Bayern

Schutz vor dem Wolf: Landwirtschaftsministerium und Bund Naturschutz in Bayern streiten

Nach neuen Wolfsrissen fordert der Bund Naturschutz von der Staatsregierung in Bayern eine bessere Förderung von Schutznahmen. Das Landwirtschaftsministerium kontert die Kritik.

Das bayerische Landwirtschaftsministerium hat die Vorwürfe des Bundes Naturschutz (BN) zurückgewiesen, die Verwaltung habe die Landwirte nicht ausreichend über Herdenschutzmaßnahmen und die dafür bereitstehenden Fördermöglichkeiten in den Gebieten mit Wolfsanwesenheit informiert. Das zuständige Landwirtschaftsamt in Weiden und die Fachberatung für Schafhaltung in Schwandorf haben nach Aussage des Ministeriums auch in Oberfranken und in der Oberpfalz intensiv beraten.

„BN-Forderung nach wolfsabweisenden Zäunen in ganz Bayern völlig überzogen“

Die Forderung des BN nach wolfsabweisenden Zäunen in ganz Bayern bezeichnete das Ministerium angesichts der aktuellen Situation als völlig überzogen. Ganz abgesehen von den immensen Kosten würde eine bayernweite Förderkulisse in Gegenden ohne Wolfsgeschehen dazu führen, dass das Bild der Kulturlandschaft zerschnitten und die sonst vom Bund Naturschutz geforderte Biotopvernetzung massiv behindert würde. Zudem weist das Ministerium darauf hin, dass solche Wolfsschutzzäune auch für die Besucher der freien Natur schwer überwindbare Barrieren darstellen.

Angesichts der Materialknappheit und der Lieferschwierigkeiten der Hersteller für diese Spezialzäune, sollten die verfügbaren dort eingesetzt werden, wo akuter Bedarf sei, also wo sich Wölfe bereits standorttreu sind. Seit 2020 werde eine laufend steigende Zahl von Förderanträgen für Herdenschutzmaßnehmen unabhängig von Rissen bewilligt. Niemand müsse auf die Förderung warten, bis Tiere gerissen werden.

Die Zahl der Wolfssichtungen und Wolfsreviere nimmt in Bayern zu. Die Staatsregierung habe seit 2020 eine Herdenschutzförderung mit dem bundesweit größten finanziellen Umfang und breitem Förderspektrum zur Verfügung gestellt. Momentan befinde sich rund ein Drittel der Landesfläche im Fördergebiet für Herdenschutzzäune.

„In Bayern kann jetzt überall ein Wolf auftauchen“

Nach einem weiteren Verdachtsfall auf von einem Wolf gerissene Schafe am Manteler Forst im Landkreis Neustadt an der Waldnaab, hatte Richard Mergner, BN-Vorsitzender in Bayern, Alarm geschlagen: „Es gibt immer noch sehr viele Schaf- und Ziegenherden in Bayern ohne Herdenschutz. Doch mit zunehmender Zahl von Wölfen steigt auch das Risiko von Wolfsrissen.“ Der BN hatte deswegen von der bayerischen Staatsregierung gefordert, die Förderung für wolfsabweisende Zäune zumindest für Schaf- und Ziegenhalter sowie für Gehegewild in ganz Bayern zu ermöglichen.

„Wir brauchen Prävention statt Reaktion“, forderte Uwe Friedel, Wolfsexperte des BN. „In Bayern kann jederzeit überall ein Wolf auftauchen. Wenn ein Tierhalter erst noch warten muss, dass Tiere gerissen werden, bevor er einen wolfsabweisenden Zaun finanziert bekommt, dann laufen wir Gefahr, dass sich Wölfe an Schafe als leichte Beute gewöhnen.“

BN fordert Förderung der laufenden Kosten

Neben der flächendeckenden Förderung der investiven Kosten forderte der BN auch, dass Bayern endlich eine Förderung für die laufenden Kosten und den Aufwand des Herdenschutzes auf den Weg bringt. Denn diese könnten die investiven Kosten deutlich übersteigen und seien für die Mehrzahl der Weidetierhalter alleine nicht zu stemmen.

Im Rahmen des Projekts LIFEstockprotect werden in Bayern praxisnahe Schulungen von Herdenschutzpraktikern angeboten. Weidetierhalter, die Herdenschutzzäune installieren wollen, können in den Kursen lernen, wie diese errichtet werden müssen, um Wölfe vom Angriff abzuhalten. Der BN engagiere sich in dem Projekt, um zu weniger Wolfsrissen beizutragen. Abschüsse von Wölfen, die mehrfach ordnungsgemäßen Herdenschutz überwunden haben, seien auch nach Ansicht des BN als ultima ratio notwendiger Teil eines durchdachten Wolfsmanagements.

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