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Wenn der Feldroboter die langweiligen Arbeiten übernimmt

Wir haben einen Gemüsebaubetrieb in den Niederlanden besucht, der einen der ersten AgBots von AgXeed einsetzt. Wie das auf dem Feld funktioniert und Mitarbeiter entlastet, lesen Sie hier.

Lesezeit: 8 Minuten

Das sieht schon spannend aus: Auf einem winterlichen Feld in den Niederlanden zieht einsam ein Roboter mit einem 3 m breiten Tiefenlockerer seine schnurgeraden Bahnen. Am Vorgewende angekommen, hebt die Maschine aus, fährt einen Bogen und setzt das Gerät wieder ein. Seit gut zwei Stunden arbeitet der Traktor mutterseelenallein auf dem gut 3 ha großen Schlag. Nach insgesamt drei Stunden soll der Job erledigt sein, ohne dass ein Fahrer eingreifen muss.

Wir besuchen den Betrieb Peter van Osch Groenteproducties in Leunen in der Nähe von Venlo im Dezember. Der Betrieb baut in einem Umkreis von 15 km auf rund 500 ha Gemüse und etwa 100 ha Lilien für die Produktion von Blumenzwiebeln an. Von den 20 festen Mitarbeitern sind fünf bis sechs auf den Feldern aktiv. Dazu kommen in der Saison rund 120 Arbeitskräfte aus Polen und Rumänien. Die Saison im Gemüse läuft von März bis Anfang November, teils werden mehrere Ernten von einem Schlag eingebracht. Die Lilienernte findet im November und Dezember statt.

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Feldroboter seit Mitte 2022 im Einsatz

Van Osch gehört zu den ersten Kunden, die einen AgBot 5.115T2 vom niederländischen Hersteller AgXeed gekauft haben und seit Mitte 2022 voll im Betrieb einsetzen. Wir haben mit Stan Vievermans über die ersten Erfahrungen und über die Gründe für die Anschaffung der Maschine gesprochen.

Der AgBot arbeitet diesel-elektrisch. Der Deutz-Vierzylinder treibt mit seinen 156 PS einen Generator und die 85 l/min-Hydraulikpumpe an. Die elektrischen Radmotoren geben ihre Leistung an das Raupenlaufwerk ab, das AgXeed zusammen mit Zuidberg entwickelt hat.

Der Dieseltank fasst 350 l, das reicht nach Erfahrungen von Stan Vievermans je nach Arbeit bzw. Auslastung für bis zu 30 Stunden Einsatzzeit. Fronthydraulik, Heckkraftheber, Zapfwelle und Hydraulikanschlüsse sind wie beim Standardschlepper, so dass alle vorhandenen Geräte passen.

Dass der Betrieb sich für den Roboter entschieden hat – der damals 260.000 € und heute bereits zwischen 280.000 und 300.000 € kostet – hat verschiedene Gründe. Stan Vievermans zählt einige auf: „Wir haben viele Arbeiten, die lange dauern, aber keinen Spaß machen. Vor dem Setzen der kleinen Gemüsepflanzen bearbeiten wir den Boden beispielsweise in vier Arbeitsgängen sehr intensiv, und das möglichst direkt nacheinander an einem Tag. Den Start macht mit 4 km/h meistens der Tiefenlockerer, oft nachts. Ein guter Fahrer macht das nicht lange mit und bei einer ungeübten Saisonkraft stimmt die Arbeitsqualität oft nicht.“

Mittlerweile übernimmt der Roboter zusätzlich auch das Grubbern oder die Saat von Gründüngung. Aufgrund des Fahrermangels hatte der Betrieb zwischenzeitlich auf breitere 6 m-Geräte gesetzt. Allerdings passte deren Schlagkraft weniger gut zum Anbausystem und den überwiegend kleineren Flächen – die übrigens nahezu alle gepachtet sind. Aktuell arbeiten Roboter und nachfolgende Maschinen teils sogar parallel auf einem Schlag und sind viel besser aufeinander abgestimmt.

Durch das Raupenlaufwerk ist der Bodendruck geringer als beim Radschlepper. Deshalb kann man bei schwierigen Verhältnissen schon mal etwas eher aufs Feld. Bei unserem Besuch ist die Fläche noch nicht richtig abgetrocknet. Eigentlich hätte der Betrieb mit dem Bearbeiten noch etwas gewartet – wenn wir uns nicht angekündigt hätten. Doch die Spuren sind eher oberflächlich und der AgBot kommt gut voran.

Die Flächenleistung liegt hier bei rund 1 ha pro Stunde: „Die Maschine arbeitet gleichmäßiger als unsere Fahrer“, stellt Stan Vievermans heraus. „Dadurch sind unsere Dieselkosten pro Hektar letztendlich niedriger.“ Außerdem hat ein Fahrer seiner Erfahrung nach das Ziel, die Arbeit schnell zu erledigen, und das kostet meist mehr Diesel. Dem Roboter ist es egal, wenn er die ganze Nacht auf einem Feld verbringt. Deshalb wählt der Betriebsleiter Arbeitsgeschwindigkeiten des Roboters möglichst nach Verbrauch aus.

Weil der Betrieb großen Wert auf die Feldhygiene legt, reinigen die Gemüseanbauer die Anbaugeräte vor dem Einsatz auf der nächsten Fläche. Wenn Stan Vievermans oder einer seiner festen Mitarbeiter den AgBot selbst umsetzen, kümmern sie sich auch um die Reinigung. Bei Aushilfen, die mit dem Traktor nachts von Feld zu Feld fahren, sind sie sich nicht ganz sicher, ob das wirklich geschieht.

Vorplanung des Einsatzes am PC

Den Einsatz der Maschine plant der Betriebsleiter im Büro. Dafür braucht er zunächst die genauen Schlagkonturen, denn ständig kommen neue Flächen dazu und werden wieder zurückgegeben. Mit dem Geländewagen fahren Stan Vievermans und ein Kollege die Feldgrenzen mit einem GPS-Gerät ab, Stan steht dabei auf dem Trittbrett und führt das Messgerät genau über die Kontur. So können sie auch Besonderheiten wir Masten, Schächte oder Bäume aufnehmen.

Das „Gehirn“ des Roboters ist ein Cloud-basiertes Planungsprogramm. Sobald hier die Schlagdaten hinterlegt sind, kann Stan Vievermans den Einsatz der Maschine anlegen. Dazu wählt er aus den Stammdaten das gewünschte Anbaugerät mit der Arbeitsbreite aus. Anschließend berechnet das Programm die optimale Spurführung und die Lage der Vorgewende. Bei unserem Testbesuch dauerte das für den 3 ha Schlag gerade mal wenige Minuten.

Aber auch komplexere Anwendungen laufen über das sogenannte Dashboard. Der Betrieb plant bspw. die Anlage der Beete fürs Gemüse oder die Lilien ebenfalls hier und passt dazu die Gassen für die 21 Beregnungsmaschinen an. Das Ergebnis der Planung überzeugt und rechnet sich. Denn vor allem in den mehrjährigen Lilien würden sich Fehler langfristig auswirken.

Der Auftrag gelangt drahtlos über die Cloud zum AgBot. Auf dem Schlag muss der Bediener den Roboter einmal mit der Fernbedienung zu einem hinterlegten Startpunkt fahren und die Starttaste drücken – los gehts.

Datenspeicher in der Cloud

Während der Arbeit sendet die Maschine jede Sekunde Datenpakete mit Can-Bus-Informationen an den Cloudserver, also Drehzahlen, Füllstände und Temperaturen, aber auch aktuelle Auslastung oder Drehmomente in den Antrieben. Später können diese Daten ausgewertet und gegebenenfalls für neue Anwendungen genutzt werden, zum Beispiel zum positionsabhängigen Steuern der Arbeitstiefe. Ist ein Isobus-Gerät angebaut, landen auch dessen Daten per Telemetrie auf dem Server. Stan Vievermans kann sich den Arbeitsstatus jederzeit auf seinem Smartphone anzeigen lassen.

Der AgBot ist mit einem RTK-Navigationssystem ausgestattet, das die aktuelle Position sicher und genau erfasst. Dass die Maschine immer auf dem Feld bleibt – passiere, was wolle – ist Grundvoraussetzung für den Einsatz ohne Fahrer. Ein grüner 360°-LED-Balken zeigt an, dass der Roboter auf dem richtigen Acker ist. Sobald er arbeitet, läuft zusätzlich ein gelbes Warnlicht durch den Balken.

Ein Lidar, ein optisches System, das ähnlich wie ein Radar funktioniert, sorgt für Sicherheit. Es blickt bis zu 30 m voraus und spannt eine Art dreidimensionale Kuppel rund um den AgBot – das hat zum Beispiel unsere Kameradrohne bei unserem Termin verwirrt.

Sobald das Lidar ein Hindernis erkennt, reduziert der AgBot die Geschwindigkeit und warnt akustisch. Entfernt sich das Hindernis nicht, bleibt der Roboter stehen – er kann nicht aktiv ausweichen. Das Lidar tastet übrigens auch den Bereich oberhalb des Fahrzeugs ab. Hier kann es schon mal zum Sicherheitsstopp kommen, wenn die Äste von Randbäumen zu tief hängen.

Wenn die Maschine steht, erhält Stan Vievermans eine Meldung aufs Handy. Er kann sich in die Maschine einloggen und über die Kameras auf dem AgBot die Umgebung checken. Sollte kein Hindernis mehr vorhanden sein, kann der Betriebsleiter den Roboter wieder in Marsch setzen, ohne vor Ort zu sein.

Bei unserem Besuch hatte sich zwischenzeitlich etwas Boden in der Stab-Packerwalze des Tiefenlockerers aufgebaut. Das ist sicher ein Problem, wenn niemand in der Nähe ist. Philipp Kamps vom Hersteller AgXeed sagt, dass der Roboter zunächst vor allem bei wenig störanfälligen Arbeiten auf unkomplizierten Böden seinen Schwerpunkt haben wird. Gleichzeitig arbeiten die Entwickler mit Kooperationspartnern wie Amazone daran, Störungen zu erkennen und, wenn möglich, gegenzusteuern.

Umsetzen des Feldroboters mit dem Tieflader

Zum Umsetzen des Roboters nutzt der Betrieb einen Tieflader. Das Verladen dauert nur wenige Minuten, sagt Stan Vievermans: „Wir haben die Ketten passend auf dem Anhänger und können Sie einfach spannen.“

Für den Betriebsleiter lohnt sich der Aufwand, wenn der Roboter mindestens drei Stunden auf einer Fläche Arbeit hat. Dann können sich Vievermans oder die Tiefladerfahrer zwischenzeitlich z.B. um die Beregnungsanlagen kümmern. Die bisherigen Kunden nutzen nach Erfahrungen von Phillip Kamps den Roboter entweder auf kleineren Flächen bei sehr intensiver Arbeit oder auf großen Schlägen. Wenig sinnvoll ist der Einsatz mit größeren Arbeitsbreiten bzw. mit höherer Geschwindigkeit auf kleineren Feldern.

Für Stan Vievermans bringt der Roboter deutlich Entlastung: „Immer weniger Fahrer sind bereit, auch länger zu arbeiten. Das ist besonders ungünstig bei Feldern, die weiter weg liegen und nicht in der Regelarbeitszeit fertig werden. Der AgBot hat damit kein Problem. Wenn keine Störung auftritt, ruft er mich erst an, wenn die Fläche fertig ist.“

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