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Bodenbearbeitung vor Raps: Gute Wurzeln, mehr Ertrag

Schwankende Erträge liegen oft an einer falsch durchgeführten Bodenbearbeitung. Unser Experte erklärt, wie Sie Fehler identifizieren können und gibt Tipps zu Bearbeitungsverfahren.

Lesezeit: 7 Minuten

Ein Fachbeitrag von Dr. Marco Schneider vom Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen

SCHNELL GELESEN
Fehler bei der Bodenbearbeitung quittiert Raps direkt mit niedrigeren Erträgen.
Achten Sie bei der Ernte der Vorfrucht auf kurze Stoppeln und eine optimale Häckselqualität des Strohs – nur dann lassen sich die Erntereste gut einarbeiten.
Besteht Erosionsgefahr , ist es wichtig, 30 bis 50 % Bodenbedeckung durch Mulch zu gewährleisten.
Die Wurzeln der Rapspflanzen verraten, ob der Boden ausreichend gelockert wurde oder nicht.
Mulchsaatverfahren mit einer vorherigen intensiven Lockerung scheinen auch in puncto Luftkapazität im Boden gut zu funktionieren – das zeigen Versuche.

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Bei keiner anderen Marktfrucht ist eine gesicherte Herbstentwicklung so wichtig wie beim Raps. Schwache Rapspflanzen haben grundsätzlich ein niedrigeres Ertragspotenzial. Zusätzlich überdauern sie den Winter schlechter. Das heißt: Legen Sie viel Wert auf eine angepasste Boden­bearbeitung, um dem Raps einen guten Start zu ermöglichen.

Optimale Bodenbearbeitung beginnt beim Strohmanagement

Eine optimale Bodenbearbeitung fängt bereits mit dem Strohmanagement der Vorfrucht an (wenn das Stroh nicht abgefahren wird). Wichtig ist, dass rund 70 % des Strohs nach dem Häckseln nicht länger als 4 cm sind. Bei gleichzeitig kurzer Stoppel ist dann weit weniger Volumen an Ernteresten vorhanden. Bei schlechter Häckselqualität und langer Stoppel hingegen verdoppelt sich das Volumen. Die Folge: Die langen Stoppeln und die intakten, nicht zersplissenen Strohhalme lassen sich wesentlich schlechter einarbeiten. Als Faustzahl gilt: Wechseln Sie die Häckslermesser spätestens alle 200 ha.

Überprüfen Sie auch die Stroh- und Spreuverteilung am Mähdrescher. Denn bei Stroherträgen von 80 bis 90 dt/ha sind in den Überlappungsbereichen 160 bis 180 dt/ha Stroh zu finden. In diesen Bereichen bringt die beste Sätechnik nicht den gewünschten Feldaufgang.

Welche Ansprüche hat Raps?

Mit tieferen Bodenbearbeitungsmaßnahmen sollte das Stroh dann eingemischt und die Krume dabei ausreichend gelockert werden. Zu berücksichtigen ist, dass sich Raps nur in einer gut durchlüfteten Krume zügig entwickelt. Generell entsteht ein hoher Anteil an luftführenden Poren durch eine intensiv mischende Bodenbearbeitung auch mit dem Pflug und durch eine hohe Regenwurmaktivität.

Zusätzlich mobilisiert eine intensive Bearbeitung auch Nährstoffe. Das ist vor allem bei Raps von Bedeutung, da die Bestände schon im Herbst einen hohen Nährstoffbedarf haben. Im Zuge weiterer Verschärfungen der Düngeverordnung wird dieser Aspekt in Zukunft noch wichtiger.

Für einen zügigen und gleichmäßigen Feldaufgang ist es dann noch entscheidend, dass das kleinkörnige Rapssaatgut ausreichend Kontakt mit dem Boden hat. Daher darf der Saathorizont nicht zu grob sein. Bei sehr trockenen Bedingungen ist es sinnvoll, die Saat anzuwalzen.

Tipps für Erosionsgefährdete Flächen

Ohne Zweifel sind die Bemühungen der Landwirte zur Steigerung der Ertragsfähigkeit der Böden nicht in Abrede zu stellen. In den vergangenen Jahrzehnten wurde mit der Erhöhung der Grundnährstoff- und Humusgehalte ein langwieriger, bodenverbessernder Prozess eingeleitet. Viele Standorte haben heute ein höheres Ertragspotenzial als noch vor 50 Jahren – zu dieser Entwicklung hat nicht zuletzt auch der Pflug mit seiner wendenden Bearbeitung beigetragen.

Problematisch ist nach der Pflug­arbeit allerdings die fehlende Bodenbe­deckung, die Wind- und Wassererosion begünstigt. Dass beim Pflugsystem rund 45 % der Niederschläge der Gefahr des Oberflächenabflusses unterliegen, zeigt Übersicht 1.

Verstärkt wird diese Gefahr noch durch bewirtschaftungs­bedingte Bodenverdichtungen. Treten Erosionsereignisse auf, gelangen mit dem Boden auch nennenswerte Mengen an Pflanzenschutzmitteln und Nährstoffen in die Oberflächengewässer.

Hinweis: Eine Bodenbedeckung über 70 % würde Erosion zwar fast voll­ständig verhindern können. In solchen Direktsaatsystemen führen die hohen Stroh- oder Zwischenfruchtmengen aber unter Umständen zu pflanzenbaulichen Problemen bei der Saatgutein­bettung und beim Feldaufgang des Rapses. Auf stärker erosionsgefähr­deten Flächen empfiehlt es sich daher, eine Bodenbedeckung von 30 bis 50 % zu gewährleisten. Auf weniger gefährdeten Flächen kann dagegen eine krumentiefe Vermischung der organischen Reste mit dem Boden in Mulchsaat­systemen erfolgen.

Was tun bei Wetterextremen?

Wegen jahresbedingter Wetterextreme musste man in den letzten Jahren immer öfter von bewährten Bearbeitungsstrategien zu Raps abweichen. Oft war es zu nass oder zu trocken. Jedes Ex­trem erfordert Anpassungen.

Empfehlung: In  sommertrockenen Jahren  hat sich die Bearbeitungsstrategie „flach-fein-fest“ bewährt.

Tiefere Lockerungsmaßnahmen oder der Pflugeinsatz sind bei Trockenheit verfahrenstechnisch sehr teuer und verbrauchen auch zu viel Wasser. Oft lassen sich zudem die dabei entstehenden Kluten kaum mehr zerkleinern. Zum Vergleich: Das nachfolgende Foto zeigt eine flache Bearbeitung bei ausgetrockne­tem Boden mit einer Kurzscheibenegge und anschließender Rückverfestigung.

Dieses Foto zeigt dagegen einen Pflugeinsatz und eine anschließende zweimalige Bearbeitung mit einer Kreiselegge auf ­derselben Fläche. Der Pflugeinsatz führt bei Trockenheit demnach zu einem deutlich schlechteren Ergebnis.

Unter  feuchten Bedingungen  zur Rapssaat sorgt hingegen eine intensivere Bodenbearbeitung mit Grubber oder Pflug für einen höheren Anteil luftführender Grobporen. Es gilt: Was in Trockenjahren als Nachteil zu sehen ist, führt unter feuchten Aussaatbedingungen zu einer schnelleren Abtrocknung.

Was die Rapswurzeln verraten

Die Art der Bodenbearbeitung wirkt sich auch auf die Architektur der Wurzeln aus. Generell ermöglicht die ­wendende Bearbeitung mit dem Pflug plus angepasster Rückverfestigung dem Raps, die Wurzel gleichmäßig auszu­bilden. Das klassische Wurzelbild des Rapses, das an einen Rettich erinnert, entspricht dem Idealfall. Das die viel diskutierte Streifenlockerung Strip Till eine mindestens ebenso gut entwickelte Wurzel bewirkt, zeigt das nachfolgende Foto.

Mit der pfluglosen Bodenbearbeitung verändert sich dann das Wurzelbild. Bei einer Mulchsaat mit krumentiefer Lockerung neigt die Rapswurzel zu einer verstärkten Seitenwurzelbildung (nachfolgendes Foto.

Grundsätzlich gilt folgende Beratungsempfehlung: Wenn die Seitenwurzeln nicht länger sind als die Hauptwurzel, sind keine negativen Auswirkungen zu erwarten. Durch die verbesserte Regenwurmaktivität bei langjährig pflugloser Bestellung ist auf Mulchsaatflächen oft eine bessere Durchwurzelung im Unterboden nachzuweisen.

Wird auf eine tiefere Lockerung verzichtet und erfolgt nur eine einmalige Stoppelbearbeitung, entwickelt die Rapswurzel noch mehr horizontal verlaufende Seitenwurzeln. Das nachfolgende Foto zeigt z. B. eine Rapswurzel, die nach einer einmaligen 5 cm tiefen Bearbeitung mit der Kurzscheibenegge kaum noch eine Pfahlwurzel erkennen lässt.

Versuche zur Luftkapazität geben Aufschluss

Inwieweit sich die unterschiedlichen Bodenbearbeitungsverfahren bzw. Wurzelarchitekturen auf die Luftkapazität des Bodens auswirken, wurde in einem Versuch auf einem Buntsandsteinverwitterungsboden geprüft. Generell beschreibt die Luftkapazität den Anteil luftführender Poren. Der Anteil an Grobporen ist bei Raps ein besonders wichtiges Merkmal, da die Kultur einen hohen Anspruch an den Gasaustausch stellt. Als kritischer Schwellenwert gelten 5 Vol.-% bei der Luftkapazität.

Der Versuchsstandort ist mit 7 % Ton, 28 % Schluff und 65 % Sand als leicht anzusprechen. Neben der Vergleichsvariante Pflug wurde eine Mulchsaat mit intensiver Lockerung auf 18 bis 20 cm, eine Mulchsaat mit einmaliger Bearbeitung auf 5 cm und das Streifenlockerungsverfahren Strip Till getestet. In der Strip Till-Variante wurde die Probenahme dreigeteilt. Neben einer Beprobung im Lockerungs­bereich wurde auch die unmittelbar ­angrenzende Zone und der Festbodenbereich zwischen den Lockerungsreihen untersucht.

Die Ergebnisse: In den intensiv ge­lockerten Bodenbereichen ließen sich höhere Luftkapazitäten messen (siehe Übersicht 2).

Während es bei einer Pflugfurche sogar zu einer Überlockerung der Krume kam, erreichte die Mulchsaat mit intensiver Lockerung nicht nur die stabilsten Werte in der Krume, sondern ebenso im Übergang zum Unterboden.

Als grenzwertig erwies sich die einmalig flach mischende Bearbeitung mit der Kurzscheibenegge. In diesem Fall lag der Wert im Bereich der Schadenschwelle. Auf der flach bearbeiteten Fläche wurden auch regelmäßig die schlechtesten Wurzeln ausgegraben.

Die Messungen auf der Streifenlockerungsfläche (Strip Till) belegen dagegen pflugähnliche Verhältnisse – zumindest direkt im Lockerungsbereich. Unterhalb des Lockerungszinkens ließ eine Bearbeitungssohle die Luftkapazität allerdings schnell sinken. Im Festbodenbereich zwischen den gelockerten Reihen kehren sich die Verhältnisse um. So war die Luftkapazität in den obersten 10 cm messbar niedriger.

Schlussfolgerung

Ein sorgfältiges Erntemanagement und situationsbedingt angepasste Boden­bearbeitungsmaßnahmen sind die Basis für kräftige Wurzeln. Mit dem Ver­fahren der Streifenlockerung Strip Till lassen sich gute Voraussetzungen für ein gutes Wurzelwachstum schaffen.

Ab wann eine Rapswurzel als kritisch einzustufen ist, lässt sich beim Vergleich der Wurzelbilder mit bodenphysika­lischen Messungen ableiten. Kommt es bei Raps zu einer verstärkten Seitenwurzelbildung, so sind auch kritische Werte z.B. bei der Luftkapazität feststellbar. In solchen Fällen ist es wichtig, die Bearbeitungstechnik, die -tiefe oder auch den -zeitpunkt zu überdenken. Eine sichere Etablierung guter Raps­bestände scheint in Mulchsaatverfahren mit einer intensiveren Lockerung gut möglich zu sein.

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