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topplus Interview zu Lieferbeziehungen

„Molkereien haben wenig Spielraum bei den Milchpreisen“

Dr. Anne Margarian vom Thünen-Institut hat die Lieferbeziehungen der Milchbranche analysiert und erklärt im Interview, warum die so bleiben sollten.

Lesezeit: 3 Minuten

Dr. Anne Margarian ist beim Thünen-Institut für die Analyse der Agrar- und Ernährungswirtschaft zuständig. Die Evaluierung der Lieferbeziehungen zwischen milcherzeugenden Betrieben und Molkereien hat sie zusammen mit Dr. Janina Knuck, Prof. Dr. Martin Banse, Dr. Florian Freund, Dr. Verena Laquai und Dr. Annika Thies durchgeführt.

Frau Dr. Margarian, Sie haben zusammen mit Kolleginnen und Kollegen im ­Thünen-Institut die Liefer­beziehung zwischen Molkereien und Milch­erzeugern evaluiert. Warum?

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Margarian: Milcherzeuger:innen ­kritisieren immer wieder, dass die ausgezahlten Milchpreise nicht fair sind, beziehungsweise ihre Produktionskosten nicht decken. Es heißt, die Molkereien würden ihre Marktmacht ausnutzen und die Preise ­drücken können. Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) hat uns deshalb beauftragt, die Verhältnisse am Milchmarkt zu analysieren. Dazu haben wir mit Expert:innen verschiedener Molkereien und einer Milch­erzeugergemeinschaft gesprochen.

Was sind die Ergebnisse?

Margarian: Der Spielraum der Molkereien bei der Preisgestaltung ist gering. Sie setzen ihre Produkte entweder am Massenmarkt ab und müssen sich am Weltmarkt orientieren. Oder sie verkaufen Spezialitäten direkt an den Einzelhandel. Der übt dann beispielsweise bei den Eigenmarken großen Preisdruck aus. Gleichzeitig sind die Molkereien an stabilen Milchliefermengen interessiert und müssen daher mindestens den Preis zahlen, zu dem effiziente Betriebe Milch erzeugen können.

Wie bewerten Sie speziell die Lieferbeziehungen zwischen Molkereien und Milchkuhbetrieben?

Margarian: In Bezug auf die Lieferbeziehungen würde eine Aufgabe der Andienungspflicht vielleicht die Verhandlungsposition einzelner Erzeugungsbetriebe stärken. Dann würden allerdings auch die Abnahmegarantien in Frage stehen. Solche Risiken scheuen viele Erzeuger:innen. Wenn die Molkerei die Risiken übernimmt, ist das nicht kostenlos und drückt letztendlich auf die Auszahlungspreise.

Sie haben allerdings nicht direkt mit Landwirtinnen und Landwirten gesprochen…

Margarian: Das stimmt. Dafür fehlen uns aktuell die Ressourcen. Wir haben aber die Ergebnisse anderer Befragungen von Milcherzeuger:innen zu diesen Themen berücksichtigt. Wenn möglich, wollen wir in einem nächsten Schritt auch mit Landwirt:innen sprechen.

Wie können Milchkuhbetriebe ak­tuell bei den Preisen mitbestimmen?

Margarian: In den meisten Molkereien reden Vertreter:innen der Erzeugungsseite schon jetzt bei der Preisfestsetzung mit. Landwirt:innen können sich auch um Qualitätszuschläge bemühen oder an Qualitätsprogrammen teilnehmen. Zusammen mit der Molkerei können sie einen Teil der Milchmenge an der Warenterminbörse absichern. Erzeuger:innen können auch gemeinsam darauf hinwirken, dass ihre Molkerei attraktive Programme oder Prämien übernimmt, die andere Molkereien vielleicht schon anbieten.

Es kann also alles bleiben, wie es ­aktuell ist? Oder was empfehlen Sie?

Margarian: Unsere Analyse zeigt, dass der Spielraum bei der Hebung von Effizienzreserven in den Betrieben größer ist als der Spielraum bei der Preisgestaltung der Molkereien. Das heißt: Viele Landwirt:innen können rentabel Milch erzeugen, wenn sie ihre betriebsindividuellen Stärken einsetzen. Doch das kostet Zeit, genauso wie ein Risikomanagement oder Verhandlungen mit den Molkereien. Diese Zeit fehlt oft. Denkbar wäre daher, dass Betriebe stärker zusammen arbeiten, um Managemententscheidungen zu treffen oder Preise zu verhandeln. Zusätzlich wären gezielte Schulungsangebote hilfreich.

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