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Bioschweine: So klappts mit dem Stallumbau auf bio

Für die Umstellung der Schweinehaltung von konventionell auf biologisch müssen die Ställe umgebaut werden. Wir erklären, wie das gelingen kann.

Lesezeit: 7 Minuten

Unsere Autorin: Ulrike Westenhorst, LWK NRW

Schweinehalter, die sich mit der Umstellung ihres Betriebs auf biologische Bewirtschaftung befassen, kommen schnell zu der Frage, ob sie Altgebäude weiter nutzen oder auf einen Neubau setzen sollen. Für welche Möglichkeit man sich entscheidet, kommt letztlich auf das konkrete Umbauvorhaben und die betriebsindividuellen Gegebenheiten an. Der Zustand und die Abmessungen der Altgebäude spielen dabei ebenso eine Rolle wie die geplante Nutzungsrichtung und das zur Verfügung stehende Kapital.

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Die Vorteile eines Neubaus liegen dabei auf der Hand: Der Tierhalter kann den Stall genau nach seinen Vorstellungen planen. Oft sind Landwirte durch Neubauten arbeitswirtschaftlich besser aufgestellt. Auf der anderen Seite ist es aus wirtschaftlicher Sicht empfehlenswert, Altgebäude weiterhin zu betreiben. Schweinehalter sollten bei der Umstellung auf bio deshalb in Betracht ziehen, die bestehenden Gebäude und die Technik weiter zu nutzen – auch um Ressourcen zu schonen.

Auslauf ist Pflicht

Die Grundlage bei der Planung von Stallumbauten für die Bioschweinehaltung bildet die EU-Bioverordnung. Diese gibt für die einzelnen Produktionsabschnitte die Mindeststall- sowie -auslaufflächen vor. Die Vorgaben in diesem Bereich entsprechen dabei auch den Richtlinien der Bioanbauverbände. Die wichtigste Voraussetzung für einen Umbau ist die Möglichkeit, einen Auslauf zu errichten. Denn alle Schweine, von der Sau über das Ferkel bis zum Mastschwein, müssen jederzeit Zugang zu einem Auslauf haben.

Im Idealfall sollte es sich bei dem bestehenden Stall also um ein freistehendes Gebäude handeln. So kann an beiden Seiten oder an einer Seite ein Auslauf entstehen. Zur Ausgestaltung des Auslaufs macht die EU-Bioverordnung keine Vorgaben. Steht z. B. nur an der Giebelseite ausreichend Platz für einen Auslauf zur Verfügung, können die Tiere den Auslauf auch über einen Weg entlang des Stalls erreichen.

Für die Ausführung der Überdachung können von einer Anschleppung bis hin zu einer neuen Pultdachhalle unterschiedlichste Varianten in Betracht kommen. Wichtig zu wissen ist, dass der neu geschaffene Auslauf nur teilweise überdacht sein darf. Der maximal zulässige Anteil der Überdachung variiert zwischen den einzelnen Bundesländern.

Eine andere Möglichkeit ist, den Auslauf in der bestehenden Stallfläche zu schaffen. Dabei wird ein Teil des Daches abgenommen und dient als unüberdachter Teil des Auslaufs. Durch eine zusätzliche Öffnung der Seitenwände im Auslaufbereich entstehen so ein überdachter und ein unüberdachter Teil des Auslaufs. Neben einer ggfs. notwendigen baustatischen Prüfung ist zu bedenken, dass sich die Tierplatzzahl bei diesem Verfahren deutlich reduziert gegenüber einem angeschleppten Auslauf, der zusätzliche Fläche schafft.

Einfache Entmistung Planen

Bei der Planung der Auslaufform sollten Schweinehalter an eine möglichst effiziente Entmistung denken. Einfache und gerade Mistachsen erleichtern die Arbeit. Eine zentral für alle Ställe gelegene Mistplatte reduziert die Arbeitsbelastung zudem erheblich. Eine hohe Bedeutung haben in diesem Zusammenhang auch die Buchtentrenngitter. Für eine zügige Entmistung sollten sie möglichst leicht und effektiv zu bedienen sein.

Durch Ausläufe verändert sich zwangsläufig auch die Luftführung im Stall. Die eingebauten Lüftungssysteme funktionieren in der Regel nicht mehr wie gewohnt, da regelmäßig Auslauftüren offen stehen, wenn die Tiere zwischen Innen- und Außenbereich wechseln. Wird nicht mit Auslauftüren sondern nur mit Lamellenvorhängen gearbeitet, kann es bei Unterdrucklüftungen einen permanenten Luftaustausch an unerwünschten Stellen geben. Im Hinblick auf die reduzierte Tierzahl bei der Bioschweinehaltung und die Verlagerung des Kotbereiches in den Auslauf tritt der ansonsten notwendige Luftaustausch im Innenraum jedoch oft in den Hintergrund.

Ob und in welchem Umfang eine Lüftung weiter betrieben wird, sollten Schweinehalter dennoch im Vorfeld abklären. Auch die Genehmigungsfähigkeit des Umbaus muss hier im Auge behalten werden.

Funktionalität ist wichtig

Bei vorhandenen Ställen findet man häufig tiefe Gebäude vor, die sich bei einer Umstellung auf bio meistens nicht vollständig nutzen lassen. Geht man beispielsweise im Bereich der Abferkelbuchten von 3,00 oder 3,50 m Buchtentiefe aus, lassen sich selbst bei einem beidseitigen Einbau von Buchten nur etwa 8 m breite Stallungen vollständig nutzen. Deshalb kommt es in der Praxis häufig vor, dass der bestehende Abferkelstall bei einer Umstellung für andere Tiergruppen umgebaut und der Bio-Abferkelstall dann als Neubau errichtet wird.

Große, tiefe Gebäude sind mit Großgruppen oft besser nutzbar. Im Abferkelbereich bietet sich z. B. die Umstallung von Sauen ins Gruppensäugen an oder im Wartebereich die Haltung von Sauen in dynamischen Großgruppen. Auch bei Mastschweinen sorgen Großgruppen für eine gute Platzausnutzung. Das große Platzangebot bietet auf der einen Seite eine flexiblere Nutzung von tiefen oder auch verwinkelten Altgebäuden. Das kann jedoch auch Nachteile mit sich bringen. Zum Beispiel ist die Tierkontrolle bzw. die Übersichtlichkeit in Großgruppen erschwert. Eine Entscheidung für oder gegen Großgruppen sollte immer im betrieblichen Gesamtkontext getroffen werden.

Die Erfahrungen aus der Beratung zeigen, dass Umsteller nicht zwingend versuchen sollten, jeden Quadratmeter im Altgebäude zu nutzen und das Maximum an Tierplätzen in dem Altgebäude unterzubringen. Viel bedeutender für die tägliche Arbeit ist die Funktionalität und Struktur der Buchten. Nicht zu vergessen ist auch der vorgeschriebene Einsatz von Einstreu und Raufutter, falls dieses nicht im Auslauf angeboten wird. Ist ein automatisierter Einsatz nicht möglich oder vorgesehen, sind bei der Umbauplanung ausreichend breite Gänge für eine Beschickung der Stallinnenbereiche wichtig. Und auch die Lagerung von Stroh und Co. benötigt räumliche Kapazitäten.

Planbefestigt oder Spalten?

Bei der Umstellungsplanung sollte man auch einen Blick auf die Bodengestaltung werfen. Vorhandene Ställe haben meist Spaltenböden. Die EU-Bioverordnung fordert jedoch, dass mindestens die Hälfte der Stall- und Auslaufflächen planbefestigt ist. Die planbefestigten Liegebereiche müssen reichlich trockene Einstreu aufweisen und es allen Tieren ermöglichen, gleichzeitig liegen zu können.

Beim Umbau können Schweinehalter unterschiedlich vorgehen. Eine Möglichkeit besteht darin, den kompletten Spaltenbereich abzudecken. Dieses Verfahren eignet sich gut für kleinere Tiergruppen und ermöglicht einen optimalen Stroheinsatz im Liegebereich der Tiere. In solchen Ställen ist das Klima meist gut, da die Schweine den Innenbereich sauber halten und das Koten und Harnen in den Auslauf verlegen.

Eine klare Buchtenstrukturierung ist dabei das A und O. Bei planbefestigten Böden muss zudem unbedingt mit einem leichten Gefälle gearbeitet werden, sodass insbesondere das Waschwasser sicher abfließen kann.

Sollen Spalten auf einem Teil der Fläche erhalten bleiben, müssen Schweinehalter im Vorfeld die Vereinbarkeit von Einstreu und Güllesystem abklären. Der Einbau von z. B. KG-Rohren als „Strohbremsen“ kann zwar den Eintrag großer Strohmengen abpuffern. Die Schweine tragen jedoch trotzdem regelmäßig Stroh vom Liegebereich oder Auslauf auf die Spalten.

Spaltenböden haben auch Vorteile, wenn eine vorhandene Flüssigfütterung oder Tränken im Stallinnenbereich verbleiben sollen. Denn die Spalten leiten Flüssigkeiten zügig ab und helfen dabei, den Bereich sauber und trocken zu halten.

Abdeckungen schaffen Wärme

Je nach Tiergruppe können auch in puncto Heizung einige Anpassungen in den Ställen notwendig sein. Denn Absetzferkel reagieren empfindlich auf Kälte. Wenn der Stallinnenbereich nicht geheizt werden kann oder soll, bieten sich beheizbare Ferkelnester an.

Wartesauen und Mastschweine können hingegen oft problemlos ohne Heizung in vorhandenen Stallgebäuden gehalten werden − unter der Voraussetzung, dass bei kalten Temperaturen ausreichend Einstreu vorhanden ist. In der Vormast können Liegeflächenabdeckungen zudem zusätzliche Wärme schaffen und bei der Buchtenstrukturierung unterstützen.

Problematischer sind für diese Tiergruppen eher die Sommermonate. Hier gilt es, die Stallinnenbereiche kühl zu halten, damit sich die Kotbereiche nicht in den Stallbereich verschieben.

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