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Neuer Leitfaden für Schweinehalter: Kranke Tiere rechtzeitig behandeln und erlösen

Schluss mit den Horrorbildern von verletzten und kranken Schweinen in den Medien! Ein neuer Leitfaden hilft Landwirten beim Erkennen und Behandeln auffälliger Tiere.

Lesezeit: 5 Minuten

Das vom BMEL geförderte Netzwerk Fokus Tierwohl hat einen neuen ­Leitfaden zum Umgang mit kranken und verletzten Schweinen erarbeitet. Wir sprachen mit Dr. Jürgen Harlizius vom Schweinegesundheitsdienst NRW darüber.

Herr Harlizius, was war der Auslöser, der den Leitfaden notwendig machte?

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Harlizius: Immer wieder tauchen in den Medien schockierende Bilder von kranken oder verletzten Schweinen auf, die unzureichend behandelt, nicht rechtzeitig von ihren Buchtengenossen getrennt oder zu spät von ihren Leiden erlöst wurden. In der Regel steckt kein böser Wille dahinter. Viele Tierhalter sind vielmehr überfordert, das Ausmaß einer Erkrankung richtig einzuschätzen. Den meisten Landwirten fällt es zudem schwer, ein Tier zu erlösen.

Das muss sich dringend ändern, zum Wohl der Tiere, um die Tier­haltung vor weiteren Imageschäden zu ­bewahren, aber auch, um die ­Landwirte rechtlich abzusichern. Denn erste Bundesländer wie zum ­Beispiel Niedersachsen haben an­gekündigt, die ­Veterinärkontrollen ab dem nächsten Jahr zu intensivieren.

Erkrankungen werden oft falsch eingeschätzt

Um den Tierhaltern praxisnah zu helfen, hat sich im letzten Jahr im Netzwerk Fokus Tierwohl eine länderübergreifend und kompetent besetzte Arbeitsgruppe gebildet. Sie hat einen detaillierten und kostenlosen Leitfaden zum Umgang mit kranken und ­verletzen Schweinen erarbeitet. Diesen gibt es als online- oder in gedruckter Version.

Wie ist der Leitfaden aufgebaut?

Harlizius: Um Erkrankungen recht­zeitig zu erkennen, muss man das ­Tierverhalten genau beobachten. Der Leitfaden setzt bereits hier an. Er ­enthält viele nützliche Tipps, wie man die eigene Tierbeobachtung verfeinern und den Informationsfluss zu ­auffälligen Tieren bei den Stall­­mitarbeitern optimieren kann.

Anschauliche Zeichnungen, Fotos und Kurzvideos, die per QR-Code ­abgerufen werden können, zeigen, wie man das Liege-, Aktivitäts- und Futterauf­nahmeverhalten der Tiere richtig interpretiert. Auch die Körperhaltung verrät viel über den Allgemeinzustand. Wie geht man z. B. mit hundesitzigen Schweinen um? Und wie leistet man Spreizern erste Hilfe?

Wichtige Hinweise auf den Gesundheitszustand liefert die Körpertemperatur. Der Leitfaden enthält Tipps, wie man die Körpertemperatur richtig misst und welche Richtwerte gelten.

„Das weiß ich doch alles“, werden ­erfahrene Schweinehalter jetzt sagen. Ist das nicht zu viel Grundlagenwissen?

Harlizius: Im Laufe eines Berufslebens wird vieles zur Routine, leider auch falsches Verhalten. Der Leit­faden frischt das Wissen erfahrener ­Schweinehalter auf und hilft, die ­Betriebsblindheit zu überwinden.

Er ist aber auch dazu gedacht, ­angehende Landwirte, Praktikanten und Mitarbeiter dafür zu sensibilisieren, die Schweine und ihr Verhalten ­intensiver zu beobachten. Zusätzlich ist geplant, für ausländische Hilfskräfte gekürzte Online-Versionen in englischer, polnischer und rumänischer Sprache zu verfassen.

Wie sollte man vorgehen, wenn man kranke oder verletzte Tiere entdeckt?

Harlizius: Der Aufbau des Leitfadens orientiert sich an einem Entscheidungsbaum. Querverweise können bei der richtigen Entscheidung helfen. ­Verschiedene Erkrankungen und ­Verletzungen werden systematisch ­abgearbeitet. Fotos, Kurzvideos sowie eine Farbskala helfen, die Schwere der Erkrankung bzw. Verletzung in ­geringgradig, mittelgradig und hochgradig einzustufen.

Denn aus dieser Einstufung ergibt sich das weitere Vorgehen: Kann das Tier in der Gruppe bleiben, ohne ­behandelt zu werden. Oder kann es bleiben, muss aber behandelt werden? Sollte es stattdessen sofort in eine Krankenbucht umgestallt werden?

Oder muss das Tier sogar unverzüglich getötet werden, um ihm weitere Schmerzen zu ersparen, weil eine Heilung bzw. Genesung nicht mehr zu erwarten ist? Hätte es womöglich sogar schon früher getötet werden müssen?

Ist dieses Vorgehen für die tägliche ­Arbeit im Stall nicht zu kompliziert?

Harlizius: Überhaupt nicht. Wir haben uns bemüht, möglichst viele Bild- und Videobeispiele zu geben, die der ­Landwirt mit der Situation im eigenen Stall direkt vergleichen kann. Und die Handlungsempfehlungen werden durch anschauliche Symbole ­dargestellt. Ein rotes Kreuz bedeutet z. B, dass das Tier in eine Krankenbucht umgestallt werden muss. Ein Spritze deutet an, dass die Behandlung mit dem Hoftierarzt besprochen ­werden sollte und ein auf dem Rücken liegendes Schwein symbolisiert, dass das Tier von seinen Leiden dringend erlöst werden muss.

Welche Erkrankungen und ­Verletzungen werden angesprochen?

Harlizius: Es beginnt mit Auffällig­keiten am Kopf. Ist die Kopfhaltung verändert? Haben sich Ödeme ge­bildet, oder gibt es krankhafte Veränderungen am Ohr und an den Augen?

Dann wird die Haut kontrolliert: Ist sie rosig oder blass, gibt es Biss­verletzungen und wenn ja, wie ­schwerwiegend sind sie? Sind Schulterläsionen erkennbar? Gibt es Hautverletzungen an den Vorderbeinen? Ist die Haut durch Staphylokokken entzündet, leidet das Tier unter Ringflechte, Rotlauf, Räude- oder Läusebefall?

Anhand vieler Bilder kann man die Situation im eigenen Stall prüfen

In weiteren Kapiteln geht es um Durchfallerkrankungen in verschiedenen Altersgruppen und um Atemwegsprobleme. Umfassend behandelt ­werden zudem Mastdarm- und Gebärmuttervorfälle sowie Nabel- und ­Hodenbrüche.

Ein ganz wichtiger Punkt sind ­Fundamentprobleme. Sind Klauen- und Ballenveränderungen erkennbar? Leidet das Tier unter Gelenkentzündungen oder Liegebeulen, und wenn ja, wie schwerwiegend sind sie?

Natürlich wird auch der Ernährungszustand der Schweine beurteilt. Sind sie zu gut oder zu schlecht ­ernährt? Treten Kümmerer auf bzw. wachsen die Gruppen stark aus­einander?

Zum Schluss werden die Verlust­raten in den verschiedenen Alters­gruppen sowie die Leistungsdaten des Betriebes mit gängigen Durchschnittswerten verglichen.

Stichwort Krankenbuchten: Enthält der Leitfaden klare Empfehlungen?

Harlizius: Ja, er enthält Richtwerte, welche ­Kapazitäten man hier je nach Betriebsgröße vorhalten sollte und wie die Krankenbuchten optimal ausgestaltet werden. Zahlreiche Fotos zeigen gelungene ­Beispiele aus der Praxis.

Ganz wichtig ist, dass der Zustand der Tiere in der Krankenbucht und die durchgeführten Behand­lungen genau dokumentiert werden. Dazu liefert der Leitfaden eine passende Vorlage, die man kostenlos aus dem Internet herunterladen und ausdrucken kann.

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