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Lidl-Einkaufschef Christoph Graf: „Wir setzen uns ambitionierte und realistische Ziele.“

Lidl will die heimischen Erzeuger stärker unterstützen. 5xD bei frischem Schweinefleisch sowie 100 % Trinkmilch aus deutscher Herkunft sollen nur der Anfang sein.

Lesezeit: 5 Minuten

Das Thema Tierwohl brennt vielen Akteuren der Wertschöpfungskette unter den Nägeln. Doch der Umbau der Nutztierhaltung stockt. Am 19. Oktober diskutiert top agrar im Rahmen des Formats "Landwirtschaft im Dialog" darüber unter anderem mit Bundesagrarminister Cem Özdemir und Christoph Graf, Einkaufsleiter von Lidl in Deutschland. Die Anmeldung und weitere Infos finden Sie HIER. Die Diskussion wird zudem ab 19:00 Uhr live über den top agrar-YouTube-­Kanal www.youtube.com/topagrar übertragen. Vorab durfte top agrar Christoph Graf einige Fragen zum Thema stellen.

Herr Graf, Lidl hat sich im aktuellen Nachhaltigkeitsbericht das Thema Tierwohl auf die Fahnen geschrieben. Welche Ziele stecken dahinter und inwieweit sind die Ziele bereits umgesetzt?

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Graf: Im Rahmen des Nachhaltigkeitsengagements setzt sich Lidl bereits seit Jahren für mehr Tierwohl ein. Daher haben wir uns schon mit der Erfindung des Haltungskompasses 2018 und der Überführung in die Haltungsform konkrete Ziele für bessere Haltungsbedingungen gesetzt.

Perspektivisch werden wir die Haltungsformstufe 2 bis spätestens 2025 als Lidl-Mindeststandard etablieren. Dies haben wir im Frischfleischsegment bei Hähnchen, Pute und Schwein schon geschafft und arbeiten intensiv daran, dies im Laufe des nächsten Jahres auch noch beim gekühlten Wurstsortiment umzusetzen.

Wir werden zudem den Anteil der Haltungsformstufen 3 und 4 sukzessive ausbauen. An der Zielerreichung arbeiten wir gemeinsam mit unseren Partnern und wissen daher auch, dass eine Änderung der aktuell vorliegenden Rahmenbedingungen notwendig ist. Hierbei ist es uns wichtig, heimische Erzeuger zu unterstützen und die Nutztierhaltung zukunftsfähig aufzustellen. Dazu gehören wichtige Schritte wie die erfolgreiche Einführung von 5xD bei frischem Schweinefleisch und Wurst unserer Eigenmarke Metzgerfrisch oder das Angebot von 100 % Trinkmilch aus deutscher Herkunft.

Welche Verantwortung trägt der Handel angesichts seiner großen Marktmacht für das Thema Tierwohl, und wird er seiner Verantwortung wirklich gerecht? Oder durchkreuzen Kostendruck und Discount-Mentalität nicht genau dieses Vorhaben?

Graf: Privatwirtschaftlich organisierte Initiativen wie die Haltungsformkennzeichnung oder auch die Initiative Tierwohl zeigen, dass der Handel die Transformation zu mehr Tierwohl unterstützen und fördern kann. Hier hat die gesamte Branche in kurzer Zeit einen anerkannten Standard entwickelt.

Wir bei Lidl sind uns der Verantwortung sehr wohl bewusst und werden weiterhin alles daransetzen, gemeinsam mit unseren Partnern in der Wertschöpfungskette die Akzeptanz für mehr Tierwohl und heimische Erzeugnisse zu stärken. Dass dies auch beim Discounter funktioniert, davon sind wir überzeugt, denn günstige Preise erzielen wir durch hohe Effizienz in unseren Vertriebsprozessen, welche nicht zu Lasten der Qualität oder Erzeugerpreise geht. Dies beweist unsere erfolgreiche und langfristig angelegte Partnerschaft mit Bioland. Es muss aber auch festgehalten werden: Mehr Tierwohl erreichen wir nicht im Alleingang, sondern nur mit der gesamten Wertschöpfungskette und der Politik gemeinsam.

Mehr Tierwohl erreichen wir nicht im Alleingang, sondern nur mit der gesamten Wertschöpfungskette und der Politik gemeinsam.“ - Christoph Graf

Die Lebenshaltungskosten für die Verbraucher und Verbraucherinnen steigen immer weiter. Inwieweit gefährdet die Teuerungsrate die Tierwohlziele von Lidl?

Graf: Nachhaltiges Handeln ist und bleibt ein wichtiger Eckpfeiler der Strategie unseres Unternehmens und ist damit Bestandteil für unseren Erfolg. Tierwohl ist für unsere Kunden ein wichtiges Thema. Wenn wir gemeinsam mit unseren Geschäftspartnern die ökologischen und sozialen Auswirkungen unseres Handelns verbessern, stärken wir unsere Lieferketten und sichern die künftige Wettbewerbsfähigkeit. Wir setzen uns realistische Ziele und halten an diesen fest.

Die Tierwohldebatte tritt mehr oder weniger auf der Stelle, weil die Politik einfach keine gemeinsame Linie findet. Welche Forderungen stellen Sie in Richtung Politik?

Graf: Es ist wichtig und richtig, dass die Bundesregierung die Nutztierhaltung in Deutschland weiterentwickeln möchte. Die staatliche Tierhaltungskennzeichnung kann ein Baustein für verbesserte Haltungsbedingungen sein, wenn die wesentlichen eingebrachten Hinweise aufgenommen werden.

In der Folge muss die Tierhaltungskennzeichnung allerdings in ein Gesamtkonzept eingebunden werden, welches auch die finanzielle Förderung des Umbaus und den Abbau genehmigungsrechtlicher Hürden beinhaltet. Ohne Änderung des Baurechts wird der Umbau der Tierhaltung auf ein höheres Tierhaltungsniveau nicht gelingen.

Wichtig ist hierbei, dass neben dem Lebensmitteleinzelhandel alle weiteren Vertriebskanäle einbezogen werden. Überall, wo Menschen tierische Lebensmittel kaufen, muss die Haltung transparent dargestellt werden.

Ohne Änderung des Baurechts wird der Umbau der Tierhaltung auf ein höheres Tierhaltungsniveau nicht gelingen.“ - Christoph Graf

Der Casus Knacktus ist die ungeklärte Frage der Finanzierung. Wie sehen die Finanzierungslösungen aus Ihrer Sicht aus?

Graf: Bereits geleistete Vorarbeiten im Rahmen der Borchert-Kommission sollten seitens der Politik berücksichtigt werden. Für uns ist es wichtig, dass die Finanzierung auf breite Stützen gestellt wird. Wenn wir Gastronomie, Mensen, Kantinen, Schulen und Kitas sowie Krankenhäuser mit einbeziehen, können wir die Wertschätzung für bessere Haltungsbedingungen und für die deutsche Landwirtschaft verbessern. Auch wäre dann der absolute Aufschlag nicht so hoch und damit verträglicher für die Konsumenten. Nur so kann mit einem sicheren Finanzierungskonzept auch ein langfristiger Erfolg für die Transformation der Tierhaltung und der Landwirtschaft insgesamt erfolgen.

Parallel dazu müssen von Seiten der Politik zusätzliche Mittel in ausreichender Höhe bereitgestellt werden. Alleinige Investitionshilfen werden nicht ausreichen. Es geht hier vor allem auch um höhere laufende Kosten, die bei den Betrieben ausgeglichen werden müssen.

Der Lebensmitteleinzelhandel bildet nur einen Teil des Konsums ab. Wie wichtig ist aus Ihrer Sicht, dass auch die Gastronomie und die Bedientheken mit ins Boot kommen? Würde Lidl seinen Tierwohl-Kurs im Notfall auch allein fortsetzen?

Graf: Ein klares Ja zur zweiten Frage. Wir werden weiterhin daran arbeiten, das Tierwohl in Deutschland gemeinsam als Partner der Landwirte voranzubringen. Dass dabei noch Hürden im Weg stehen, haben wir erkannt. Unter den aktuellen Rahmenbedingungen leisten wir bereits einen großen Beitrag, allerdings müssen für eine komplette Transformation alle Händler und Vertriebskanäle ihren Anteil dazu beitragen. Entlang der Wertschöpfungskette haben wir doch alle das gemeinsame Ziel: Wir wollen eine zukunftsfähige, nachhaltige Landwirtschaft auf so vielen Betrieben in Deutschland wie möglich.

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