Ratgeber

Fünf Online-Ackerschlagkarteien im Vergleich

Online-Systeme dominieren inzwischen die Neuentwicklungen bei Ackerschlagkarteien. Doch welche ist die Richtige? Hinrich Drangmeister hat fünf Systeme für uns verglichen.

NP-Bedarfsermittlung unter Beachtung der roten Gebiete, Dokumentationspflichten bei Düngung und Pflanzenschutz, Einhaltung nicht ganz leicht überschaubarer Pflanzenschutzauflagen, Beachtung von Anbau- und Greeningvorgaben: Das macht nicht gerade Spaß.

Der effektive Einsatz aller Produktionsmittel für einen erfolgreichen Ackerbau ist aber ohne Aufzeichnungen, Berechnungen und Erfolgskontrollen nicht möglich. Da kann die richtige Schlagkartei helfen. Wir haben fünf Online-Systeme verglichen:

Einen gebündelten Überblick über alle Beiträge zu dem Thema finden Sie hier:

Unsere Tester: Am Vergleich beteiligt war eine Klasse der Fachschule für Agrarwirtschaft Herford, deren Schüler die Programme in ihren Betrieben einsetzten. Ihr inzwischen pensionierter Pflanzenbau- und EDV-Lehrer Hinrich Drangmeister hat seit Ende der 80er Jahre immer wieder Schlagkarteisysteme (inzwischen über 25) für verschiedene Fachzeitschriften verglichen. Seine Sicht bestimmt die Einordnung der nachfolgend verglichenen Online-Schlagkarteisysteme.

Die Qual der Wahl

Welches System ist die beste Schlagkartei für mich? Diese Frage ist nicht einfach zu beantworten. Zu unterschiedlich sind die durch Betriebsgrößen, -strukturen und -organisationsformen sowieso von Interessen und Zielvorstellungen des Betriebsleiters abhängigen Ausgangspositionen für die Auswahl.

Wollen Sie ein System, mit dem Sie nur die absolut notwendigen gesetzlichen Vorgaben mit wenig Zeitaufwand erledigen können oder haben sie eine umfassende EDV-gestützte Planung und Abwicklung von Pflanzenproduktion und Arbeitsvorgängen mit digitalen Aufträgen und laufender Kommunikation mit Mitarbeiter und Externen (z.B. Lohnunternehmern oder Beratern), mit Maschinenkopplungen, automatisierter Dokumentation oder sogar teilflächenspezifischem Precision Farming-Ansätzen zum Ziel?

Was wollen Sie wirklich … und … was halten Sie auf Dauer auch wirklich durch? Es gibt nicht wenige PCs, auf denen mit viel Enthusiasmus gekaufte Software schließlich nicht eingesetzt wurde.

Das haben wir getestet

Dieser Vergleich befasst sich mit den Grundanforderungen die eine Schlagkartei erfüllen sollte. Dies sind auch die Kriterien, die in die Bewertung eingeflossen sind:

1. Bedienbarkeit und Service

Klar strukturierte, nicht zu verschachtelte Menüs und klare Eingabemasken. Ein informatives Handbuch (zumindest als pdf-Datei) und eine integrierte Online-Hilfe. Info-Videos zu wesentlichen Programmfunktionen. Gut erreichbarer kostenloser Telefonservice und evtl. ein Hilfe-Chat. Einhaltung gängiger fachlicher Standards. Wenn man erst erklären muss, wie wesentliche Programmfunktionen gemeint sind, stimmt etwas nicht.

2. Stammdaten, Datenübernahme

Schlagdaten und Schlagumrisse aus Flächenantrag übernehmbar und einzeichenbar. GIS mit Schlagteilung, Insel- und Schlagrandeinzeichnung. Dünge- und Pflanzenschutzmittel aus aktuellen Online-Datendatenbanken (z.B. des BVL, JKI oder BSA) auswählbar. Mehrbetriebsfähigkeit. Maschinen-, Arbeitskräfteeingaben evtl. inkl. Kostenansätzen.

3. Anbauplanung und Greening

Eine übersichtliche mehrjährige Anbauplanung (Fruchtfolgen) mit Ermittlung erforderlicher Saatgutmengen und der voraussichtlichen Gesamterntemengen sowie einer Überprüfung der Greeningvorschriften.

4. Düngung

Düngebedarfsermittlung (Reinnährstoffe/ha) nicht nur für Nges, Nverfügbar und P, sondern auch für K, MgO, S und CaO auf Basis der Bodenuntersuchung und LUFA-Empfehlungen. Berechnung der Summe aller je ha ausgebrachten Reinnährstoffe und des noch fehlenden Bedarfs bzw. eines Überschusses (Saldo), also eine Düngebilanz. Evtl. sogar eine Düngeplanung, also eine Zuteilung der Düngemittel nach dem berechneten Reinnährstoffbedarf. Berücksichtigung von Sondervorgaben (z.B. rote Gebiete).

Leider steht bei den Programmen augenblicklich fast nur noch die vom Gesetzgeber vorgeschriebene NP-Ermittlung im Vordergrund. Die Stoffstrombilanz gehört nicht zwingend zur Schlagkartei, kann hier aber untergebracht werden.

5. Sammel-Kombibuchung der laufenden Maßnahmen

Möglichkeiten mehrere Schläge und Betriebsmittel beliebig in einer Buchungsmaske zu kombinieren und auch während der Buchung jederzeit die Stammdaten nicht nur mit Suchfunktionen schnell zu finden, sondern auch zu erweitern. Erstellung von Vorlagen für wiederkehrenden Buchungskombinationen z.B. „Gräserbekämpfung Getreide“ (Pflegeschlepper+Spritze+Mitarbeiter+Mittel 1+Mittel 2+AHL-Zusatz). Die Vorlage kann dann, evtl. sogar mit vorgegebener Standardaufwandmenge „in einem Rutsch“ für mehrere Schläge gebucht und später immer wieder verwendet werden.

6. Handy- und Tablet-App

Funktionelle, einfach bedienbare mobile App mit Zugriff auf durchgeführte Maßnahmen, Änderungsmöglichkeiten und effektive Auftrags- und/oder Buchungsoptionen (s. Pkt. 5). Evtl. sogar eine halbautomatische Buchung mit Schlagerkennung und Zeitaufzeichnung. GIS und evtl. weitere Hilfsmittel, wie u.a. Routenplaner zum Schlag, Kommunikationsmöglichkeiten, Infos zu Pflanzenschutzmaßnahmen während der Arbeit.

7. Grundauswertungen

Übersichtliche kompakte Schlagkarte mit Ausgabe aller wesentlichen Schlagdaten, Bodenuntersuchungen, Notizen, Saat- Düngungs-, Pflanzenschutzmaßnahmen und evtl. Maschinenarbeiten und AK, evtl. auch AKh und Teilflächenbehandlungen. Allen Mengen und – falls gewollt -Kosten. Komplette Düngebilanz mit Salden. Optional gestufte, fachlichen Standards folgende Deckungsbeitragsrechnung. Sinnvolle Listen mit Gesamtübersichten zu:

  • Benötigten und verbrauchten Betriebsmitteln
  • CC-konforme Liste zu Pflanzenschutzanwendungen
  • Gesamtdüngebilanz (Bedarf-gedüngte Nährstoffe=Saldo) für alle Reinnährstoffe
  • Liste mit gestufter DB-Rechnung für Schläge und Kulturen (Direktkostenfreier Marktleistung+ DB).

8. „Nice to have“

Erweiterungen, die optional auch im Standardbereich Sinn machen, aber noch nicht alle Hersteller anbieten können:

  • Zugriffsmöglickeit für externe User (z.B. Mitarbeiter, Berater, Lohnunternehmer, Abnehmer) mit gestuft definierbaren Zugriffsrechten
  • Erweiterungen des Kartensystems um rote Gebiete, Wasserschutzgebiete und Erosionsgebiete
  • Hilfen zu Pflanzenschutz- und Düngemaßnahmen, wie Helms Agrimentor, der schnell und aktuell u.a. Pflanzenschutzauflagen, erforderliche Gewässerabstände, Resistenzgefahren oder Infektionswahrscheinlichkeiten bei Pflanzenkrankheiten bietet.
  • Rechenhilfen, wie NEXT Farming LIVEs Saatgutmengenrechner oder der integrierte Pflanzenschutz-Tankmix-Rechner.

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Ackerflächen darstellen

Unter den Stammdaten finden Sie Ihre Schläge sowie die allgemeinen Betriebsdaten wie Mitarbeiter oder Maschinen. Außerdem listen Sie dort Ihre Betriebsmittel auf, die Sie im Ackerbau einsetzen, also Dünger, Saatgut und PSM.

Am Anfang richten Sie die Stammdaten einmal ein, danach müssen Sie diese nur noch gelegentlich aktualisieren. Den Dreh- und Angelpunkt Ihrer Arbeit bilden dabei die Flächen. Die Eingabe der Flächen gestaltet sich bei allen fünf Programmen einfach, da Sie die Daten z. B. aus Ihrem Flächenantrag importieren können.

Bei Plantivo schicken Sie die Daten direkt an den Service. Dieser fügt sie als kostenlose Dienstleistung, evtl. sogar zusätzlich noch mit Bodenprobendaten und Vorfrüchten in die Schlagkartei ein. Außer in Top Farmplan können Sie in den Programmen über integrierte Geoinformationssysteme (GIS) Ihre Schläge selbst einzeichnen, teilen oder zusammenlegen. Die Entwickler von Top Farmplan möchten diese Funktion bald nachrüsten.

Die GIS-Zeichenfunktionen sind in allen anderen Programmen recht komfortabel zu bedienen.

Bei Helm ist die Funktion zur Schlagteilung ganz am Ende der Schlagein­gaben etwas versteckt untergebracht. Auch Inseln wie Feldgehölze können Sie nicht einzeichnen. Bei Plantivo, 365 Farmnet und Next Farming live...

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