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Kühe unter Agri-Photovoltaik

Christian und Ulrike Knees haben alles auf eine Karte gesetzt: Seit 2016 sind sie selbstständige Landwirte. Was treibt sie an und wie haben sie den Hof aufgestellt?

Lesezeit: 6 Minuten

Kühe unter einem Solardach – das ist in Deutschland bislang einzigartig. Es ist nur eine von vielen Ideen, die Christian und Ulrike Knees auf ihrem Betrieb in Jerchel in Brandenburg umsetzen. Die beiden halten Mutterkühe, betreiben eine eigene kleine Fleischerei und einen Hofladen.

2016 hat der gelernte Landwirt mit seiner Frau den damals maroden Betrieb gekauft und sich selbstständig gemacht. Dazu gehörten 120 ha Land. Ein Jahr späte kauften sie zudem eine bestehende Agrargenossenschaft. Mittlerweile sind die beiden Betriebe auf 2.000 ha gewachsen, etwa die Hälfte ist Eigenland, der Rest gepachtet. „Wir wollten selbst Landwirtschaft betreiben. Der Kauf des Hofes war eine große Chance für uns“, sagt der 34-Jährige. Sein Ziel ist es, ganzheitlich mit dem Fokus auf Qualität und Regionalität zu wirtschaften – anstatt auf Masse.

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Naturschutz mit Mutterkühen

Dazu gehört für ihn, auch Flächen optimal zu nutzen. Etwa 400 der 700 ha Grünland liegen im Naturschutz- und Moorgebiet – z. B. das Natura2000-Gebiet an der Havel. Die Nutzung ist dort eingeschränkt und das Befahren mit schweren Maschinen nicht möglich. Christian Knees hat sich entschieden, auf diesen Flächen Mutterkühe zu halten. Die 250 Fleckvieh-Kühe und deren Nachzucht nutzen das Grünland durch die Beweidung sinnvoll. Eine der insgesamt fünf Herden sind Erstkalbskühe.

Im Winter ist der Boden zu feucht, sodass starke Trittschäden entstehen. Ab November sind die Tiere daher auf einem Acker am Hof untergebracht. Als Winterquatier dient eine Halle. In diesen Monaten bindet die Fütterung viel Zeit und Personal. Die Mehrkalbskühe bekommen Heu. Die Färsen sind in einem Stall untergebracht und fressen zusätzlich Maissilage. So entwickeln sie sich besser und das Beobachten bei Geburten ist leichter.

Agri-PV als Unterstand

„Es ist jedoch schwer, mit Mutterkühen Geld zu verdienen“, sagt der gebürtige Schleswig-Holsteiner. Daher kam ihm eine Idee: Die Kühe im Winter unter einer Agri-PV-Anlage halten. So ließe sich der Unterstand durch die Energieproduktion finanzieren und die Fläche wäre nicht allein für eine PV-Anlage versiegelt.

Mehr dazu erfahren Sie auch in unserem Podcast Weitergedacht:

Die Folge gibt es bei Spotify, Apple Podcasts und überall, wo es Podcasts gibt. Viel Spaß beim reinhören.

Die erweiterte Nutzung der Solarmodule als Unterstand testet der Betriebsleiter bislang mit 20 Absetzern auf einem Versuchsstandort mit einem Solarmodul-Hersteller. Das große Projekt ist auch in Planung: Es sollen drei PV-Anlagen mit einer Gesamtfläche von 1 ha entstehen. Die Solarmodule sind die Dächer. Zwei davon dienen als Witterungsschutz für Kühe, das dritte Abdach als Futterlager. Sie sind je 300 m lang und 5 m breit.

„Wir können die Heuballen direkt nach der Ernte dort einlagern“, erklärt Christian Knees. Die Solarmodule stehen auf einem Stahlgerüst und haben eine Höhe von 2,80 m an der niedrigsten und 3,30 m an der höchsten Stelle. So lassen sich drei 90 cm hohe Quaderballen stapeln. Der Futtervorrat wäre für die Kühe zugänglich. „Das Füttern nimmt dann weniger Zeit in Anspruch, da wir das Heu nur regelmäßig anschieben müssen. Ich kalkuliere mit drei Stunden pro Woche“, so die Vorstellung des Mutterkuhhalters.

Die Solaranlage besteht aus Glasmodule, die lichtdurchlässig sind. Das ermöglicht Pflanzenwachstum darunter. Christian Knees will dort Gras einsäen. Das soll im Sommer wachsen und im Herbst als Futter für die Tiere dienen. Zwischen den einzelnen Modulen befinden sich kleine Regenrinnen mit Löchern. Durch dieses Regenverteilsystem kann das Wasser darunter vertropfen. Über dem Futterlager sammelt eine Dachrinne das Regenwasser.

Eingestreute Bereiche sind nicht geplant. Lediglich im Geburtenzeitraum will der Betriebsleiter etwas Stroh unter einem Teil der Solarmodule verteilen, um den Tiere mehr Komfort zu bieten.

Etwa 1 kg Tageszunahmen

Im Februar beginnt die Kalbesaison. „Alle Tiere kalben in Hofnähe, sonst haben wir Probleme mit dem Wolf. Im ersten Jahr wurden 18 Kälber gerissen“, ärgert sich Knees. „Vergangenes Jahr hatten wir erstmalig keine Risse.“ Erst im Mai, nach der Kalbesaison, ziehen Kühe und Kälber auf die Weide. Dann sind die Jungtiere stark genug.

Von Mai bis Juli ergänzen zugekaufte Deckbullen die Herde. Acht Fleckvieh-Bullen sind auf die vier Herden der Mehrkalbskühe aufgeteilt. Ein Limousin-Bulle deckt die Färsen. So sind die Geburten für die Erstkalbinnen leichter. Alle Tiere, die nicht tragend sind, verlassen die Herde im Herbst.

Was wir produzieren, müssen wir verwerten und vermarkten können.“-Christian Knees

Die Kälber bleiben bis Oktober bei ihren Müttern. Danach werden sie abgesetzt und über einen Viehhändler an Mäster verkauft. Zu diesem Zeitpunkt wiegen sie etwa 250 bis 270 kg. Die mittleren Tageszunahmen der männlichen Tiere liegen bei 1 000 g je Tag. Bei den weiblichen sind es ca. 900 g. „Wir dürfen Natura2000-Flächen nicht düngen. Daher ist das Futter relativ energiearm“, begründet Christian Knees.

Wochenmarkt und Hofladen

Der Betrieb vermarktet Fleisch über den 2022 gebauten Hofladen und einen Marktwagen. Etwa 20 Tiere gehen jährlich über die Ladentheke. „Mit dem Verkaufswagen besuchen wir Wochenmärkte in Berlin. Dort ist das Verständnis größer, das ganze Tier zu verwerten“, so der Landwirt. Eine Kuh bestehe nicht nur aus Filet und Roastbeef. Es gibt viele andere Teile, deren Vermarktung herausfordernd sein kann. Im Hofladen gibt es auch Produkte von benachbarten Höfen wie Eier, Nudeln, Rapsöl, Popcornmais, Säfte, Marmeladen, Honig und Naturpflegeprodukte. Das eigene Damwildgehege ergänzt das Portfolio mit regionalem Wild.

Der Ansatz vom Ehepaar Knees: „Was wir produzieren, müssen wir verwerten und vermarkten können.“ Bevor die beiden wertvolle Rohware wegwerfen, verarbeitet Ulrike Knees diese. Beispielsweise kocht sie Rouladen ein und macht die Produkte haltbar für den Verkauf. „Wir schlachten erst, wenn wir das Tier verkaufen können“, sagt sie. Ein angestellter Fleischermeister schlachtet in der hofeigenen Fleischerei. Das Landwirtspaar hat sie 2021 gebaut mit einer Solaranlage auf dem Dach. Die Kühlung wollen sie mit einer Eigenstromanlage ausstatten.

Auf dem Betrieb gibt es viele helfende Hände: Neben Christian Knees als Betriebsleiter kümmert sich Ulrike Knees um den Hofladen und die Mutterkühe. Zusätzlich packen 17 Mitarbeiter mit an. Im Herbst verstärken Erntehelfer das Team, unter anderem beim Häckseln von Gras und Mais im Lohn.

„Wir versuchen uns breit aufzustellen, um das Risiko zu verteilen“, so der Betriebsleiter. Er fühlt sich in Brandenburg wohl, vor allem als selbstständiger Landwirt. „Auch, wenn ich meine alte Heimat mag: Ich bin gerne hier.“

Kühe unter Strom

Mehr zu dem Betrieb von Christian und Ulrike Knees hört Ihr in unserem top agrar-Podcast „Weitergedacht“. Folge 6 „Kühe unter Strom – ­Agri-PV und Mutterkuhhaltung ­kombiniert“ dreht sich speziell um das Projekt der Landwirte. Die Folge gibt es bei Spotify, Apple Podcasts und überall, wo es Podcasts gibt.

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