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Wiedervernässung: Familie Ahlers aus dem Teufelsmoor hat keine Angst

Familie Ahlers hält Mutterkühe und hat durch ein Naturschutz-Großprojekt im Teufelsmoor bereits gelernt, was die Wiedervernässung bedeutet.

Lesezeit: 3 Minuten

Die Niederung, in der unsere Flächen liegen, war im Winter immer schon hochwassergefährdet. Jetzt wird das Was­ser aber erst im Mai abgelassen“, sagt Swen Ahlers. Seine Vorfahren durften bereits 1759 im Teufels­moor bei Osterholz-Scharmbeck (Niedersachsen) siedeln. Im Gegenzug half die Familie beim Bau von Gräben zur Entwässerung. Heute ist die Zielsetzung für das Teufelsmoor eine andere, die Bewirtschaftung unterliegt dem Naturschutz.

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Marion und Swen Ahlers führen den Betrieb, der sich seit diesem Jahr in der Umstellung zum Biobetrieb befindet, im Nebenerwerb. Sie halten 25 Fleckvieh-Mutterkühe, die zwischen Februar und März im Stall kalben. Ab Ende April laufen diese in zwei Herden auf den Hochmoorflächen des Betriebes. Jedes Jahr Anfang Oktober setzen Marion und Swen Ahlers die Kälber ab. Dafür ziehen sie ihnen einen Saugentwöhner ein, die räumliche Trennung von den Muttertieren erfolgt eine Woche später. Die Bullenkälber verkaufen sie dann mit einem Gewicht von etwa 350 kg. Die weiblichen Kälber sind mit 20 Monaten schlachtreif oder kalben als Nachzuchtfärsen mit 24 Monaten.

Auf Naturschutz eingestellt

„Wir sind zufrieden mit den Mastleistungen, die wir mit unserer Flächenzusammensetzung erreichen“, sagt Swen Ahlers. 10 ha des Grünlands liegen im Niedermoor, 10 ha im Hochmoor und 10 ha sind intensives Grünland auf einem Mineralstandort. Die Hochmoorflächen dienen als Weide, dort sind fünf Beweidungen im Jahr möglich. Auf dem Mineralstandort mit Weidelgras und Weißklee erntet die Familie vier Grasschnitte als Heu und Silage.

Die Flächen im Niedermoor gehören zum „Naturschutzgroßprojekt Hammeniederung“. Von 1995 bis 2009 wurde hier auf einer Fläche von 27 km2 saisonal überschwemmtes Feuchtgebiet erhalten bzw. entwickelt und Vegetation wie Seggen und Röhrichte gefördert. Zum Projekt gehörte auch die Sicherung von Brut- und Rastgebieten. „Auf unserem Extensivgrünland können wir Wachtelkönig, Bekassine und Brachvögel beobachten“, so der Landwirt.

Die Bewirtschaftung der Flächen hat sich durch das Projekt jedoch grundlegend geändert: „Früher lagen im Niedermoor unsere besten Flächen.“ Jetzt wird das Grünland bis in den Mai künstlich unter Wasser gehalten. Die höher liegenden Wege dienen als Dämme, die über Stauwehre geschlossen werden. Familie Ahlers erntet dort nur Extensivheu für die Trockensteher.

Die Futterqualität ist eine Herausforderung: „Das Wasser ist im späten Frühjahr oft stinkig. Wenn es abgelassen wird, bleibt eine Algenschicht auf dem Gras zurück. Die Grünlandpflege muss optimal sein, damit wir keine muffiges Futter ernten“, so der Landwirt. Denn feuchte Flächen sind ein idealer Nährboden für Clostridien. Um Problemen vorzubeugen, impfen die Landwirte Kälber und Kühe gegen Clostridien, schneiden das Gras auf 10 cm Höhe und legen großen Wert auf eine gute Futterqualität. Regelmäßige Behandlungen gegen Endo- und Ektoparasiten gehören für sie genauso dazu wie frisches Wasser. „Auf Moorstandorten ist der Parasitendruck einfach höher“, erklärt Marion Ahlers.

Die Familie hofft, dass eine Wiedervernässung ihrer Hochmoorflächen mit Augenmaß geschieht. „Vor nassen Flächen habe ich keine Angst. Viel mehr beunruhigen mich unüberlegte Entscheidungen der Politik und die Zahlen zur CO2-Einsparung, die gerade die Runde machen“, so Swen Ahlers. Er fragt sich, ob sich diese für alle Moorstandorte wirklich so einfach berechnen lassen und was sie für die Vermarktung ihrer Kühe bedeuten könnten: „Können wir das Rindfleisch bald nicht mehr verkaufen, weil der CO2-Fußabdruck hier zu schlecht ist?“

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