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Wirkt die Circoimpfung noch?

Trotz Impfung kommt es in Schweinebeständen zu akuten Circo-Ausbrüchen. Wie sich das Virus verändert hat und ob die PCV2-Impfstoffe noch wirken, erläutert Dr. Matthias Eddicks von der Uni München.

Lesezeit: 7 Minuten

Das Porcine Circovirus 2 (PCV2) ist inzwischen weltweit verbreitet. Es zählt zu den gefährlichsten und wirtschaftlich bedeutendsten Erregern in der Schweinehaltung. Auch in Deutschland gibt es kaum noch einen Schweinebestand, in dem das Virus nicht zu finden ist. Deshalb werden inzwischen rund 90% aller Absetzferkel vorsorglich gegen PCV2 geimpft. Dadurch ist es in den meisten Fällen gelungen, das „Kümmersyndrom“ in den Griff zu bekommen.

In den letzten Jahren nehmen die Probleme jedoch wieder zu. Selbst circogeimpfte Tiere zeigen plötzlich wieder typische PMWS-Symptome: Sie sind blass, wirken apathisch, kümmern oder leiden unter schwer behandelbaren Atemwegserkrankungen. Aber auch das PDNS, die Haut-Nieren-Form der Erkrankung, tritt in letzter Zeit wieder häufiger in Erscheinung.

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Woran liegt das? Hat sich der Erreger genetisch verändert? Bieten die kommerziell verfügbaren Impfstoffe keinen ausreichenden Schutz mehr?

Genetische Verschiebung

Tatsache ist, dass sich auch Circoviren ständig genetisch weiterentwickeln und verändern. Erstmals beschrieben wurden sie 1974. Seit 1998 unterscheidet man zwischen dem porzinen Circovirus Typ2 (PCV2), der als krankmachender Erreger bei Schweinen gilt, und dem nicht krank machenden PCV1. PCV2 wurde damals aus erkrankten Schweinen isoliert, die unter dem sogenannten Kümmersyndrom litten. International bezeichnet man das Krankheitsbild als PMWS (Post-Weaning Multisystemic Wasting Syndrome).

Ab 2004 konnte man in Nordamerika und auch in Europa dann zum Teil sehr schwere PMWS-Fälle beobachten. In den betroffenen Beständen wurde ein neuer PCV2-Genotyp nachgewiesen, den man als PCV2b bezeichnete. Die ursprüngliche Variante erhielt die Bezeichnung PCV2a.

Aufgrund der teilweise sehr schweren Verläufe der PCV2b-Infektionen vermutete man, dass der PCV2b-Erreger womöglich ein größeres krankmachendes Potenzial (Virulenz) haben könnte.

Mit Einführung der PCV2-Impfung in den Jahren 2007 und 2008 beruhigte sich die klinische Situation weltweit jedoch wieder. Es traten in den Folgejahren deutlich weniger circobedingte Erkrankungen auf.

Der Effekt beruhte vor allem auf der Fähigkeit der Impfstoffe, die Viruslast von PCV2 im Blut der Schweine sehr deutlich zu reduzieren. Denn in verschiedenen Untersuchungen konnte sehr klar der Zusammenhang zwischen der Viruslast im Blut bzw. Gewebe infizierter Schweine und der Intensität der PCV2-Erkrankungen belegt werden.

Immer mehr PCV2d-Fälle

Seit 2012 rückt nun jedoch erneut ein veränderter Virustyp ins Rampenlicht, der Genotyp PCV2d. Auffällig ist, dass es in den betroffenen Beständen zu teilweise sehr schweren PCV2-Erkrankungen kommt, obwohl die Schweine eigentlich gegen PCV2 geimpft sind. Die gleiche Erfahrung machte man auch in anderen Ländern.

Inzwischen tritt der Genotyp PCV2d immer häufiger auf, wie auch die Laborergebnisse der Uni München zeigen. In 66,2% aller Proben, die in den letzten fünf Jahren aus Beständen mit akuten Circoproblemen zur Untersuchung nach München geschickt wurden, ließ sich der Genotyp PCV2d nachweisen (siehe Übersicht). Der gleiche Trend lässt sich auch in den USA und in Korea beobachten. Hier liegt der Anteil der PCV2d-Genotypen in den „klinischen Proben“ sogar bei 72%!

Auch bei PCV2d wurde zunächst ver-mutet, dass dieser neue Genotyp womöglich virulenter sein könnte als seine Vorgänger PCV2a oder 2b und deshalb so schwere Erkrankungen hervorruft. Doch in Infektionsversuchen bestätigte sich dieser Verdacht nicht. Zumindest unter kontrollierten Laborbedingungen wiesen Schweine, die mit PCV2a, -2b oder -2d infiziert wurden, nach der Infektion keine Unterschiede bei den Organveränderungen oder bei der Viruslast im Blut auf. Lediglich eine etwas früher einsetzende Virämie konnte beobachtet werden, d.h. im Blut der mit PCV2d infizierten Tiere ließen sich die Viren etwas früher nachweisen.

Aus der Praxis wird von Landwirten und Tierärzten zwar immer wieder berichtet, dass die PCV2d-bedingten Erkrankungen ungewöhnlich stark ausfallen. Dabei muss man jedoch bedenken, dass PCV2-Erkrankungen immer noch als Faktorenkrankheiten gelten. Unter ungünstigen Umweltbedingungen können die Krankheitsanzeichen sehr intensiv sein. In Beständen mit guter Hygiene und gutem Gesundheitszustand verursacht derselbe Genotyp möglicherweise eine mildere Klinik.

Der Circo-Genotyp PCV 2d gewinnt immer mehr an Bedeutung. Das belegen aktuelle Auswertungen der Uni München. Aber auch in den USA und in Korea beobachtet man diesen Trend.

Reicht der Impfschutz noch?

Alle kommerziell verfügbaren Impfstoffe, die zurzeit eingesetzt werden, wurden auf der Basis des PCV2a-Genotyps entwickelt. Deshalb stellt sich die berechtigte Frage, ob diese Impfstoffe auch vor den neuen Genotypen PCV2b und PCV2d ausreichend schützen?

Sowohl die Ergebnisse aus Infektionsversuchen als auch die Erfahrungen aus der landwirtschaftlichen Praxis zeigen, dass die derzeit angebotenen Impfstoffe wirken. Zumindest für PCV2b ist dies für jeden Anwender offensichtlich. Denn PCV2b ist schon seit 2004/2005 der in der Hausschweinepopulation dominierende PCV2-Genotyp. Die Impfstoffe gegen PCV2 sind jedoch erst seit 2007/2008 verfügbar. Das heißt, dass schon von Anfang an mit den auf PCV2a-basierenden Vakzinen erfolgreich gegen PCV2b geimpft wurde.

Bundesweit durchgeführte Impfstudien belegen dies. Von Ferkeln, die gegen PCV2 geimpft waren, wurden im Laufe ihres Lebens nur 7,3% aller Tiere irgendwann virämisch, das heißt, dass sich PCV2-Viren im Blut der Tiere nachweisen ließen. Bei den ungeimpften Schweinen waren es dagegen 97,6%. Deshalb ist es umso erstaunlicher, dass es in einigen Fällen trotz Impfung jetzt wieder zu schweren Circo-Erkrankungen kommt. Liegt es also an der Impfstrategie?

Sauen infizieren ihre Ferkel

Häufig lassen sich die auftretenden Fälle auf den Tierbestand des Sauenhalters zurückführen, von dem der Mäster seine Ferkel bezieht. Nach derzeitigem Kenntnisstand breitet sich das Virus von Sauenbestand zu Sauenbestand aus. Von dort aus gelangen dann PCV2d-infizierte Ferkel in die Aufzucht bzw. in die Mast.

Es wird vermutet, dass es bei einem Neueintrag des Circovirus in eine empfängliche Sauenherde zu einer Ausbreitung des neuen PCV2-Genotyps kommt, der nach außen meist nicht erkennbar ist. Nur in seltenen Fällen kommt es zu Fruchtbarkeitsstörungen. Die Ferkel der Sauen, die den Erreger in sich tragen, werden möglicherweise bereits im Uterus oder innerhalb der ersten Tage nach der Geburt mit dem Erreger infiziert.

Diese PCV2d-positiven Tiere werden dann in der 3. Lebenswoche zur aktiven Immunisierung mit dem Circoimpstoff geimpft. Bei bereits infizierten Ferkeln kann möglicherweise kein optimaler Schutz durch die Impfung mehr erreicht werden. Deshalb kommt es wahrscheinlich zu den beobachteten klinischen Erscheinungen.

Auch die Sauen impfen?

Diese Annahme ist jedoch reine Spekulation. Aus ihr ergeben sich zahlreiche neue Fragestellungen, die die Wissenschaft in den nächsten Jahren klären muss. Unklar ist z.B., warum es in manchen Fällen bei intrauteriner Infektion zu einem Abort kommt, in anderen Fällen aber nicht. Und zu klären ist auch, warum man in den USA direkt nach der Geburt einen großen Anteil virämischer Ferkel findet, in Europa dagegen eher selten.

Fakt ist, dass die Infektion in vielen Herden völlig unauffällig verläuft. Circotypische Krankheitssymptome sieht man hier eher selten. Und in den meisten Beständen, die mit PCV2d-Infektionen zu kämpfen hatten, beruhigt sich die Situation nach sechs bis acht Wochen wieder. Das spricht für die oben genannte Vermutung, dass sich die Ferkel in empfänglichen Sauenherden sehr früh infizieren und die Impfung in der 3. Lebenswoche dann mitunter unzureichend wirkt. Der Bestand durchseucht allmählich mit dem neuen Erreger und stabilisiert sich dann wieder.

Dort, wo das PCV2d-Virus neu in den Bestand eingetragen wird, könnte aber eine Sauenimpfung sinnvoll sein. Dabei kann es jedoch zu unerwünschten Wechselwirkungen zwischen den maternalen Antikörpern und der eigenen Immunisierung kommen!

Besonderes Augenmerk sollte man immer auf die Jungsauen legen. Denn eigene Untersuchungen von Speichelproben, die während der Quarantäne gewonnen wurden, zeigen, dass immer wieder Jungsauen PCV2-positiv sind. Mithilfe genetischer Untersuchungen sollte hier geklärt werden, ob es möglicherweise die Jungsauen sind, die immer wieder PCV2d in den Bestand einschleppen. Bei Bedarf sollte die Impfstrategie für die Jungsauen überdacht werden. Denkbar ist zum Beispiel eine PCV2-Jungsauenimpfung in der 3. und 12. Lebenswoche.

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