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topplus Corona in Schlachtbetrieben

Tönnies-Fleisch: „Die Unterkünfte sind nicht das Problem!“

Tut die Schlachtbranche genug, um Coronainfektionen zu verhindern? Ist die Annahme von Schlachttieren weiter garantiert? Ein Interview mit Dr. Gereon Schulze Althoff und Dr. Wilhelm Jaeger.

Lesezeit: 6 Minuten

top agrar sprach mit den Tönnies-Managern Dr. Gereon Schulze Althoff und Dr. Wilhelm Jaeger.

Update: Bis Freitag 18 Uhr waren 6.204 Mitarbeiter des Unternehmens getestet. Unter den 3.252 ausgewerteten Proben waren drei Mitarbeiter, die positiv auf COVID-19 getestet wurden. Alle drei arbeiten im Bereich der Convenience-Produktion, einem nachgelagerten Bereich bei Tönnies. Sie wurden über die Infektion informiert, separiert und in Quarantänewohnungen untergebracht, die das Unternehmen vorhält. Tönnies informierte zudem alle Kontaktpersonen.

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Sie haben in Rheda-Wiedenbrück und Kellinghusen bisher 1.000 Mitarbeiter auf das Coronavirus getestet. Alle Ergebnisse waren negativ. Haben Sie bislang einfach Glück gehabt?

Schulze Althoff: Die Ereignisse zeigen uns zunächst einmal nur, dass wir momentan kein größeres Infektionsgeschehen haben. Sicher gehört auch ein bisschen Glück dazu, dass bislang keine Infizierten Personen in unsere Betriebe gelangt sind. Ich glaube, es war richtig, schon im Februar mit der Krisenarbeit zu starten. Für uns ist die jetzige Situation allerdings jeden Tag ein großer Spagat. Einerseits müssen wir die Mitarbeiter schützen, andererseits die Versorgungssicherheit mit Fleisch und Wurst sicherstellen.

Wir haben schon im Februar die Krisenarbeit gestartet

Welche Maßnahmen haben Sie konkret ergriffen?

Schulze Althoff: Unsere Angestellten müssen schon bei den kleinsten Symptomen zu Hause bleiben und zum Arzt gehen. Wir haben in diesem Zusammenhang eine Kommunikations-Offensive gestartet, zu der unter anderem eine interne Corona-Hotline und eine mehrsprachige Mitarbeiter-App gehören. Auch im Werk haben wir vieles geändert:

  • Wir haben zusätzliche Wasch- und Desinfektionsmöglichkeiten installiert,
  • Arbeitsplätze wurden so weit wie möglich auseinandergezogen,
  • es gibt eine Einbahnstraßen-Regelung in Fluren, Gängen und Treppenhäusern
  • Kantinen- und Pausenmöglichkeiten wurden geclustert – unter anderem mit der Errichtung weiterer Pausenflächen etwa in Form eines Zelts auf dem Gelände.
  • Wärmebildsensoren am Eingang der großen Werke messen die Körpertemperatur der Mitarbeiter vor dem Betreten des Gebäudes automatisch. Bei erhöhter Temperatur wird dem jeweiligen Mitarbeiter der Zugang verwehrt. Stattdessen wird er zum Arzt geschickt, um sich untersuchen zu lassen.
  • Zahlreiche Mitarbeiter der Verwaltung wurden zudem ins Home-Office geschickt.

Wie sieht der weitere Testfahrplan aus?

Schulze Althoff: Bereits seit Montag werden täglich mehr als 500 Mitarbeiter in Rheda auf das Coronavirus (Sars-CoV-2) getestet. Die Tests führen Gesundheitsamt und Rettungskräfte mit unserer Unterstützung vor Ort durch. Wir stellen dafür die Räumlichkeiten zur Verfügung. Auch an unserem Standort in Weißenfels (Sachsen-Anhalt) werden Massentests durchgeführt. Dort sind sie allerdings freiwillig, da das Land bislang keine Vorgaben macht. Wir ermuntern unsere Mitarbeiter jedoch, sich freiwillig testen zu lassen. Die Mitarbeiter am Standort Kellinghusen wurden bereits getestet, und in Sögel haben wir ab Freitag unser eigenes Testcenter stehen. An den übrigen Standorten stehen wir im engen Kontakt mit den Behörden.

Ein heikler Punkt sind die Unterkünfte der Mitarbeiter. Welche speziellen Vorsichtsmaßnahmen haben Sie dort getroffen?

Schulze Althoff: Die Unterkünfte der Werksvertragsmitarbeiter sind aus unserer Sicht nicht das Problem. In diesem Zusammenhang spielt es übrigens keine Rolle, ob die Kollegen in einer Wohngemeinschaft mit mehreren Personen leben oder in der Wohnung der eigenen Familie. Am Ende zählt, dass wir bei einem positiven Fall die Infektionskette möglichst früh erkennen und durchbrechen. Die jüngsten Wohnraumkontrollen durch die Behörden bestätigen übrigens, dass die Vorgaben z.B. hinsichtlich der maximalen Personenzahl von zehn Leuten pro Wohneinheit eingehalten wurden. Wir bleiben hier besonders wachsam und unterstützen die regelmäßigen behördlichen Kontrollen.

Wie senken Sie das Infektionsrisiko der Mitarbeiter außerhalb der Arbeitszeiten?

Schulze Althoff:Das ist ein heikler Punkt, denn wir können und wollen den Menschen im Privaten nicht hinterherspionieren. Wir können aber aufklären.Bewährt hat sich aus unserer Sicht unter anderem die ständige Erreichbarkeit unserer Info-Hotline auch am Wochenende. Sie wurde stark genutzt. Durch die ständige Aufklärung haben wir die Akzeptanz für unsere Vorsichtsmaßnahmen deutlich erhöht. Auf zusätzliche Kontrollen können wir aber dennoch nicht verzichten.

Inwieweit schaut das Unternehmen Tönnies auch seinen Subunternehmern „auf die Finger“?

Schulze Althoff:Wir stehen im engen Kontakt mit den Subunternehmen und geben ihnen klare Vorgaben, was die Unterbringung und den Transport unserer Mitarbeiter angeht. Wir stehlen uns auch keinesfalls aus der Verantwortung. Unsere Ombudsfrau in Rheda-Wiedenbrück, Gudrun Bauer, und unsere Integrationsbeauftragte besuchen regelmäßig die Wohnungen, um die Hygiene- und Wohnbedingungen zu überprüfen. Allein in den letzten Wochen wurde ein Viertel aller Wohnungen besucht.

Mit den Schlachthöfen in Coesfeld, Bad Bramstedt und Bochum fehlen derzeit drei Standorte. Können Sie garantieren, dass Tierhalter auch in den kommenden Wochen ihre schlachtreifen Tiere zeitnah vermarkten können?

Jaeger: Unseren Lieferanten nehmen wir die Schlachttiere uneingeschränkt ab. Wir haben zudem Kapazitäten geschaffen, um vorübergehend auch Tiere der Wettbewerber, deren Standorte derzeit geschlossen sind, verarbeiten zu können. Auch die Behörden unterstützen uns, sie haben vorübergehend die BIMSCH-Genehmigung erweitert. So sind wir in der Lage, zusätzliche Stückzahlen zu schlachten. Wichtig ist, dass keine Schweine notgetötet werden müssen.

Wir dürfen die Verarbeitungskapazitäten vorübergehend aufstocken

Politik und Medien schauen sehr kritisch auf die Schlachtbranche. Was macht Sie so sicher, dass die Behörden nicht die Geduld verlieren und trotz Systemrelevanz vorsichtshalber noch mehr Betriebe aus dem Markt nehmen?

Schulze Althoff:Dass die Politik genau hinschaut, ist absolut richtig. Sie darf unsere Branche aber nicht pauschal verurteilen. Wir sind offen für eine gemeinsame Linie, haben den Ministern Laumann (NRW) und Heil (Bund) ein Gesprächsangebot gemacht, um unsere Erfahrungen einzubringen. So haben wir bereits vor den Forderungen der Ministerien nach einem Hygienekonzept einen 14-Punkte-Plan mit ebensolchen Hygiene- und Coronaschutz-Maßnahmen erstellt.

Eine Schließung des Tönnies-Schlachthofes wäre fatal für die bäuerlichen Lieferanten. Welchen Notfallplan haben Sie in der Tasche?

Schulze Althoff:Diese Frage stellt sich für uns momentan nicht. Denn bisher gibt es keinen Hinweis auf ein breites Infektionsgeschehen in einem unserer Betriebe. Wenn es zu Infektionen kommen sollte, müssen wir entscheiden, wie wir reagieren. Im Moment bleibt unser Versorgungsauftrag bestehen. Selbstverständlich können wir nicht ausschließen, dass es bei den weiteren Tests doch noch positive Ergebnisse geben wird, doch selbst dafür haben wir Maßnahmen getroffen.

Die Preise für Rinder und Schweine sind abgestürzt, Bauern tätigen Panikverkäufe. Können Sie die Bauern beruhigen?

Jaeger: Entscheidend ist, dass die Landwirte jetzt Ruhe bewahren. Hysterie oder Panikverkäufe bringen nichts, sie führen nur zu Marktverwerfungen. Ich bin aber relativ gelassen, denn bisher haben wir eine normale Anlieferung in gewohnter Gewichtsverteilung. Das zeigt uns, dass auf den landwirtschaftlichen Betrieben mit Augenmaß gehandelt wird.

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