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Fendt E-Traktor: Elektrisch, aber Vario

Schon vor einigen Jahren hat Fendt eine Studie eines elektrisch angetriebenen Traktors mit Akku vorgestellt. Jetzt konnten wir einen Prototyp des Fendt e100 Vario exklusiv Probe fahren.

Lesezeit: 5 Minuten

Im Stall ist es erstaunlich still, als der schmale Traktor per Ladewagen und Querförderband den Braunvieh-Kühen das Futter vorlegt. Nur eine Art Summen ist zu hören. Blickt man auf das Kennzeichen, sieht man hinter der Zahl ein großes E – der Traktor ist elektrisch unterwegs.

Ende Oktober hatten wir exklusiv die Gelegenheit, einen Fendt e100 Vario auf dem Betrieb von Manfred N. im Allgäu zu fahren. Der Landwirt führt den Biobetrieb mit 47 Milchkühen im Nebenerwerb. Hauptberuflich arbeitet er bei Fendt in der Entwicklung, weshalb er seinen vollen Namen nicht gedruckt sehen möchte. N. hat das neue Traktorenkonzept unter Praxisbedingungen rund 300 Stunden bei sich im Betrieb eingesetzt.

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Die erste Studie hat Fendt 2017 vorgestellt. Mittlerweile sind mehrere Prototypen unterwegs. „Unsere“ Maschine entsprach noch einem relativ frühen Stadium der Vorentwicklung von 2019. Aber viele Funktionen kommen dem späteren Serienmodell ziemlich nahe. Fendt-Chef Christoph Gröblinghoff hat den Verkaufsstart zu 2024 angekündigt, der neueste Entwicklungsstand soll 2023 auf der Agritechnica stehen.

Möglichst viel Serientechnik im E-Vario

Der Traktor basiert auf der Schmalspurvariante des Fendt 200 Vario. Die Konstrukteure entschieden sich direkt beim Start für die schmale Variante, denn Arbeiten in Sonderkulturen, Ställen, Gewächshäusern und im Kommunalbereich sind später mögliche Einsatzschwerpunkte. Es war deshalb sinnvoll, sofort alle Komponenten in den kompakten Abmaßen unterzubringen.

Das Konzept nutzt möglichst viele Komponenten der bewährten Serienbaureihe. Beim e100 Vario weicht der Dieselmotor dem Akku. Der Li-Ion-Akku des getesteten Fahrzeugs hat eine Kapazität von 100 kWh. Das System arbeitet im Hochvoltbereich mit einer Spannung von 700 V. Die E-Maschine in unserem Prototyp ist anstatt des Motorschwungrads am Anfang des Standard-Antriebsstrangs montiert. Hier und beim Akku könnten sich laut Fendt zum Serienstand noch Anpassungen ergeben.

Hinter dem 50 kW-(68 PS-)Motor arbeitet Fendt mit dem serienmäßigen stufenlosen Antrieb ML 70 und der Standard-Hinterachse inklusive Zapfwellengetriebe, Hydraulikpumpe und Hubwerk. So lassen sich dem Betrieb vorhandene Anbaugeräte weiterhin nutzen. Dazu kommen vorne und hinten zwei Hochvolt-Streckdosen. Das Angebot für Anbaugeräte mit E-Antrieb ist derzeit aber noch sehr gering.

Das lastverzweigende Vario-Getriebe besteht normalerweise aus einem mechanischen und einem hydraulischen Teil. Die Hydraulik bleibt unverändert. Die Eingangswelle treibt jetzt der E-Motor an. Er arbeitet dabei mit ähnlichen Drehzahlen wie der Diesel. So haben wir z.B. auf der Straße die 40 km/h-Höchstgeschwindigkeit mit 1.730 Umdrehungen erreicht. Das Motor-Getriebe-Management stimmt die Drehzahl des E-Motors und die Übersetzung des Antriebs automatisch aufeinander ab – das klappt gut.

Der Traktor beschleunigt und verzögert sauber, das Fahren macht Spaß – vor allem, wenn es losgeht. Denn das für E-Motoren typische höhere Anfahrdrehmoment spürt man deutlich beim Beschleunigen. Bei den Testfahrten auf einer ebenen Straße beschleunigte der kleine Fendt in knapp 18 Sekunden auf 40 km/h. Insgesamt lässt sich der Antrieb gut und feinfühlig steuern, was wir z.B. beim Anbau von Geräten ausprobiert haben.

Wahrscheinlich könnte der E-Motor noch mehr Drehmoment ins Getriebe pumpen. Dazu hält sich Fendt eher bedeckt. Da der Antrieb ursprünglich auf Dieselaggregate ausgelegt ist, wird er wohl elektronisch überwacht, damit bei niedriger Drehzahl nicht zu viel Moment an der Welle ankommt.

E-Motor bringt viel Schubkraft

Das heißt aber nicht, dass es hier einen Mangel gäbe: Die Schubkraft des Antriebs haben wir beim Ausmisten eines Tretmiststalls ausprobiert. Hier war es kein Problem, auch bei schwerer Schaufel und Heckballast die vier Räder zum Durchdrehen zu bringen. Wir konnten mit der Greifschaufel ordentlich zupacken und effizient arbeiten – und das bei geringerer Geräuschkulisse als z.B. mit einem Hoflader.

Auf der Straße ist das Fahrgeräusch besonders: Der Diesel fehlt. Dafür hört man deutlich das Surren und Regeln des Varioantriebs. Das hat uns aber nicht gestört – wie gesagt, es ist eher interessant.

Der Landwirt und Entwicklungsmitarbeiter hat die Maschine auch außerhalb der Hofstelle bei der Heuernte eingesetzt. Der E-Vario hat das Wenden und Schwaden übernommen. Seinen Angaben zufolge waren Einsätze bis zu 4 ½ Stunden kein Problem. Das passt gut zu dem Heumilch-Betrieb, der wegen der Kapazität der Heutrockung selten mehr als 10 ha am Stück einbringt.

Fendt macht deutlich, dass die leichten und mittleren Arbeiten der Schwerpunkt des Akku-Traktors sind. Für schwere Zugarbeiten über längere Dauer, wie z.B. das Pflügen, reicht die Energiedichte heutiger Akkus nicht aus. Hier setzt der Agco-Konzern übrigens mit den Core-Motoren auf den möglichen Einsatz von E-Fuels oder entwickelt neue Konzepte mit Wasserstoff und Brennstoffzellen.

Für den e100 Vario wird es zwei Lademöglichkeiten geben: Mit 22 kW Wechselstrom aus dem Netz kann der Akku in rund drei Stunden von 20 % auf 80 % gebracht werden. Die zusätzliche Gleichstromschnittstelle soll das in ca. einer Dreiviertelstunde schaffen. Wie bei E-Fahrzeugen üblich, flacht die Ladekurve ab 80 % ab, um den Speicher nicht zu überlasten.

Zusätzlich arbeitet der Akku beim Laden und bei der Stromabgabe mit einem Kühlsystem. Das ermöglicht eine höhere Leistung. Beide Anschlüsse lassen sich mit Solarstrom versorgen. Im letzten Sommer hat der allgäuer Landwirt den Akku-Schlepper z.B. über seine 50 kWp-Solaranlage aufgetankt.

Tipp: Video einer Präsentation aus 2020

Verkaufspreis unbekannt

Bezüglich der Preise und den technischen Eckwerten möchte Fendt noch nicht ins Detail gehen. Fest steht: Die Abmessungen der Serienmaschine orientieren sich am 200 Vario Schmalspur, das Gewicht des Stromers soll nur wenig höher als das des Diesels liegen.

Nach Angaben von Fendt gibt es bereits Voranfragen für dieses Traktorenkonzept. In Einsatzbereichen. wo Lärm und Emissionen kritisch sind oder in Verbindung mit einer Solaranlage, gibt es sicher eine Reihe interessanter Einsatzmöglichkeiten. Und Spaß macht der kleine Stromer schon.

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