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Artenschutz in der Agrarlandschaft braucht ökonomische Anreize

Die Chancen für zusätzliche Fördergelder für den Artenschutz stehen schlecht. BMEL-Staatssekretärin Bender setzt auf eine stärkere Finanzierung aus der EU-Agrarpolitik GAP. Landwirte sind enttäuscht.

Lesezeit: 5 Minuten

Artenschutz lässt sich erfolgreich in der landwirtschaftlichen Praxis umsetzen, allerdings sind die Fördertöpfe für derartige Maßnahmen nicht unerschöpflich. Das ist auf dem zweiten Symposium des Dialog- und Demonstrationsprojektes F.R.A.N.Z. deutlich geworden, bei dem gestern die Ergebnisse und Erfahrungen aus den ersten sechs Projektjahren diskutiert wurden.

Bender: Vorhandenes Geld besser verteilen

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Die Staatssekretärin im Bundeslandwirtschaftsministerium, Silvia Bender, bekräftigte den politischen Willen der Bundesregierung, Artenschutz im Agrarbereich zu fördern: „Wenn wir Veränderungen in der Landwirtschaft wollen, braucht es öffentliche Unterstützung.“ Die finanziellen Mittel seien aber begrenzt, so dass es darauf ankommt, das vorhandene Geld besser zu verteilen, so Bender.

Dabei denkt sie vor allem an die Förderinstrumente der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP). Deren Mittel müssten in Zukunft noch stärker an Gemeinwohlleistungen für Klima-, Arten- und Naturschutz gekoppelt werden, auch um den Topf von rund 5 Mrd € pro Jahr auch in Zukunft rechtfertigen zu können, erläuterte die Grünen-Politikerin. Darüber hinaus plädiert sie für die stärkere „Internalisierung externer Kosten“, also die Einbeziehung von Kosten, die Agrarproduktion an anderer Stelle wie dem Ökosystem verursacht. Die hier eingenommenen Gelder könnten laut Bender ebenfalls zur Finanzierung von Umweltmaßnahmen eingesetzt werden.

Gemballa: GAP nicht das richtige Instrument für Artenschutz

Hier sind nach ihrer Einschätzung aber noch „dicke Bretter“ zu bohren, weshalb für die Staatssekretärin die GAP vorerst die Hauptquelle für „zielgerichtet ausgegebene“ Fördergelder im Artenschutz bleibt. Der Landwirt und F.R.A.N.Z.-Projektteilnehmer Marco Gemballa hat dafür wenig Verständnis. Er hält die aktuellen Eco-Schemes und die GAP nicht für geeignet, um den Artenrückgang in der Agrarlandschaft zu stoppen. Nicht nachvollziehen kann er zudem Bender Argument der begrenzten Mittel. Wenn etwa für LNG-Terminals kurzfristig viel Geld freigemacht werden kann, müssen das aus Gemballas Sicht auch für den Artenschutz „die richtigen Prioritäten“ gesetzt werden.

Der Landwirt geht davon aus, dass für effektiven Artenschutz auf rund 1 Mio ha Ackerland mit Maßnahmen durchgeführt werden müssen, die zwischen 300 und teils über 600 €/ha liegen. Insgesamt bräuchte es bundesweit gerade 1 Mrd €, so Gemballa. Prof. Christoph Leuschner von der Georg-August-Universität Göttingen setzt den Finanzbedarf für Deutschland mit bis zu 2,5 Mrd € zwar höher an, schlägt aber in die gleiche Kerbe. Nach seiner Überzeugung kann eine „Biodiversitätswende“ in der Agrarlandschaft nicht über Auflagen und Verbote, sondern nur über die Ökonomie erreicht werden.

Auch NABU-Vizepräsident Christian Unselt ist skeptisch, ob die GAP das richtige Werkzeug für mehr Artenschutz in der Landwirtschaft ist. Er findet es legitim, wenn Landwirte als Unternehmer mit Biodiversitätsmaßnahmen Geld verdienen wollen. Das funktioniere aber nicht, wenn oft nur die Aufwendungen ersetzt werden.

Hartelt: Förderprogramme flexibilisieren

Nach Einschätzung des Präsidenten vom Bauern- und Winzerverband Rheinland-Pfalz Süd, Eberhard Hartelt, gibt es in der Förderung von Artenschutzmaßnahmen aber nicht nur eine Finanzierungslücke, sondern auch ein zu starres Korsett bei den Maßnahmen. Er plädiert für eine deutliche Flexibilisierung solcher Programme, damit die Anforderungen und damit auch die Wirksamkeit der Maßnahmen konkret auf die regionalen und betriebsindividuellen Bedingungen zugeschnitten werden können.

„Um nun die Übertragung der F.R.A.N.Z.-Maßnahmen voranzutreiben, braucht es vor allem praxisnahe Förderauflagen und einen guten Austausch zwischen Behörden und Betrieben“, verdeutlichte Hartelt. Zusätzlich ist auch für ihn die entsprechende Bezahlung der erbrachten Leistungen entscheidend, um die Akzeptanz auf Seiten der Landwirtschaft zu fördern.

Politik offen für niederländisches Modell

Hier könnte das niederländische Modell für einen kooperativen Natur- und Artenschutz Vorbild sein. Tatsächlich zeigten sich Bender wie auch die Präsidentin des Bundesamtes für Naturschutz, Sabine Riewenherm, offen für eine breite Umsetzung dieses Modells. Laut Bender – nach eigenen Worten ein „großer Fan des niederländischen Modells“ bietet dies beispielsweise die sinnvolle Möglichkeit, Fördergelder in einem Maßnahmenkomplex dorthin zu verlagern, wo sie die größte Wirkung entfalten.

Das von der der Umweltstiftung Michael Otto und dem Deutschen Bauernverband getragene Projekt „Für Ressourcen, Agrarwirtschaft & Naturschutz mit Zukunft - F.R.A.N.Z.“ hat das Ziel, zusammen mit Forschung und Praxis Maßnahmen zum Erhalt und zur Steigerung der Artenvielfalt in der Agrarlandschaft zu erproben. Das Vorhaben wird von der Landwirtschaftlichen Rentenbank im Rahmen ihres Programms „Forschung für Innovation in der Agrarwirtschaft“ (Innovationsfonds) gefördert. Im Fokus des Projekts steht sowohl der ökologische Mehrwert der Maßnahmen als auch die Vereinbarkeit mit betrieblichen Abläufen und der wirtschaftlichen Situation der Betriebe. Entscheidend ist auch die Übertragbarkeit der Maßnahmen auf andere landwirtschaftliche Betriebe bundesweit. Neben der Maßnahmenkonzeption ist geplant, Hemmnisse im bestehenden Förder- und Ordnungsrecht zu identifizieren, die Landwirte bisher von der Umsetzung von Naturschutzmaßnahmen abgehalten haben. Die Ergebnisse aus der Maßnahmenumsetzung sollen in die Weiterentwicklung der Agrar- und Umweltpolitik einfließen.

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