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Hygieneschleuse im Rinderstall: Besser praktisch als perfekt

Hygieneschleusen auf Rinderbetrieben lassen sich schwer umsetzen. Doch es muss nicht immer das ideale Schwarz-Weiß-Prinzip sein. Schon einfache Lösungen verbessern die Biosicherheit.

Lesezeit: 5 Minuten

Tierverluste von bis zu 60 % der Herden und 21 betroffene Betriebe: Für viele Rinderhalter hatten die Infektionen mit dem BVD-2-Virus im Raum Kleve 2012 große Folgen. Nachforschungen zeigten später: Sehr wahrscheinlich hatten Besucher die Erreger mit ihren Gummistiefeln oder ihrer Kleidung von Betrieb zu Betrieb verschleppt.

Das Beispiel zeigt, welche wirtschaftlichen Folgen mangelnde Biosicherheit haben kann. Häufig wird vergessen, dass auch Erkrankungen, die nicht zu den meldepflichtigen Tierseuchen zählen, von Personen übertragen werden. Sie sind häufig weniger gravierend, werden daher übersehen und als ganz normale abgetan. Maßnahmen, die den Eintrag von Erregern und Ausbreitung begrenzen könnten, bleiben daher aus.

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Biosicherheit zu aufwendig?

Fest steht: Mehr Biosicherheit hält die Herde nachweislich gesünder. Gerade die immer wieder auftretenden BHV1-Ausbrüche entlang der niederländischen Landesgrenze zeigen, wie wichtig der Schutz der Herde vor dem Eintrag von Krankheitserregern ist. Möglicherweise haben einige Betriebe aber noch immer Vorbehalte gegenüber mehr Biosicherheit. Eine Umfrage unter 64 rinderhaltenden Betrieben zeigt: Für ein Drittel der Betriebsleitenden bestehen keine Zweifel, dass Maßnahmen für mehr Biosicherheit im Betrieb sinnvoll sind.

Für eine ähnlich hohe Anzahl von Befragten ist der Nutzen jedoch zweifelhaft. Sie lehnen mehr Biosicherheit ab, weil sie den Zeitaufwand und die Kosten schwer abschätzen können. Weitere Gründe sind Angst vor Bequemlichkeit oder Angst vor Versagen bei der Umsetzung.

Angst, Entscheidungen treffen zu müssen und Unsicherheiten gegenüber Neuerungen, wurde vornehmlich von Landwirtinnen und Landwirten mit geringeren Kuhzahlen geäußert. Einige Betriebsleitende geben zudem an, dass ihnen Ansprechpartner für Beratung oder Informationen fehlen.

Das Thema Hygieneschleuse ist für Rinderhalter nicht neu. Viele kennen diese von Berufskollegen aus dem Schweine- und Geflügelbereich. Auch Lehrbücher zeigen häufig einen gefliesten, separaten Raum, der als Hygieneschleuse dient und entsprechend eingerichtet wurde. Ein optimales Schwarz-Weiß-Prinzip wird dabei groß geschrieben.

Durchgang reicht aus

Doch bei Schweine- oder Geflügelhaltern befinden sich die Tiere in der Regel in geschlossenen Gebäuden. Rinder sind hingegen in offenen Ställen untergebracht, zu denen beispielsweise auch Vögel Zugang haben. Ein separater Raum, der als Hygieneschleuse dienen könnte, ist in nur wenigen rinderhaltenden Betrieben vorhanden. Dies führt schnell zu der Argumentation, dass eine Hygieneschleuse überflüssig ist. Dabei wird allerdings vergessen: Relevante Erreger werden vorrangig durch Personen und deren Kleidung zu den Tieren transportiert und deutlich seltener über die Luft.

Klassischerweise findet der Kleidungswechsel schon vor Betreten des Betriebes statt. Dies lässt sich in vielen Milchvieh- oder Bullenmastbetrieben jedoch nicht umsetzen, da die Laufwege vom Hoftor bis zu den Ställen sehr weit sind. Für Tierärzte oder Besamungstechniker ist es nicht sinnvoll, den Wagen an der Hofeinfahrt zu parken und zu Fuß zu gehen. Zumal häufig Utensilien aus dem Auto für die Arbeit nötig sind. Eine Möglichkeit des Kleidungswechsels sollte daher in der Nähe von Kuh- oder Kälberstall vorhanden sein. Um erste, aber zielführende Maßnahmen im Rinderbetrieb trotzdem umsetzen zu können, braucht es keinen separaten Raum. Es reicht im ersten Schritt auch ein Durchgangsbereich, indem Stiefel und Kleidung griffbereit liegen. Wichtig ist das vor allem für Personen mit einem hohen Risiko für das Verschleppen von Erregern. Das sind alle, die Kontakt zu den Tieren haben und die Laufflächen betreten.

Das Ziel, die Erregereinschleppung über betriebsfremde Kleidung und Schuhwerk zu vermeiden, ist deutlich wichtiger, als eine perfekt ausgestattete Hygieneschleuse! Zudem werden die Kleidungsstücke im Rinderbereich oftmals nur übergezogen. Ein vollständiges Umkleiden ist hier auch mit Blick auf die niedrigeren Außenklima-Temperaturen nicht praxistauglich.

Jetzt aktiv werden!

Diese Beispiele zeigen: Der Zeitaufwand sowie entstehende Kosten sind für erste präventive Maßnahmen sehr überschaubar. Suchen Sie das Gespräch mit Ihrem Tierarzt und Besamungstechniker. Häufig lassen sich gemeinsam einfache und praktikable Lösungen finden.

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Desinfektionsmatten als schnelle Lösung?

Mal eben die Desinfektionsmatte auslegen und schon ist die Biosicherheit im Rinderstall optimiert? Das funktioniert leider nicht. Der Einsatz von Desinfektionsmatten ist aus folgenden Gründen nicht zu empfehlen:

• Die Matten müssen nach jedem Benutzen gereinigt werden, da Dreck die Desinfektionswirkung reduziert.

• Vor dem Betreten der Matte müssen die Schuhe gereinigt werden, da eine Desinfektion eine Dreckschicht nicht durchdringen kann.

• Das Desinfektionsmittel muss täglich nachgefüllt werden.

• Ein Drüberlaufen reicht nicht aus: Es braucht mindestens eine Minute Einwirkzeit auf der Matte.

• Niedrige Temperaturen reduzieren bei einigen Desinfektionsmitteln die Wirksamkeit. Die Matte sollte also nicht draußen liegen.

• Regen verdünnt die Konzentration des Desinfektionsmittels.

• Es gibt keine Zeitersparnis zu einem Schuhwechsel!

• Eine Desinfektionsmatte gaukelt also eine hohe Biosicherheit vor, die nicht gegeben ist!

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Ceckliste: Kleine Maßnahmen, große Wirkung

□ Grundsätzliche Hygiene etablieren bzw. hinterfragen. Beispiel: mit dreckigen Stiefeln nicht auf den Futtergang!

□ Durchgang oder Nebenraum für betriebseigene Kleidung und Stiefel nutzen.

□ Betriebseigene Kleidung ist wichtiger als ein konsequenter Schwarz-Weiß- Bereich.

□ Die Bekleidung sollte immer frei zugänglich sein und nicht vor dem Anziehen freigeräumt werden müssen.

□ Ordnung halten: Kleiderhaken und Gummistiefel mit Namen beschriften.

□ Kleidung regelmäßig waschen, denn nur saubere Stiefel und Overalls werden gerne und damit konsequent getragen.

□ Stiefel kopfüber und idealerweise trocken/warm lagern, damit diese sauber bleiben.

□ Familie, Mitarbeiter und externe Akteure informieren und motivieren.

Unsere Autoren:

Andreas Rienhoff, Nicole Geisthardt, Prof. Dr. Marc Boelhauve, Fachhochschule Südwestfalen

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