratern, Forscher und Praktiker gemeinsam erarbeitet."

Den Anteil unbehornter Rinder bei Demeter schätzt Kölling auf insgesamt 5 %, evtl. etwas darüber, auf jeden Fall deutlich unter 10 %. Hierbei seien aber alle drei möglichen Ausnahmen enthalten:

      • Milchviehbetriebe in Umstellung auf Demeter bzw. in den Jahren kurz danach, in denen die Herde noch rückgezüchtet werden muss

      • Zwei Betriebe mit sozialtherapeutischer Ausrichtung, die aufgrund ihrer Besonderheit eine befristete Genehmigung haben

      • Betriebe, die bereits vor 2014 eine traditionell genetisch hornlose Fleischrassen hielten – Angus oder Galloway-Rinder

Falsch sei dagegen die Darstellung im aktuellen taz-Artikel vom 15. Juli, dass Demeter seine Richtlinien aufweichen will. "In der Praxis wird sich nichts ändern" so Kölling weiter. Das Ziel, die behornte Genetik auszubauen, werde nur niedergeschrieben. Die taz hatte dagegen recherchiert, dass viele Betriebe auch nach 20 Jahren noch hornlose Tiere halten, was ein Verstoß gegen die eigenen Demeter-Regeln sei.

Dazu kontert die Demeter-Sprecherin: "Es geht hierbei nicht um ein Massenphänomen, ein Betrieb darf mit der Umstellung auf horntragend nicht trödeln." Aber: Die erste Generation Kälber aus genetisch reinerbig hornlosen Kühen und genetisch reinerbig horntragenden Stieren werde zu 100% mischerbig genetisch hornlos sein. In der zweiten Generation bei Anpaarung mit reinerbig genetisch horntragenden Stieren bleibe immer noch die Hälfte der Kälber mischerbig genetisch hornlos.

"Natürlich werden die Höfe angehalten, möglichst viele hornlose Tiere auszuselektieren - aber sie müssen ja auch weitere Kriterien bei der züchterischen Selektion beachten wie Gesundheit, Milchleistung und Charakter der Tiere. Zudem unterstützen wir eine Züchtung auf Lebensleistung – daher können wir schlecht verlangen, dass die Tiere nach 2-3 Laktationen geschlachtet werden. So kommen einige Jahre zusammen, in denen noch vereinzelt hornlose Milchkühe auf den Betrieben zu sehen sind", so Kölling.

Kommentar

Auf dem Weg hin zu komplett horntragender Genetik gewährt Demeter seinen Mitgliedsbetrieben lange Übergangsfristen, was ja durch die Zuchtgenerationen gerechtfertigt ist. Nur zu Recht fragt die taz in ihrem Artikel, wie ernst es da einige Mitgliedsbetriebe nehmen. Der Verband wirbt seit Jahren deutlich damit, dass es bei ihnen nur behornte Rinder gibt. Inzwischen sind die Texte angepasst um den Gedankenstrich "in der Regel hornlos", aber dennoch könnte man von Verbrauchertäuschung sprechen, sollten laut taz-Recherche auch 20 Jahre nach Umstellung noch etliche hornlose Rinder auf Demeter-Weiden stehen.

In einem Pressetext des Verbandes vom 4. Juni 2019 heißt es wörtlich:

"Worauf sie sich verlassen können: Mit jedem Liter Demeter-Milch unterstützen Sie die Erhaltung hörnertragender Rinder – damit auch Ihre Enkel Kühe mit Hörnern nicht nur im Bilderbuch, sondern noch auf der Weide sehen können." (...) "Das Demeter-Logo steht dafür, dass die Produkte von horntragenden Kühen und Rindern stammen, denn der Verband schreibt die Haltung horntragender Rinder vor. Von dieser Regel gibt es sehr wenige Ausnahmen."

Wie sich aktuell zeigt, schreibt der Verband zwar die Hornlosigkeit vor, legt aber keine Deadline fest, bis wann ein Landwirt das umgesetzt haben muss. Die Aufnahme einer Frist in die Richtlinien wäre daher das bessere Signal gewesen.

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