Für Sie getestet

Fendt-, John Deere und Claas-Raupentraktor +++ Teil 2: Maße & Testprotokoll +++

Im zweiten Teil unseres Tests lesen Sie die Details zu den Laufwerken und was uns an den Fahrzeugen besonders aufgefallen ist.

Im ersten Teil unseres Vergleichstests haben wir Ihnen die Messergebnisse der Traktoren vorgestellt. In diesem Teil zeigen wir die Unterschiede bei den Raupenlaufwerken und gehen in den Testprotokollen auf die Besonderheiten der drei Traktoren ein.

Die wichtigsten Daten der Raupen finden Sie in der Übersicht unten.

Alle Firmen bieten unterschiedliche Laufbänder und -breiten an. Natürlich wollten wir wissen, wie groß die Aufstandsflächen der Maschinen im Test sind. Deshalb haben wir den „Fußabdruck“ der Maschinen auf dem Acker mit Futterkalk abgestreut und so die Fläche ermittelt.

Mehr Fläche bedeutet nicht mehr Kraft

Beim Claas teilt sich die Fläche auf Vorderachse und Laufband auf. Vorne ist die Aufstandsfläche vom Reifendruck und der Vorderachslast abhängig. Wir haben mit einem 600 kg Frontballast und 0,9 bar Druck gemessen. In Summe kam das Fahrzeug auf 3,98 m² Fläche, wobei die Raupen solo 2,86 m² abdecken.

Die größte Raupen-Aufstandsfläche in Testausstattung bietet der 8 RT von John Deere mit 4,22 m². Der Fendt hat mit 3,64 m² die „geringste“ Fläche und erreichte bei den Zugleistungsmessungen die niedrigsten Schlupfwerte. Denn generell gilt: je breiter das Band, desto weniger Zugkraft lässt sich bei gleichem Gewicht übertragen.

Wenn es auf maximale Zugkraft ankommt, müssen die Vollraupen zudem ausreichend Frontballast haben. Sonst heben sie „die Nase“ und es geht Kontaktfläche verloren. Beim Claas ist das konstruktiv weniger der Fall.

Dafür steigt die Bodenschonung mit der Fläche. Dabei zählt bei Raupen aber nicht allein die Aufstandsfläche, sondern auch, wie sich die Last dort verteilt. Theoretisch gilt: Je mehr Laufrollen, desto besser. Allerdings braucht das Band auch Spannung, damit sich der Druck gleichmäßiger verteilt. Die Spannung ist zudem notwendig, um die Leistung von der Antriebsrolle auf das Band zu übertragen. Denn hier geht es um Kraftschluss und nicht um Formschluss wie bei der Stahlkette einer Planierraupe.

Die hohe Bandspannung sorgt allerdings auch für den höheren (internen) Rollwiderstand dieser Laufwerke. Einen Teil dieses Wirkungsgradnachteils gegenüber Radfahrwerken kompensiert die Raupe aber durch deutlich geringere Schlupfwerte bei Zugarbeiten und schiebt teils weniger Erde vor sich her als ein Reifen (Bulldozingeffekt).

Neben der Aufstandsfläche spielen auch die Federungskonzepte der Laufwerke eine Rolle. Den Fahrkomfort haben wir bereits im ersten Teil des Tests bewertet. Hier konnte der Claas deutlich punkten. Die beiden Vollraupen sind auf schlechteren Straßen deutlich ruppiger unterwegs. Das Fendt-Laufwerk schnitt durch die in einer Doppelschwinge aufgehängten Laufrollen besser ab als die Raupen des John Deere. Hier können sich die Rollen nicht an Unebenheiten anpassen. Das spürt man bei Schlaglöchern oder kurzen/steilen Hindernissen. Auf dem Acker war der Arbeitskomfort aber trotzdem hoch.

Übrigens: Neue Bänder kleben anfangs. Deshalb empfehlen die Hersteller, mit diesen Raupen so schnell wie möglich auf den Acker zu fahren. Denn lockere Erde sorgt für eine Art Schmiereffekt. Bei Überführungsfahrten kann man auch Erde per Hand in das Band werfen oder Talkum verwenden. Die Firmen stellen fest, dass die ersten 50 Stunden einen erheblichen Einfluss auf die Lebensdauer der Bänder haben. 

Was uns bei den einzelnen Traktoren aufgefallen ist, lesen Sie in den folgenden Test­protokollen.

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Claas Axion 960 TT

Der Axion TerraTrac ist in vielen Teilen identisch mit der Radmaschine. Er punktet mit hohem Fahrkomfort.

Baureihe

Claas hat bereits 1987 das erste TerraTrac-Laufwerk für Mähdrescher getestet. Mittlerweile fahren die großen Lexions überwiegend auf Raupen aus dem Paderborner Werk. Im Unternehmen entstand die Idee, die Technik auch bei Traktoren einzusetzen.

Der erste Prototyp mit TerraTrac war ein Axion 800. Später entschied man sich dazu, nur die Baureihe Axion 900 damit auszustatten. Im Vergleich zum klassischen TerraTrac ist die Antriebsrolle vergrößert, um mehr Zugkraft zu übertragen. Seinen ersten Auftritt hatte der Axion 960 TT auf der Agritechnica 2017.

Motor

Der FPT Cursor 9 hat 8,7 l Hubraum. Der Testschlepper erfüllte die Abgasstufe IV mit SCR und DOC unter der Haube. Ein klassischer Partikelfilter ist nicht an Bord. Zur nächsten Abgasstufe V kommt ein Feinpartikelfilter dazu. Im Test fiel auf, dass der Lüfter noch etwas sprunghaft regelte. Das soll mit einem Softwareupdate behoben werden.

An der Zapfwelle lieferte der Axion maximal 302 kW/410 PS ab – der höchste Wert im Test. Der spezifische Verbrauch lag hier bei 219 g/kWh. Den geringsten Verbrauch (213 g/kWh) haben wir bei 1 230 Motorumdrehungen gemessen. Dann liegen an der Zapfwelle 211 kW/289 PS an.

Getriebe

Das lastverzweigende TerraMatic liefert ZF. Seine vier Stufen wechseln automatisch. Die Zusammenarbeit von Motor und Getriebe fanden wir okay. Der Axion bietet die Komfortmerkmale, die man von anderen Claas Traktoren mit stufenlosem Antrieb kennt. Es gibt drei Modi für die Motordrückung: Eco (20 bis 35 %), Power (10 bis 25 %) und den Drehzahlspeichermodus, z. B. für Zapfwellenarbeiten (5 bis 40 %).

Übers Cebis lassen sich drei Geschwindigkeitsbereiche wählen (0 bis 14,9; 0 bis 30; 0 bis 45 km/h). Die Fahrtrichtung ändert man per Hebel links an der Lenksäule oder per Cmotion, aber nicht im Wechsel. Rückwärts folgt der Hebel derselben Logik wie vorwärts, also Hebel nach vorne = schneller.

Bei der Zapfwelle sind 540e und 1000 Serie, 540 und 1000e gibt es optional. Anders als die beiden anderen Testmaschinen bietet der Axion ab Werk auch eine optionale Frontzapfwelle. Laut Claas setzen Kunden die Maschinen so z. B. mit einer Tripplekombi zum Mähen auf moorigen Standorten oder in Hanglagen ein.

Raupe

Das Grundchassis ist identisch mit den Radschleppern. Die Raupen können 15° nach oben und 8° nach unten pendeln. Über Schwingen und Stickstoffspeicher sind alle Rollen des Laufwerks gefedert. Pendelausgleich und Federung sorgten für den besten Fahrkomfort. Unsere Tester gaben hier gute 8,7 von 10 Punkten.

Antriebs- und Leitrolle haben Speichen. Dadurch soll Schmutz schneller nach außen gelangen können und ein Kühleffekt entstehen. Die Gummiblöcke auf den Speichenrädern lassen sich bei Beschädigungen einzeln tauschen. Kardanwellen führen vom Hinterachsgehäuse zu verstärkten Planetensätzen in den Laufwerken.

Die Wellen brauchen alle 600 Stunden Fett, die serienmäßige Zentralschmierung versorgt alle anderen Lager. Das Verdrehen des Endantriebs erlaubt 16 cm Höhenverstellung per Terminal in drei Stufen – z. B. beim Anhängen, wie bei einer Vorderachsfederung. Bei der Arbeit fährt man sie meist in mittlerer Position.

Die Bänder stammen von Camso. Claas bietet drei Breiten an: 635, 735 (im Test), 890 mm (ab 2021). Die breiten Bänder sind vor allem für bodenschonende Einsätze gedacht. Mit allen Bändern soll der Axion TT innerhalb der 3 m Breite bleiben. Zusammen mit den Vorderrädern (710/60 R 34; 0,8 bar Druck, 600 kg Frontgewicht) haben wir aber eine Gesamtaufstandsfläche von knapp 4 m² gemessen.

Das Standard-Differenzial erlaubt die Kurvenfahrten. Nasse Lamellenbremsen können je nach Einstellung die Lenkung unterstützen. Ab ca. 5° Lenkeinschlag verzögern sie aktiv die kurveninnere Raupe, was den Wenderadius reduziert.

Hydraulik

Im Heck gibts maximal sechs dw-Anschlüsse und vorne zwei. Dazu kommt Power-Beyond. Die...


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