Interview

Bremst QS die deutschen Ferkelerzeuger aus?

Warum will das QS-System auch ausländische Ferkel akzeptieren, die unter anderen Standards kastriert wurden als bei uns? top agrar sprach mit dem QS-Geschäftsführer Dr. Hermann-Josef Nienhoff.

Die angekündigten Änderungen der Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung (TierSchNutztV) erhöhen die Auflagen für deutsche Ferkelerzeuger erheblich. Aus dem Ausland will QS aber auch Ferkel mit niedrigeren Standards akzeptieren. Warum?

Nienhoff: Genau das wollen wir nicht. Im Gegenteil: Wir verlangen von allen lieferberechtigten Betrieben, dass sie sämtliche QS-Anforderungen erfüllen. Das gilt für Systempartner in Deutschland ebenso wie für die im Ausland. Die vom Gesetzgeber kürzlich beschlossenen Änderungen der Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung werden zu gegebener Zeit ins QS-System aufgenommen und die QS-Gremien werden sich mit den Details entsprechend beschäftigen.

Die Änderungen im QS-System müssen dann auch von den anerkannten Standards entsprechend umgesetzt werden. Und wie sieht es bei den Anforderungen zur Ferkelkastration ab dem 1. Januar 2021 aus?

Nienhoff: Im Rahmen vertraglich vereinbarter, gegenseitiger Anerkennungen akzeptieren wir von unseren Partnern aus dem Ausland nur Standards, die mindestens gleichwertig sind. Das heißt konkret für die Kastration:

Fakt ist, dass die deutsche Ministerialverwaltung das Tierschutzgesetz durch die Formulierung „vollkommene Schmerzausschaltung“ sehr einseitig auslegt. Dadurch sind die Handlungsmöglichkeiten der deutschen Ferkelerzeuger stark eingeschränkt. Es kommen als Betäubungsverfahren zur Ferkelkastration nur die Isoflurannarkose und die Injektionsnarkose infrage.

In den Niederlanden ist nur die CO2- Narkose und in Dänemark die lokale Betäubung zugelassen. Die deutschen Ferkelerzeuger fürchten Wettbewerbsnachteile und for-dern daher gleiche Kastrationsvorgaben für alle. Was spricht dagegen?

Nienhoff: Von staatlicher Seite wird es keinerlei Einfuhrbeschränkung für Fer-kel geben, die bei der Kastration nicht nach deutschem Recht betäubt wurden. Denn das wäre nicht mit dem Grundsatz des freien Warenverkehrs im gemeinsamen europäischen Markt...


Mehr zu dem Thema

Die Redaktion empfiehlt

Ausländische Ferkel mit niedrigeren Standards wolle QS dennoch weiter akzeptieren, hieß es gestern in einer AgE-Meldung. Die Empörung im Netz war groß. QS nimmt dazu Stellung.

Der DBV-Fachausschuss Schweinefleisch will die Sauenhaltung in Deutschland stärken und fordert einheitliche Verfahren bei der Betäubung und Schmerzausschaltung in der Ferkelkastration.