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Nässe auf den Feldern Stilllegung 2024 Güllesaison

topplus Trockenheit und Hitze während der Ernte

Ein Funke reicht zum Flächenbrand

Vegetationsbrandexperte Dr. Ulrich Cimolino im Gespräch mit top agrar darüber, wie Flächenbrände entstehen, warum sie immer öfter vorkommen und wie sich Feuerwehren und Landwirte wappnen können.

Lesezeit: 5 Minuten

Gut zu Wissen: Dieses Interview stammt aus dem Sommer 2022 und wurde zur Ernte 2023 erneut veröffentlicht.

Ist nach Ihrer Wahrnehmung die Gefahr von Vegetations- bzw. Flächenbränden in den letzten 5 bis 10 Jahren angestiegen?

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Dr. Ulrich Cimolino: Sehr trockene Jahre, auch zwei hintereinander, hat es schon immer gegeben. So war z.B. das Jahr 1947 sehr trocken, und der extrem große Brand in der Lüneburger Heide 1975 folgte einer Dürre, die damals 1975 und 1976 zu vielen Bränden führte.

Aber die Häufung, die wir gerade sehen – 2018, 2019, Anfang 2020 und 2022 – ist sehr ungewöhnlich. Das sind 3,5 Dürreperioden in einem Fünfjahreszeitraum! Die zunehmende Paarung von sehr trockenen Bedingungen und hohen Temperaturen, wie wir es aktuell erleben, verschärft die Situation deutlich.

Warum ist das so kritisch?

Cimolino:Damit ein Feuer entstehen kann, muss brennbares Material thermisch vorbereitet sein – denn es brennen ja die Brandgase, nicht das Material selbst. In der Sonne erreichen Oberflächen schnell Temperaturen von 50 bis 60° C, teils bis zu 80° C. Ein Feuer braucht also deutlich weniger Zündenergie. Der sprichwörtliche Funke reicht.

Besonders kritisch wird die Situation wie z.B. am Dienstag und Mittwoch dieser Woche in einigen Regionen Deutschlands: Hohe Temperaturen bis 40° C und zunehmender Wind von Anfangs Stärke 3 und abends in Böen bis 6. – solche Brände lassen sich dann nur sehr schwer bekämpfen.

Was sind die wichtigsten Auslöser von Flächenbränden?

Cimolino:Wenn viel brennbares Material auf den Feldern steht bzw. liegt und die Kühlung der Erntemaschinen am Limit arbeitet, wird es gefährlich. Steine in Schneidwerken können Funken reißen, Lager heiß laufen. Ich kann mir vorstellen, dass z.B. in Pressen an einigen Stellen durchaus Temperaturen von 100° C herrschen. Dazu kommt, dass sich mehr Staub bildet. Dieser dringt in Spalten ein und belastet Lager zusätzlich. Staub hat zudem eine hohe Oberfläche und zündet schneller durch.

Eine weitere, wichtige Ursache sind Auspuffanlagen einiger Pkw, die z.B. auf einen Stoppelacker fahren. Oder: Bei Veranstaltungen stellen Landwirte teils gemähte Wiesen als Parkplätze zur Verfügung. Ist es trocken und heiß, können auch dort Brände entstehen.

Und letztlich ist es Fahrlässigkeit, die Brände auslösen kann. So gehört die aus dem Fenster eines Pkws geworfene Kippe immer noch zu den gängigen Auslösern von Vegetationsbränden. Leider steigt der Menschenverstand nicht mit der Temperatur.

Was sind die besonderen Gefahren?

Cimolino:Landwirte und auch die Feuerwehren unterschätzen teils, wie schnell sich die Brände unter diesen Bedingungen ausbreiten können – vor allem wenn der Wind plötzlich auffrischt. Wie schnell die Feuerfront vorankommt, hängt von sehr vielen Faktoren ab: Wie trocken ist das Material, wie viel brennbares Material ist vorhanden, wie weit ist es durch Hitze bereits aufbereitet? Steigt das Gelände an und bläst der Wind dann noch aus der „richtigen“ Richtung, geht es rasend schnell. Manchmal sind die Flammen schneller, als man laufen kann. Wenn man dann den Brand von vorne – also von der Frontseite - angreift, wird es extrem gefährlich.

Es ist wichtig, eine plötzliche Ausbreitung bei der Bekämpfung immer einzukalkulieren. Abstand halten und niemals mit der Scheibenegge oder dem Grubber zu dicht am Feuersaum arbeiten! Fett und Ölreste können sich entzünden. Saugen die Motoren Brandrauch bzw. Luft mit viel C02 an, fehlt ihnen der Sauerstoff und sie gehen plötzlich aus. Hitze kann Druckluftleitungen beschädigen und der Federspeicherbremszylinder blockiert die Weiterfahrt.

Wie kann man sich vorbereiten?

Cimolino:Vor allem wenn die Feuerwehr einen längeren Anfahrtsweg hat, ist es sinnvoll, selbst Löschmittel vorzuhalten. Das können Schaumlöscher sein. Oder ein Wasserbehälter in der Fronthydraulik des Schleppers. Mit einer Pumpe, zwei D-Schläuchen und einem Strahlrohr kann man einem Entstehungsbrand an der Presse gut begegnen.

Es ist sinnvoll, dass sich die Feuerwehr auf Ortsebene vor der Saison bereits mit Landwirten, Lohnunternehmern, dem Bauhof usw. abstimmt. Das kann man gut bei einem gemeinsamen Termin z.B. im Frühjahr machen: Wer hat welche Möglichkeiten, Maschinen? Halten Landwirte oder Unternehmer in kritischen Zeiten Güllefässer mit Wasser vor? Steht ein Traktor mit einer Scheibenegge bereit, der sofort losfahren kann? Dazu gehört auch eine Liste mit den jeweiligen Handynummern.

Sind Feuerwehren vorbereitet?

Cimolino:Vor allem seit den Bränden in den Jahren 2018 und 2019 haben sich die Feuerwehren besser vorbereitet. Viele haben mittlerweile spezielle Schlauchsätze zum Bekämpfen von Vegetationsbränden – es geht darum, das knappe Wasser möglichst effizient zu nutzen. Und die Einsatzleiter sind gut beraten, schnell Landwirte zur Unterstützung zu rufen. Ich nehme wahr, dass sich hier mittlerweile viel getan hat und das gegenseitige Verständnis gewachsen ist.

Eine gute erste Informationsquelle zum richtigen Umgang mit Vegetationsbränden liefert die Fachempfehlung des Deutschen Feuerwehrverbands (DFV).

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