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topplus Tiergesundheit

Neue Strategien im Kampf gegen PRRS

Beim top agrar-Webinar „60 Minuten – Tiergesundheit im Blick“ haben Experten und Zuschauer intensiv über neue Erkenntnisse zur PRRS diskutiert. Hier die interessantesten Fragen und Antworten.

Lesezeit: 10 Minuten

Auch 30 Jahre nach seiner Entdeckung hat das PRRS-Virus nicht an Bedeutung verloren. Obwohl seitdem etliche Impfstoffe und Bekämpfungsstrategien entwickelt wurden, ist es bis heute nicht gelungen, den Erreger aus den Beständen zu verdrängen. Deshalb hat top agrar diese Viruserkrankung zum Auftaktthema unserer neuen Webinarreihe „60 Minuten – Tiergesundheit im Blick“ ausgewählt.

In drei Kurzvorträgen berichteten Experten, warum das Virus so schwer zu bekämpfen ist, dass immer öfter Koinfektionen mit anderen Erregern Probleme bereiten und welche neuen Ansätze es bei der Diagnostik gibt. Anschließend hatten die Webinarteilnehmer Gelegenheit, ihre Fragen intensiv mit den Experten zu diskutieren. Hier eine Zusammenfassung der interessantesten Diskussionen.

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Fragen an den Virologen Prof. Thomas Vahlenkamp

Wie das Virus wirkt

Was macht die Bekämpfung der PRRS so schwierig?

Antwort: Das PRRS-Virus befällt die ­sogenannten Makrophagen. Das sind wichtige Zellen zum Aufbau der Immunität. Im Verlauf der Virusvermehrung sterben diese Zellen ab. Dadurch kommt es zu einer unzureichenden Immunität. Die Virusbekämpfung wird dadurch verzögert und der Weg für eine lang anhaltende Infektion geebnet.Hi nzu kommt, dass das Virus extrem wandlungsfähig ist. Dadurch kann es das Immunsystem leichter umgehen. Ein weiterer wichtiger Faktor ist, dass der Erreger über weite Strecken über die Luft übertragen und über die Lüftung in die Ställe gesaugt werden kann.

Begleitinfektionen

Welche Rolle spielen Sekundärinfektionen mit anderen Erregern?

Antwort: Durch das Absterben der Makrophagen ist die Abwehr der Schweine geschwächt, sodass auch andere Keime leichter angreifen können. Das gilt insbesondere für Circoviren (PCV 2), Influenzaviren und Streptokokken. Häufiger wird berichtet, dass Herden, die durch Impf- und Biosicherheitsmaßnahmen PRRS-stabil sind, nach einem Influenzaeintrag plötzlich wieder instabil werden. Und in Impfstudien zeigte sich, dass Schweine, die vor einer Influenzaimpfung künstlich mit PRRS infiziert wurden, keinen guten Impfschutz gegen Influenza ausbilden konnten. Eine Wechselwirkung lässt sich auch mit Streptokokken beobachten. Diese Bakterien gehören beim Schwein zur normalen Besiedelung der oberen Atemwege. Sie allein lösen aber nicht immer eine Erkrankung aus. Sobald Schweine jedoch sowohl mit Streptokokken als auch mit PRRS-Viren infiziert sind, weisen sie eine deutlich erhöhte Erkrankungs- und Sterberate auf.

Neue Virusvariante

Aus den USA berichten Tierärzte von sehr verlustreichen Infektionen mit dem neuen PRRS-Stamm 1-4-4. Könnte der Stamm auch für uns gefährlich werden?

Antwort: Zunächst muss untersucht werden, ob die Klinik wirklich auf den veränderten Virustyp zurückzuführen ist, oder ob hier auch Koinfektionen mit anderen Erregern eine Rolle spielen. Vor Jahren wurde auch aus China von sehr aggressiven PRRS-Stämmen berichtet. Inzwischen ist bekannt, dass gleichzeitige Infektionen mit anderen Erregern bei der Ursachensuche nicht ausreichend berücksichtigt wurden. Sollte sich allerdings bestätigen, dass es sich in den USA wirklich um einen neuen Virustyp handelt, ist zu befürchten, dass er früher oder später auch den Weg nach Europa findet.

PRRS-Sanierung

Hat eine PRRS-Sanierung in Deutschland wegen der leichten Übertragbarkeit der Viren Aussicht auf Erfolg?

Antwort: Es gibt eine ganze Reihe von Berichten von PRRS-Sanierungserfolgen. Meistens geschah dies jedoch in Regionen mit einer insgesamt sehr geringen Schweinedichte. Hier besteht eine Chance, den Bestand PRRS-frei zu bekommen und auf die Impfung ­verzichten zu können. In viehdichten Regionen wie z. B. Weser-Ems hingegen ist zu befürchten, dass ein Sanierungserfolg nicht lange anhält. Denn hier kann es durch die leichte Übertrag­barkeit, wie z. B. über die Luft, immer wieder zu Einträgen in den Bestand kommen.

Fragen zur Diagnostik an Henning Lindhaus

Erregernachweis

Sind Kaustrick- und Hodengewebsflüssigkeit bei der PRRS-Diagnostik eine brauchbare Alternative zur Blutprobe?

Antwort: Die Untersuchung von Blut- oder Organproben ist der „Goldstandard“ beim PRRS-Nachweis. Sie liefert präzise Aussagen über den PRRS-Status von Einzeltieren. Für Monitoring-Untersuchungen stellt die Flüssigkeit aus Kaustricken oder Hodengewebe eine gute Alternative dar. Denn diese Verfahren lassen sich einfach anwenden und eignen sich auch zur Beprobung großer Tierzahlen. Auf diese Weise können Infektionen früh erkannt werden. Zudem lassen sich die Proben stressfrei für die Tiere gewinnen. Und es sind bei der Kaustrickflüssigkeit auch Untersuchungen auf mehrere Erreger möglich. Untersuchungen zeigen zudem, dass bei der Kaustrickflüssigkeit zum Teil sogar eine Sequenzierung möglich ist, also eine genaue Bestimmung des Erregers.

Nachweis bei Saugferkeln

Funktioniert der Kaustrick auch bei Saugferkeln, die weniger speicheln als Flatdeckferkel oder Mastschweine?

Antwort: Während der Säugezeit ist die Anwendung des Kaustrickverfahrens schwierig, da Saugferkel wenig speicheln. Hier bietet es sich an, alternativ die Flüssigkeit aus den Hoden der kastrierten männlichen Ferkel aufzufangen und zu untersuchen. Auch zu Beginn der Flatdeckphase nehmen die Ferkel den Kaustrick mitunter schlecht an. Hier ist es sinnvoll, die Ferkel zunächst mit einem Probestrick anzulernen. 

Aufhängen des Kaustricks

Schmutz und Speichel beeinflussen die Diagnostik. Wie sollte man die Kaustricke aufhängen, um die Proben möglichst wenig zu verfälschen?

Antwort: Im Idealfall hängen die Kaustricke an einem Bügel frei in der Bucht. Sie sollten auf keinen Fall den Boden berühren und möglichst auch nicht die Trennwände. Nach 20 bis 30 Minuten Kauzeit sind die Stricke dann gesättigt, sodass man sie in einen keimfreien Beutel auswringen und die Flüssigkeit in einem sauberen Behälter auffangen kann.

Sequenzierung

Eignen sich Kaustrickproben auch für eine Sequenzierung, um z. B. zwischen Impf- und Feldviren zu unterscheiden?

Antwort: In den letzten Jahren haben wir bei 235 Kaustrickproben eine weiterführende Sequenzierung durchgeführt. Davon waren 143 erfolgreich. Das entspricht einem prozentualen Anteil von 61 %. Bei 69 Proben (48 %) wurde dabei der PRRS-Impfstamm und in 50 % der Proben der Feldstamm nachgewiesen. Bei 2 % war das Ergebnis fraglich.

Auswahl des Impfstoffs

Liefert das Sequenzierungsergebnis brauchbare Hinweise, welchen Impfstoff man einsetzen sollte?

Antwort: Leider nein. Bei der Sequenzierung wird ja nur ein kleiner Teil des Erbgutes dargestellt und dann mit entsprechenden Abschnitten anderer Virusvarianten verglichen. Damit lässt sich die Herkunft des Erregers genauer bestimmen. Derzeit kann man auf Basis dieser Ergebnisse aber leider noch nicht entscheiden, ob der eine oder der andere Impfstoff erfolgversprechender ist.

Koinfektionen

Woher weiß ich, welcher Erreger Auslöser der Probleme ist, wenn, in der Kaustrickprobe sowohl PRRS- als auch Influenzaviren nachgewiesen werden?

Antwort: Positive Laborergebnisse liefern nur ein Teilergebnis. Wichtig ist eine Gesamtbewertung der Bestandssituation durch den betreuenden Hoftierarzt, der auch die dazugehörigen klinischen Symptome berücksichtigt. Wenn der Betrieb regelmäßig gegen PRRS impft und einen stabilen Status erreicht hat, ist es wahrscheinlicher, dass das Influenzavirus hier der Auslöser für die Probleme ist. Das gilt insbesondere für das Ende der Flatdeckphase, weil hier die maternalen Antikörper abfallen und die Tiere massive Atemwegsprobleme zeigen können.

Fragen an ­Tierarzt Dr. Dirk Homann

Aktuelles Krankheitsbild

Wie äußern sich PRRS-Infektionen aktuell in der Praxis? Hat sich das Krankheitsbild verändert?

Antwort: Nein, wir beobachten immer noch Aborte am Ende der Trächtigkeit vom 75. bis 80. Trächtigkeitstag. Es werden vermehrt lebensschwache Ferkel und Grätscher geboren. Wir sehen aber auch einen Anstieg tot geborener Ferkel und Mumien. In den Problemwürfen sind häufig die Saugferkelverluste erhöht. Die Tiere leiden unter Streptokokkeninfektionen, Gelenkentzündungen und gegen Ende der Säugephase treten mitunter Fälle von Glässerscher Krankheit auf. Die betroffenen Würfe bereiten dann auch im Flatdeck und in der Mast weitere Probleme. Die Gruppen wachsen auseinander, es treten Hirnhaut- und Gelenkentzündungen auf. Auch Ferkelruß wird häufiger beobachtet. In der Mast lassen sich zudem Atemwegsinfektionen und die typisch geröteten Augen beobachten.

PRRS-freie Bestände

Gibt es überhaupt noch PRRS-freie Schweinebestände in Deutschland?

Antwort: In veredlungsintensiven Regionen gibt es kaum noch PRRS-freie Bestände. Wichtig ist, dass man diese Betriebe durch engmaschige Monitoringuntersuchungen intensiv überwacht. Dafür nutzen wir Kaustrick- und Hoden-Sammelproben. Weitaus häufiger sind PRRS-stabile Betriebe. Hier kursiert das Virus in geringem Umfang in den Zuchttieren, es treten jedoch nur selten klinische Symp­tome einer PRRS-Erkrankung auf. Dennoch kann es periodisch zu Krankheitsausbrüchen kommen. In diesen Betrieben ist es daher sinnvoll zu impfen. Daneben gibt es PRRS-instabile Herden, bei denen das Virus im Lymphsystem der Schweine schlummert. Dadurch kommt es immer wieder vor, dass einzelne Tiere das Virus ausscheiden und empfängliche Schweine infizieren. Das Virus kursiert in den Betrieben und lässt sich meist nur durch regelmäßige PRRS-Impfungen in Schach halten. Bei entsprechendem Impferfolg erhalten wir dann einen stabilen Impfbetrieb.

Biosicherheit

Lässt sich das allein durch eine regelmäßige PRRS-Impfung erreichen?

Antwort: Leider nein. Die Impfung ist nur eine von vielen Maßnahmen. Durch sie lassen sich die typischen PRRS-Symptome verhindern und die Virusausscheidung vermindern. Auch die Viruszirkulation im Betrieb wird reduziert. Wichtig ist jedoch, dass die Impfung durch entsprechende Managementmaßnahmen begleitet wird. Dazu gehört eine strategische Jungsaueneingliederung und das Einhalten sowohl externer als auch interner Biosicherheitsmaßnahmen. Ganz wichtig: Es dürfen keine Altersgruppen gemischt werden! Generell sollte jeder Schweinehalter bemüht sein, alle Stressfaktoren für seine Schweine, z. B. durch Umstallen, Futterumstellungen oder das Verfüttern von mykotoxinbelastetem Futter, auf ein Minimum zu reduzieren. Denn Stress schwächt das Immunsystem und ebnet damit dem PRRS-Virus oder anderen Begleiterregern den Weg.

Impfpläne

Welches Impfschema empfehlen Sie für Sauen, Ferkel und Mastschweine?

Antwort: Die Sauenimpfung führen wir in den von uns betreuten Betrieben alle vier Monate durch. Bei hohem Infektionsdruck sollte der Abstand auf drei Monate verkürzt werden, z. B. wenn der Betrieb die Läufer selbst ausmästet. In Betrieben, in denen die Sauen empfindlich auf die Impfung reagieren, weil z. B. auch andere Erreger Probleme bereiten, impfen wir auch gern im 6/60-System. Die Impfungen erfolgen hier am 6. Tag nach der Geburt und am 60. Trächtigkeitstag.

Bei akuten PRRS-Geschehen sollten auch die Ferkel mitgeimpft werden. Der Impfzeitpunkt orientiert sich dabei am Infektionszeitpunkt. Wenn viele virämische Ferkel geboren werden und sich die PRRS-Klinik schon bei Saugferkeln oder in der frühen Flatdeckphase zeigt, ist die frühe PRRS-Impfung zu empfehlen, zum Beispiel am dritten Lebenstag. Sollen vorrangig die Mastschweine vor einer Infektion geschützt werden, reicht durchaus eine Ferkelimpfung beim Absetzen der Tiere.

Eine Impfung der Mastläufer ist immer dann sinnvoll, wenn PRRS-negative Ferkel in einen Betrieb beziehungsweise ein Gebiet mit hohem PRRS-Druck geliefert werden. Entscheidend ist, dass gemeinsam mit dem Tierarzt für jeden Bestand ein individueller Impfplan erstellt wird, der dann aber auch ganz konsequent abgearbeitet werden muss. Nur so kann verhindert werden, dass Impflücken entstehen.

Frühe Ferkelimpfung

Kann man Eisen und den PRRS-Impfstoff bei der frühen Ferkelimpfung gleichzeitig verabreichen? Ist es überhaupt sinnvoll, die jungen Ferkel mit einer weiteren Maßnahme zu belasten?

Antwort: Grundsätzlich halte ich es für sinnvoller, die Maßnahmen zu bündeln, die Ferkel einmal zu stressen und ihnen dann wieder Ruhe zu gönnen, als sie über mehrere Tage immer wieder neu zu belasten. Eisen wirkt grundsätzlich immunsuppressiv. In der Praxis wird die Eiseninjektion jedoch schon lange mit der Mykoplasmenimpfung problemlos kombiniert. Die Behandlungen sollten jedoch ortsgetrennt durchgeführt werden.

Jungsauen impfen

In welchen Fällen sollten auch die Jungsauen geimpft werden?

Antwort: Wenn PRRS-freie Jungsauen in PRRS-positive Herden eingegliedert werden, sollten die Tiere sofort nach ihrer Ankunft im Quarantänestall geimpft werden. Es ist sogar ratsam, die Tiere doppelt zu impfen, da es immer wieder mal Impfversager gibt, z. B. weil die Tiere beim Impfen krank waren. Es ist sinnvoll, sich im Vorfeld über den PRRS-Status des Vermehrers bzw. Aufzuchtbetriebes zu informieren.

Impfstoff wechseln

Ist es ratsam, bei Jungsauen einen anderen Impfstoff zu verwenden als bei der Impfung der Altsauen?

Antwort: Nein, das ist nicht zu empfehlen. Wir versuchen, mit einem Impfstoff pro Betrieb auszukommen. Denn es handelt sich in der Regel um Impfstoffe, die lebende Viren enthalten. Und jedes dieser Viren hält sich anschließend für lange Zeit im Betrieb. Natürlich ist man mitunter gezwungen, den Impfstoff zu wechseln, z. B. wenn neue PRRS-Virusvarianten nachgewiesen wurden, die krankmachender sind. Dann bitte jedoch komplett im gesamten Betrieb. Im Idealfall sollte man sich auch mit dem Jungsauenvermehrer abstimmen. Wenn der impfen muss, arbeitet man im Idealfall im Ferkelerzeugerbetrieb mit dem gleichen Impfstoff.

HIER können Sie die Videoaufzeichnung des Webinars anschauen.

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