Lesermeinung

EuroTier aus Protest meiden oder unbedingt hinfahren? Das sagen die Bauern

Sollte man in Zeiten der politischen Planlosigkeit, gefühlter Auflagenwillkür und Inflation überhaupt zur EuroTier fahren oder aus Protest zu Hause bleiben? Das sagen die top agrar-Leser.

Fahren Sie zur EuroTier? Das hatten wir die top agrar-Leser letzte Woche in einer Umfrage gefragt. 54 % sagten Nein, 32 Ja und 14 % der 404 Teilnehmer wussten es noch nicht. Aus den Leserkommentaren unter unserem Vorwort „Zur EuroTier 2022 fahren? Ja, jetzt erst recht!“ geht hervor, dass dies auch innerhalb des Berufsstands kontrovers diskutiert wurde und wird.

Das Pro-Lager

Marx Unseld schreibt, dass es nie ein Fehler sein kann, sich auf einer Fachmesse zu informieren. Statements setze er in Gesprächen und durch Anwesenheit, indem er zeige "mir ist Tierhaltung und Lebensmittelproduktion in Deutschland wichtig“. Das funktioniere nicht durch Abwesenheit.

Benjamin Ziegler hat eine andere Idee. Er sagt, die DLG mit ihrer Eurotier stehe ja für intensive und ernährungssichernde Tierproduktion. Ein Besuch sei daher ein „Stinkefinger in Richtung Özdemir, Lemke und von der Leyen“.

Erwin Schmidbauer wirft ein, dass dies eine sehr eigenwillige Interpretation ist. „Den Besuch der Eurotier als politische Stellungnahme umdeuten kann man wohl nur, wenn man ein entsprechendes T-Shirt oder sogar ein Plakat mitnimmt.“ Seiner Meinung nach gibt es keinen Grund, die Messe zu meiden. Man sollte sich zuerst informieren und dann aufgrund dieser neuen Informationen eine Entscheidung treffen. „Das kann dann auch die baldige Einstellung der Tierhaltung sein oder das Auslaufen der Tierhaltung über die nächsten Jahre“, so der Landwirt.

Das sieht auch die Jägeshof GbR so. Die Eurotier werde in vielerlei Hinsicht interessant. Sie rechnet mit Protestaktionen von Gegnern und ist gespannt auf die Investitionsbereitschaft der Besucher. Ein Landtechnikverkäufer habe den Bauern des Jägeshofs berichtet, das seine Firma auf der letzten Messe mehr Adressen von Bauern mit nach Hause gebracht habe, die die Tierhaltung oder den Hof aufgeben als Kaufverträge und Angebotsanfragen.

Das Kontra-Lager

Bernd Brunhöver meint, Wegbleiben ist richtig, damit begriffen wird, dass die Bauern endlich einmal Planungssicherheit benötigen. „Dieses ewige hin und her ist nicht mehr zu ertragen.“ Laut Brunshöver wäre es doch das falsche Zeichen, wenn trotz dieser jetzigen Lage wieder mit Besucherrekorden geprahlt wird. „Dann würden uns doch noch die letzten Anhänger weglaufen.“

Wir Bauern sollten ein Statement setzen, und die Eurotier konsequent meiden, meint auch Stefan Gruss. Nur so könne der vor- und nachgelagerte Bereich merken was die Politik jetzt schon angerichtet hat.

Rudolf Rößle bringt einen anderen interessanten Punkt ins Gespräch. So gehe es bei einem Generationswechsel meist um Neubaupläne. „Doch was mich abschreckt sind nicht die neuen Ideen, sondern deren Preise. Die explodieren jedes Jahr mit nahezu 8-10%.“

Albert Maier prognostiziert ganz kurz, dass die Eurotier sicher ein Flop wird. Auch für Hermann Kamm ist die Sache klar: „Auf keinen Fall wird zur Eurotier gefahren! In die Tierhaltung wird kein Cent mehr investiert!“

Die Lust verloren hat auch Jörg Meyer. Er will keinen Messebesuch, um Investitionen zu planen oder vorzubereiten und schon mal gar nicht um in die Nutztierhaltung zu investieren. „Die aktuelle Kostensituation lässt es zum einen nicht zu, aber viel wichtiger für mich ist: Man kann den politischen Rahmenbedingungen bei Investitionsentscheidungen mit 20jähriger Abschreibungsfrist nicht mehr trauen. Vor allem nicht dort, wo grüne Politik am Werk ist.“ Er hinterfrage inzwischen den Sinn der Veranstaltung! Die Messe müsste eigentlich abgesagt werden vor dem Hintergrund fehlender verlässlicher politischer Rahmenbedingungen.

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Wie sehen Sie das Thema? Warum sind Sie bewusst zur Eurotier gefahren bzw. fahren noch oder warum gerade nicht? Und eignet sich ein Fernbleiben als Protestform? Wir freuen uns auf Ihren Kommentar unten.


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