Einloggen / Registrieren

Startseite

Schlagzeilen
Newsletter
Messen & Termine
Themen
Wir für Euch
Heftarchiv
Sonstiges

BayWa in Insolvenzgefahr Ernte 2024 GAP-Vereinfachungen

topplus Ferkelgesundheit

Tot geborene Ferkel: So können Sauenhalter gegensteuern

Seit einiger Zeit mehren sich Berichte, dass die Totgeburtenrate bei Sauen steigt. Was sind die Ursachen, und was können Sauenhalter dagegen unternehmen?

Lesezeit: 8 Minuten

Ferkelerzeuger und Züchter beobachten, dass die Totgeburtenrate ihrer Sauen steigt. Liegt es daran, dass die Tiere immer fruchtbarer, ihre Würfe größer und Ferkel immer kleiner und zum Teil lebensschwächer werden?

Um das zu klären, hat Prof. Steffen Hoy die Totgeburtenrate bei mehr als 2.000 Würfen des Zuchtbetriebes Oberer Hardthof der Universität Gießen sowie bei 6.200 Würfen eines zufällig ausgewählten Ferkelerzeugerbetriebs ausgewertet. Im Folgenden berichtet er über seine Untersuchungen und die Ergebnisse:

Das Wichtigste zum Thema Schwein mittwochs per Mail!

Mit Eintragung zum Newsletter stimme ich der Nutzung meiner E-Mail-Adresse im Rahmen des gewählten Newsletters und zugehörigen Angeboten gemäß der AGBs und den Datenschutzhinweisen zu.

Ziel: Maximal 7 % tot geborene Ferkel

Als Totgeburtenrate bezeichnet man den Anteil tot zur Welt gekommener Ferkel an den gesamt geborenen Ferkeln eines Wurfes bzw. einer Herde. Als Richtwert galt lange Jahre, dass die Totgeburtenrate maximal 7 % betragen sollte, bei Jungsauen höchstens 6 %. In den beiden ausgewerteten Betrieben wurden regelmäßig die gesamt geborenen (ggF), die lebend geborenen (lgF) und die tot geborenen Ferkel (tgF) erfasst.

Zudem war eine eindeutige Zuordnung der Daten zum jeweiligen Kalenderjahr, zur Wurfnummer, der Jahreszeit und zur Trächtigkeitsdauer möglich. Auf dem Oberen Hardthof konnten die Daten außerdem nach dem Alter der Sauen bei der ersten Abferkelung und nach dem Genotyp der Tiere ausgewertet werden.

Was zählt als Totgeburt? Totgeburten können vor oder während der Geburt entstehen. Rund 10 bis 20 % der betroffenen Ferkel sind bereits in der Gebärmutter ­abgestorben. Man erkennt sie an der grauen Färbung ihrer Haut. Zieht man an den Borsten, können sie sich leicht ablösen. Mumien ­hingegen zählen nicht zu den Totgeburten, denn sie sind bereits in der Gebärmutter abgestorben, wurden aber nicht mehr resorbiert.

Testbetriebe verzeichnen weniger Totgeburten

Ergebnis: Die für den Zuchtbetrieb der Uni Gießen ermittelte Totgeburtenrate liegt unterhalb des Grenzwertes. Die 2.062 ausgewerteten Würfe von 632 Sauen wiesen im Mittel eine Totgeburtenrate von 6,6 % auf, bei durchschnittlich 14,9 gesamt geborenen Ferkeln. Bei der Hälfte aller Würfe (49 %) gab es überhaupt keine Totgeburten. Bei 0,3 % aller Würfe hingegen wurden alle Ferkel tot geboren.

Im ausgewerteten Praxisbetrieb betrug der Anteil tot geborener Ferkel bei 6.192 ausgewerteten Würfen im Mittel 9,7 %. Hier wurden im Schnitt insgesamt aber auch 16,6 Ferkel pro Wurf geboren. Bei 41 % aller Würfe traten keine Totgeburten auf, und bei 0,1 % der Würfe waren alle Ferkel tot.

Bei den von 2015 bis 2018 auf dem Oberen Hardthof belegten Sauen lag die Totgeburtenrate relativ stabil zwischen 5,8 und 6,2 %. Ab dem Jahr 2019 stieg der Anteil bis zum Jahr 2022 dann jedoch bis auf 8,8 % an.

Anstieg bei großen Würfen

Mögliche Erklärung: Die Zuchtanlage wurde im Jahr 2014 mit Zuchtläufern neu belegt. In den ersten Jahren war die Sauenherde noch jung, was die geringe Totgeburtenrate erklärt. Als die Tiere älter und die Würfe größer wurden, erhöhte sich die Totgeburtenrate – bis 2022 auf 8,8 % (siehe Übersicht 1).

Übersicht 1: Wurfgröße und Totgeburtenrate1)

Ähnliche Ergebnisse ergab die Auswertung des Praxisbetriebes. Im Auswertungszeitraum von 2017 bis 2021 stieg die Totgeburtenrate parallel zur Wurfgröße um fast 5 %.

In beiden Betrieben nahm also der Prozentsatz tot geborener Ferkel mit zunehmendem Alter (Wurfnummer) der Sauen zu. Eine mögliche Erklärung ist, dass sich mit zunehmender Wurfgröße die Geburtsdauer verlängert. Und das kann dazu führen, dass vor allem die zuletzt geborenen Ferkel unter Sauerstoffmangel leiden, wenn sie zu lange im Geburtskanal stecken bleiben.

Jahreszeit und Witterung spielen eine Rolle

Das zunehmende Alter kann den Anstieg der Totgeburtenrate allerdings nur zum Teil erklären. Denn die Wurfgröße erhöhte sich in beiden Betrieben nur bis zum 5. Wurf auf 17,0 bzw. 17,5 ggF. Danach sank sie wieder leicht ab.

Es gibt aber auch einen jahreszeitlichen Einfluss: Sauen, die in den Monaten März bis Mai belegt werden, ferkeln in den heißen Sommermonaten ab. Hohe Temperaturen im Stall stellen für hochtragende und abferkelnde Sauen jedoch eine große Belastung dar. Dementsprechend hoch fiel auf dem Oberen Hardthof die Totgeburtenrate mit 7,5 % bei den Tieren aus, die im Frühjahr besamt wurden (siehe Übersicht 2).

Die niedrigste Rate tot geborener Ferkel wiesen Sauen auf, die im September bis November belegt wurden und dementsprechend im Zeitraum von Januar bis März abferkelten. Das deckt sich mit den Auswertungen des Praxisbetriebs.

Übersicht 2: Einfluss der Jahreszeit1)

Kürzere Trächtigkeit bei großen Würfen

Im nächsten Schritt untersuchten wir, welchen Einfluss die Trächtigkeitsdauer auf die Totgeburtenrate hat. Die Auswertung für den Oberen Hardthof ergab, dass zwischen der Trächtigkeitsdauer und der Wurfgröße eine negative Beziehung besteht. Je größer der Wurf ist, desto kürzer fällt die Trächtigkeit aus. Sauen mit einer Trächtigkeitsdauer von 113 Tagen wiesen eine Wurfgröße von 16,2 gesamt geborenen Ferkeln auf. Bei Sauen mit 119 Tagen Tragezeit lag die Wurfgröße bei 12,8 ggF.

Auf die Zahl der Totgeburten hatte das allerdings keinen Einfluss. Tendenziell waren sowohl bei kürzerer (113 bis 114 Tage) als auch bei längerer (118 bis 119 Tage) Trächtigkeit etwas höhere Totgeburtenraten zu beklagen als bei mittlerer Trächtigkeitsdauer. Die ­signifikant höchsten Totgeburtenraten (16,6 %) wurden bei einer Trächtigkeitsdauer von weniger als 113 Tagen bzw. bei sehr langer Tragezeit (18,5 %) von mehr als 119 Tagen beobachtet.

Alter beim ersten Abferkeln

Um zu klären, wie sich das Alter der Sauen bei der ersten Abferkelung auf die Totgeburtenrate auswirkt, wurden die Daten von 532 Landrasse-, Edelschwein- und Hybridsauen aus beiden Rassen des Oberen Hardthofs ausgewertet. Dazu wurden die Sauen je nach Erstferkelalter (EFA) in fünf etwa gleich große Klassen von jünger als 375 bis älter als 441 Tage eingeteilt.

Die Auswertung ergab einen signifikanten Einfluss des Erstferkelalters auf die Wurfgröße. Jungsauen, die beim ersten Abferkeln älter als 441 Tage waren, brachten im ersten Wurf fast drei Ferkel mehr zur Welt als die Sauen, die weniger als 376 Tage alt waren. In puncto Totgeburtenrate ließ sich allerdings kein eindeutiger Effekt des Erstferkelalters nachweisen.

Den geringsten Anteil tot geborener Ferkel (3,5 %) wiesen die Sauen auf, die beim ersten Abferkeln zwischen 414 und 441 Tage alt waren. Bei den älteren Erstgebärenden stieg die Totgeburtenrate dann ­allerdings signifikant auf 6,6 % an. Das steht in Zusammenhang mit der sprunghaft ansteigenden Wurfgröße der älteren Jungsauen.

Übersicht 3: Einfluss der Sauengenetik1)

Einfluss der Genetik

Aus den Daten des Oberen Hardthofs, wo verschiedene Rassen und Hybriden zeitgleich gehalten werden, ließ sich zudem ein deutlicher Einfluss der Genetik auf die Totgeburtenrate nachweisen.

Bei Hampshiresauen war die Totgeburtenrate mit 16,9 % mehr als doppelt so hoch wie bei den anderen Herkünften (siehe Übersicht 3). Erstaunlich: Die Pietrainsauen wiesen trotz ihrer Muskelfülle in der Hinterhand keine auffallend hohe Rate tot geborener Ferkel auf. Die geringste Totgeburtenrate ließ sich bei Landrassesauen (4,1 %) nachweisen, gefolgt von den Kreuzungssauen aus Landrasse und Edelschwein (6,4 %). Trotz der größeren Würfe kommt es bei Hybridsauen zu eindeutig weniger tot geborenen Ferkeln als bei den reinrassigen Müttern.

So können Sie vorbeugen

Totgeburten können infektiöse und nicht-infektiöse Ursachen haben. Dementsprechend unterscheiden sich auch die vorbeugenden Maßnahmen, die man ergreifen kann:

  • Impfprogramme: Direkter Auslöser für Totgeburten kann eine Infektion mit Parvo- oder PRRS-Viren sein. Aber auch Influenzaviren können durch das infektionsbedingte Fieber Totgeburten verursachen. Dagegen kann man impfen, allerdings muss das Impfprogramm auch konsequent umgesetzt werden.
  • Bewegung tut gut: Eine bewegungsarme Haltung hochtragender Sauen wird immer wieder als möglicher Auslöser für Totgeburten genannt. Im Wartestall ist die Gruppenhaltung mit freier Bewegungsmöglichkeit bereits vorgeschrieben. Aber auch im Abferkelstall ist künftig die Haltung in Bewegungsbuchten Pflicht.
  • Konditionsfütterung: Fütterungsfehler während der Trächtigkeit können zu mastigen oder zu unterkonditionierten Sauen führen. Beachten Sie bei der Rationsgestaltung für die Sauen deshalb möglichst die Fütterungsempfehlungen der Deutschen Landwirtschaftsgesellschaft (DLG).
  • Abkühlung: Hohe Umgebungstemperaturen rund ums Abferkeln führen nachweislich zu mehr Totgeburten, wie eigene Untersuchungen belegen. Achten Sie deshalb im Abferkelstall auf eine ausreichende Belüftung (Sommerluftrate nach DIN 18910). Im Sommer sollte die Zuluft nicht aus dem aufgeheizten Dachraum angesaugt werden.Bei Poren- oder Rieseldecken kann ein Ventilator im Abteil die Luftgeschwindigkeit erhöhen. Coolpads oder Verdunstungskühlungen können die Temperatur im Stall um einige Grad herunterkühlen.
  • Monocalciumphosphat: Stockt der Geburtsverlauf durch schwache Wehen oder Kalziummangel, kann die Totgeburtenrate ansteigen. Bei älteren Sauen ab dem 7. Wurf ist es deshalb sinnvoll, Monocalciumphosphat als Futteradditiv zu verabreichen. In eigenen Versuchen mit 52 Sauen konnten wir dadurch die Zahl der tot geborenen Ferkel von 2,04 auf 0,93 halbieren.
  • Ferkelwache: Die wirksamste Methode, die Zahl der tot geborenen Ferkel zu senken, ist jedoch das Einführen einer Ferkelwache rund um die Geburt. Das gilt vor allem für Ferkel, die außerhalb der Arbeitszeit lebend geboren werden, bis zum Kontrollgang am nächsten Morgen jedoch verenden. Wobei mit dem Begriff Ferkelwache keine Nachtschicht im Stall gemeint ist, sondern lediglich eine verlängerte Geburtsüberwachung am Hauptabferkeltag von 17 bis 21 Uhr. In einem Praxisbetrieb konnten wir dadurch die Totgeburtenrate um 40 % senken.

Ferkelwache lohnt sich



Rechnet es sich, wöchentlich vier Stunden Arbeitszeit in eine Ferkelwache zu investieren? In einem 700er-Sauenbetrieb mit Wochenrhythmus haben wir fünf Wochen lang jeweils donnerstags von 17.00 bis 21.00 Uhr die Geburten überwacht. Dadurch wurden 22 Ferkel gerettet. Abzüglich üblicher 15 % Ferkelverluste, bleiben netto 19 Ferkel. Bei 30 € Ferkelpreis ergeben sich 570 € Mehrerlös. Zieht man die Arbeitszeit ab (fünf Tage à vier Stunden mal 18 €), bleiben unter dem Strich 210 € Gewinn.

Mehr zu dem Thema

top + Ernte 2024: Alle aktuellen Infos und Praxistipps

Wetter, Technik, Getreidemärkte - Das müssen Sie jetzt wissen

Wie zufrieden sind Sie mit topagrar.com?

Was können wir noch verbessern?

Weitere Informationen zur Verarbeitung Ihrer Daten finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Vielen Dank für Ihr Feedback!

Wir arbeiten stetig daran, Ihre Erfahrung mit topagrar.com zu verbessern. Dazu ist Ihre Meinung für uns unverzichtbar.