Umbau der Tierhaltung

Aldi stellt Bedingungen für Tierwohlabgabe

Der Lebensmitteldiscounter Aldi fordert eine europaweite Einbeziehung aller Marktteilnehmer bei der Tierwohlabgabe. Verbraucherschützer kritisieren Aldi. Tönnies will auf Stallhaltung plus umstellen.

Deutschlands größter Lebensmitteldiscounter, die Aldi-Gruppe, unterstützt die von der Borchert Kommission vorgeschlagene Tierwohlabgabe von 40 Cent pro Kilogramm Fleisch, setzt aber gleichzeitig Hürden für eine Umsetzung, berichtet das Nachrichtenmagazin der Spiegel. Es müssten dazu „alle Marktteilnehmer ins Boot – möglichst auf europäischer Ebene“, sagte Aldi-Süd-Sprecher Peter Wübben dem Magazin.

Auch Aldi-Nord äußert Bedingungen. Es brauche „eine saubere ordnungspolitische Umsetzung, damit die Abgabe am Ende auch wirklich den Tieren zugutekommt“, sagte Florian Scholbeck, Sprecher von Aldi-Nord. Die Mitglieder der Borchert Kommission hatten sich für eine mengenbezogene Abgabe auf tierische Produkte als die am besten geeignete Lösung für die Finanzierung des Umbaus ausgesprochen. Die Abgabe soll in einen Fonds fließen, aus dem die Kosten für Stallumbauten bestritten werden.

Bundesregierung will bis Mitte 2021 Finanzierungsvorschlag vorlegen

Anfang Juli hatte der Bundestag Rückenwind für die Empfehlungen der Borchert-Kommission zum Umbau der Nutztierhaltung geben und mit einer Mehrheit eine „konsequente Umsetzung“ der Vorschläge gefordert. Noch in dieser Legislaturperiode soll die Bundesregierung dem Parlament eine Strategie zur Umsetzung der Vorschläge vorlegen. Darin sollen neben konkreten Finanzierungsvorschlägen auch Empfehlungen für künftige Ställe aus Sicht des Tierwohls, des Umweltschutzes, des Klimaschutzes und der ökonomischen Betriebsführung enthalten sein.

Verbraucherschützer äußerten sich bereits kritisch über die Bedingungen, die Aldi für eine Tierwohlabgabe erhebt. Aldi stehle sich aus der Affäre und schiebe die Verantwortung weiter, kritisierte Anne Markwardt, Lebensmittelexpertin des Verbraucherzentrale Bundesverbands (vzbv) im Spiegel. Aus ihrer Sicht könne Aldi seine Einkaufsmacht bereits heute nutzen, um kostendeckende Preise für tiergerechtere Haltungsformen durchzusetzen.

Tönnies will auf Haltungsform 2 umstellen

Die Tönnies Gruppe betonte unterdes gestern, dass sie die Pläne der Borchert-Kommission und eine flächendeckende Tierwohlabgabe in Deutschland unterstützt. Tönnies verfolge das Ziel, die Schweinefleischproduktion zukünftig zu großen Teilen auf die Haltungsform 2 unter der Bezeichnung „Stallhaltung plus“ umzustellen, teilte das Unternehmen gestern mit. Zudem will Tönnies das Angebot für die Haltungsform 3 („Außenklima“) auf 3.000 Schweine/Woche erweitern.

Die Empfehlungen der Borchert Kommission geben vor, den gesetzlichen Standard in zwei Stufen bis 2030 und bis 2040 auf die nächst höhere Stufe des Tierwohllabels zu erhöhen.

Die Redaktion empfiehlt

Tönnies kündigt in seinem Sofortprogramm Neuerungen in Richtung Tierhaltung an. Das Unternehmen unterstützt z.B. die Pläne der Borchert-Kommission und erweitert sein Angebot für die Haltungsform...

Der Bundestag hat für die Umsetzung der Borchert-Empfehlungen gestimmt: Die Regierung soll nun Details zu Stallumbau, Finanzierung, Strategie, Umweltschutz und betrieblicher Ökonomie erarbeiten.

Das neue Baugesetzbuch soll Stallumbauten zu Tierwohlzwecken, mit denen keine Bestandserweiterung verbunden ist, erleichtern. Bebauungspläne sollen dazu nicht mehr nötig sein.


Diskussionen zum Artikel

von Christoph1088315 Wiegmann

Kein Ausweg

Wir können uns doch alle noch so oft im Kreise drehen wie wir wollen, das Naturgesetz werden wir nicht außer Kraft setzen, dass so lange etwas im Überfluß vorhanden ist, kein Spielraum für Preiserhöhungen gegeben ist. Entweder Angebotsverknappung, oder Systemänderung, ansonsten ... mehr anzeigen

von Manfred Scheffler

... und wenn es schon ein Marketinginstrument gäbe?

Ich arbeite an einem Projekt mit, das es dem Landwirt ermöglicht, den Verbraucher über bessere Haltungsformen zum Kauf der dazugehörigen Erzeugnisse zu bewegen. Wir sind ein kommerzieller Anbieter, Marktführer im Bereich professioneller Supermarktwerbung mit mehr als 35.000 ... mehr anzeigen

von Karlheinz Gruber

Werden eigentlich zusätzlich

dann auch die Grenzen für Importe aller LDW Produkte zugemacht? Nicht das auf einmal Aldi und Co das ganze mit Non-system- Fleisch/ Produkten unterwandert weil andere Discounter hier nicht mitziehen. Oder weil es im Ausland halt gerade so billig ist und wieder ein Zugpferd her muß!

von Michaela Prüll

Aldi und Co

Ich wundere mich wieder einmal über den Kommentar von Aldi Nord!? Wer sind denn eigentlich der Preistreiber in Deutschland? Doch wohl unsere Discounter jeglicher Couleur! In diesen Unternehmen sitzen die Preistreiber Nr. 1 und zwar ganz egal um welche Produktionssparte es sich handelt. ... mehr anzeigen

von Harald Caspari

Sauerei

Den gesetzlichen Standard in zwei Stufen bis 2030 und bis 2040 auf die nächst höhere Stufe des Tierwohllabels zu erhöhen ist eine absolute Sauerei, warum muss solange gewartet werden.Den Verbraucher wird man so nicht überzeugen.

von Markus Grehl

Verbraucher

Den überzeugt man nur über den billigsten Preis!

von Christian Bothe

Aldi

Einfach super wie sich LEH,Schlachter und andere um die Vorschläge der Borchert-Kommission „versammeln“. Bloss nichts verpassen, was zukünftige Marketingstrategien betrifft.Man kann QM,QS,Vlog,ITW super für Werbemaßnahmen benutzen.Was soll das alles?Der LEH hatte es schon immer in ... mehr anzeigen

von Michael Pohl

Verpflichtende Angebotspalette 1-3 dem Handel vorschreiben.

Der einzige Weg mehr Geld dem Erzeuger zukommen zu lassen ist es einen verpflichtenden Anteil an Ware aus den verschiedenen Stufen 1-3 dem Handel als Sortiment vorzuschreiben. Diese Ware wäre im Laden vorhanden und müsste entsprechend gut dargestellt werden. Nicht nur fehlende Ware der ... mehr anzeigen

von jörg Meyer

Die Tierhalter werden betrogen und belogen

weil, unsere Arbeitskosten in allen mir bekannten Berechnungen zum Arbeitsmehraufwand bei Tierwohl unter 20 € je Stunde liegen, auch am Wochende, an Feiertage und in der Nacht, in der viele Tiere aus Tierschutzgründen verladen werden müssen! Ja wir werden betrogen auch von der ... mehr anzeigen

von Matthias Frieß

Kalkulation der VEZG

Die VEZG hat in ihrer Kalkulation einen notwendigen Aufschlag von 13 Cent je Kg SG für Haltungsform 2 errechnet. Dabei sind neben einer Stundenentlohnung von deutlich über 20 € auch eine erhöhte AfA, ein Risikozuschlag und ein Unternehmergewinn berücksichtigt. Ich bin mir sicher, ... mehr anzeigen

von Eike Bruns

Ja die Mehrkosten werden teilweise erstattet!

Wie bei QS, QM, etc. dann wird es Standard und der Preis gesenkt. Viele geben auf, der Rest übernimmt - wird also größer und dann wollen alle die kleinen Bauern schützen weil es schief gelaufen ist. Wir müssen nicht die Mehrkosten ersetzt bekommen wir brauchen PLANBAR höhere ... mehr anzeigen

von Willy Toft

Darauf warten wir doch nur, und Argentinisches Rindersteak bleibt wieder ausgenommen!

Wie Naiv sind unsere Politiker, dass sie meinen uns etwas vorzuschreiben, was der Handel noch nicht mal abnickt, weil die sich lieber aus "ÜBERSEE" bedienen! Gesetzten Fall alles wird Ordnungspolitisch umgesetzt, da wird doch trotzdem nicht mehr dafür bezahlt, im schlechtesten Fall wird ... mehr anzeigen

von Kirsten Wosnitza

Leider nichts verstanden

Die Abgabe gilt auch für Importware. Nur wird die nicht beim Umbau auf höhere Standards unterstützt.

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