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Afrikanische Schweinepest im Emsland: Interview mit einem Schweinehalter

Die ASP ist in Niedersachsen angekommen. Deutlich wird: Trotz hoher Hygienestandards kann das Virus einen Weg in den Stall finden. Wir haben mit einem Schweinehalter aus dem Emsland gesprochen.

Lesezeit: 8 Minuten

Matthias Teepker bewirtschaftet gemeinsam mit seinem Bruder Stefan den familien-geführten Betrieb in Handrup im niedersächsischen Emsland. Der Ferkelerzeuger hält auf insgesamt neun Betriebsstandorten etwa 1.000 Sauen und 8.500 Mastschweine im teilgeschlossenen System. Neben 700 ha Ackerbau bewirtschaften sie in Kooperation mit anderen Landwirten aus dem Ort eine Biogasanlage und Hähnchenmastanlagen.

top agrar hat bei Matthias Teepker nachgefragt, wie er mit der aktuellen Situation seit Bekanntwerden des ASP-Ausbruchs im südlichen Emsland umgeht und wie er gerade jetzt seinen Betrieb vor einem weiteren Seuchengeschehen im Umland schützen will.

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Am Freitag kam die Hiobsbotschaft: Bei einem Ferkelerzeuger in Emsbüren ist die Afrikanische Schweinepest ausgebrochen. Was waren Ihre ersten Gedanken und Taten in diesem Moment?

Teepker: Nachdem die ersten Nachrichten eintrudelten, habe ich zuallererst noch an Fake-News gedacht. Denn auch vor zwei Jahren entpuppte sich ein Bericht über einen angeblichen ASP-Ausbruch im Nachhinein nur als Meldung über eine Seuchen-Übung. Daher hatte ich am Anfang noch die Hoffnung, das alles sei völliger Quatsch. Relativ schnell kamen dann aber die ersten Beiträge in den Medien.

Da sich unser Betrieb auf verschiedene Standorte im südlichen Emsland aufteilt, wollte ich erst einmal die Fakten klären. Mir ging es dabei nicht um Namen. Ich wollte ausschließlich wissen, wo der Betrieb liegt, um zu wissen, ob wir auch betroffen sind. Mir ging es in der ersten Nacht darum, gesicherte Informationen und keine Fake-News zu bekommen.

Die wirkliche Bestätigung, dass der Betrieb in Ahlde, Emsbüren, liegt, kam dann am Samstagmorgen. Dann ist auch bei mir erst einmal Ruhe eingekehrt, weil ich wusste, dass wir zumindest räumlich erst einmal nicht betroffen waren.

Was haben Sie als erstes getan?

Teepker: Zuerst habe ich am Freitagabend mit unserer Versicherung telefoniert, um zu klären, was im Ernstfall auf unserem Betrieb entschädigt werden würde. Dass die Versicherung dann auch am späten Abend noch zu erreichen war, muss man ihnen wirklich zugutehalten.

Für Freitagabend war außerdem an drei Standorten unseres Betriebes das Verladen von Mastschweinen geplant. Daher mussten wir kurzfristig klären, wo der Fahrer des Transportunternehmens vorher unterwegs war, sodass wir trotz hoher Hygienestandards kein Risiko eingehen.

Als bekannt wurde, dass ein Kontaktbetrieb im Raum Freren ebenfalls betroffen sein könnte, hatte ich schnell wieder viele Fragen im Kopf. Denn ein Standort unserer Sauenhaltung liegt in Messingen, in der Nähe von Freren. Dieser wäre von einer 10-km-Sperrzone betroffen gewesen.

Welche wirtschaftlichen Konsequenzen hätte es, wenn Sie in die Sperr- oder Überwachungszone rutschen?

Teepker: Dadurch, dass wir aber schon seit Ausbruch der ASP in Deutschland eine Tierversicherung für den gesamten Betrieb haben, die auch bei Einbußen durch die ASP greift, können wir „relativ“ entspannt bleiben. Im Sinne des Seuchenschutzes gilt es, Ruhe zu bewahren.

Da kann ich die Aussage von Ministerin Otte-Kinast unterstreichen, die die Landwirte angerufen hat, nicht in Aktionismus zu verfallen und innerhalb des künftigen Sperrgebietes Tiere von A nach B zu fahren, auch wenn die Allgemeinverfügung erst ab Dienstag galt.

Im Sinne des Seuchenschutzgesetzes gilt es, Ruhe zu bewahren" - Teepker

Welche Konsequenzen hat der ASP-Ausbruch für Ihren Betrieb und welche Strategien verfolgen Sie in den kommenden Wochen?

Teepker: Wir haben bereits im gesamten Betrieb sehr hohe Hygienestandards und legen großen Wert auf die Einhaltung der Biosicherheit. Dennoch war für uns bereits am Wochenende klar, dass wir das gesamte Hygienekonzept nun noch stärker optimieren wollen. Um auch bezüglich neuer Versicherungspolicen auf der sicheren Seite zu sein, habe ich zeitnah ein weiteres Gespräch mit der Versicherung geführt.

Aktuell kann die ASP auf einmal auch auf dem Nachbarbetrieb ausbrechen. In so einem Moment habe ich keinen eigenen Einfluss auf den Schaden, der in meinem Betrieb entstehen könnte. Dass dann die Versicherung haftet, war auch der Grund, dass wir uns bereits vor zwei Jahren quasi doppelt abgesichert haben.

Wir haben dann am Montag schriftliche Hygiene-Empfehlungen an alle Mitarbeiter gegeben, um das gesamte Team noch einmal zu sensibilisieren. Dort haben wir auch Punkte aufgelistet, die schon vorher klar waren, bei denen sich aber dennoch Nachlässigkeiten einschleichen könnten. Es war also nicht nur ein Schreiben, sondern die klare Aufforderung, die Punkte nun zu 100 % umzusetzen.

Raten Sie das auch anderen Landwirten aus Deutschland?

Teepker: Man braucht dafür auf jeden Fall einen Weitblick. Im aktuellen Fall würde wahrscheinlich kein Versicherer einen ASP-Ausfall für Schweine im Emsland versichern. Da sollte man eine Mindest-Karenzzeit von einem halben Jahr einplanen.

Wie wichtig das frühzeitige Gespräch mit der Versicherung ist, zeigen die ASP-Ausbrüche in Baden-Württemberg oder der Uckermark.

Wichtig ist auch, dass die Vorgaben der Tierseuchenkasse eingehalten werden. Was haben Sie diesbezüglich unternommen?

Teepker: Ich bin für jeden Standort die Sanktionsliste der Tierseuchenkasse durchgegangen, um zu sehen, was verbessert werden muss. Viele der Punkte können schnell abgehakt werden. Wenn sie aber in der Praxis nicht umgesetzt werden, bringen sie auch dem Seuchenschutz nichts. Das heißt auch, dass diese Punkte fester Bestandteil im Alltag sein müssen. Ich will nicht nur für den Worst Case sagen können, dass alles passt – ich will die ASP gar nicht erst in meinem Betrieb haben.

Ich will nicht nur für den Worst Case sagen können, dass alles passt - ich will die ASP gar nicht erst in meinem Betrieb haben." - Teepker

Welchen Appell richten Sie in der aktuellen Situation an die Politik?

Teepker: Wie das bisherige Handeln und der Informationsfluss der Behörden hier in Niedersachsen ablaufen, ist das schon sehr professionell und konsequent. Die Infos zum Seuchenmanagement, die wir als Landwirte von der Politik bekommen haben, waren, meiner Meinung nach, sehr sachlich und schlüssig.

Trotzdem gilt es, wachsam zu bleiben. Denn beim Seuchenschutz kann auch viel schief laufen. Wir haben in Ostdeutschland gesehen, dass in der praktischen Umsetzung des Seuchenschutzes viel schiefgelaufen ist. Das liegt dann aber nicht daran, dass die Leute vor Ort es nicht können oder wollen, sondern, dass es von oben, von der Politik her schwach koordiniert und aufgestellt ist.

Die überregionalen Medien fordern jetzt, dass die intensive Tierhaltung in Nordwestdeutschland so nicht weitergehen darf. Wie stehen Sie dazu?

Teepker: Die Medien sollten jetzt nicht den voreiligen Schluss ziehen, dass die Schweinehaltung im Emsland so in Zukunft nicht weitergehen kann. Wir haben hier bei uns hoch professionelle Betriebe, die mittlerweile alle so ein gutes Hygienekonzept haben, sodass es derzeit danach aussieht, dass wir die ASP nicht verschleppt haben. Aber auch hier dürfen wir uns nicht zu früh selbst loben.

Aber man kann schon sagen: Die Landwirtschaft hier, so konzentriert sie auch ist, ist so professionell, dass sie auch jetzt noch eine Zukunft hat. Daran ändert sich meiner Meinung nach nichts, wenn wir künftig mehr Außenklimaställe haben. Entscheidend ist, dass wir Landwirte auf die Biosicherheit achten.

Die Landwirtschaft hier (...) ist so professionell, dass sie auch jetzt noch eine Zukunft hat." - Teepker

Die "rote Seite" nutzt die ASP und übt Preisdruck aus. Haben Sie dafür Verständnis?

Teepker: Nein, denn an der Gesamtlage eigentlich nichts verändert hat. Denn Fleisch aus dem Emsland noch genauso sicher, wie vor dem Ausbruch der ASP.

Es gibt kein einziges Argument für einen Preisabzug! Wenn Schlachter oder Fleischverarbeiter jetzt Druck machen, finde ich das vollkommen unbegründet. Denn der Erreger ist für die Menschen ungefährlich. Und was viel wichtiger ist: die emsländischen Schweine sind aktuell mit Sicherheit noch besser kontrolliert als noch vor einer Woche. Außerdem gibt es aktuell keinerlei Anzeichen für eine Verbreitung des Virus. Von daher sind selbst die Schweine aus dem 10 km-Radius nicht schlechter als jedes andere Schwein.

Die Landwirtschaft hier (...) ist so professionell, dass sie auch jetzt noch eine Zukunft hat." - Teepker

Wichtig wäre, dass die Schweine in den betroffenen Gebieten ortsnah geschlachtet werden. Was ist diesbezüglich zu regeln?

Teepker: Entscheidend ist, dass der Transport und die Schlachtung der Schweine nach der Aufhebung des Stand still geregelt sind. Es muss klar sein, wer die Tiere transportiert und wo sie geschlachtet werden können.

Schlachthöfe, die infolge der ASP-Beschränkungen andere Schweine angeliefert bekommen als üblich, müssen bei eventuellen Vermarktungsproblemen entschädigt werden.

Wenn wir in die Zukunft blicken: Wie geht es für Sie und ihren Betrieb aber auch für die anderen Schweinehalter im Emsland und ganz Niedersachsen jetzt weiter?

Teepker: Wichtig und entscheidend ist herauszufinden, wo die Eintragsquelle liegt. Dabei tappen wir aktuell im Dunkeln. Mittlerweile können Wissenschaftler die DNA des gefundenen Virus so klassifizieren, dass im Nachhinein geprüft werden kann, wo ein vergleichbarer Typus aufgetreten ist. Dann stellt sich aber weiterhin die Frage nach dem Weg. Es wäre für uns Betriebe hilfreich, wenn im Nachhinein evaluiert wird, wie das Virus in den Betrieb kam. Dann wissen die Landwirten, welche Sicherheitslücke zu schließen ist, um sich vor der ASP zu schützen.

Es kann scheinbar jeden treffen." - Teepker

Aber solange die Eintragsquelle nicht geklärt ist, bleibt eine Unsicherheit, denn es kann scheinbar jeden treffen. Trotzdem steigt mit jedem Tag, die begründete Hoffnung nach einem absoluten Einzelfall. Auf Grund einer guten Betriebshygiene gibt es bisher keine Verbreitung. Dennoch müssen wir davon ausgehen, dass sich sowas jederzeit an jedem Ort wiederholen kann.

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