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topplus Multitalent Raps

Rapsanbau: Wie Landwirte mit einer weiten Fruchtfolge mehr Ertrag erwirtschaften

Nährstofflieferant für die Folgefrucht, Bodenverbesserer und Humusbildner – in der Fruchtfolge ist Raps ein echtes Multitalent. Allerdings nur mit dem ausreichenden Anbauabstand.

Lesezeit: 6 Minuten

Ein Fachbeitrag vonUte Kropf (Fachhochschule Kiel) ­und Hansgeorg Schönberger (N. U. Agrar GmbH)

SCHNELL GELESEN
In der Fruchtfolge ist Raps ein Gewinn , vor allem für die Folgefrucht.
Begrenzende Faktoren in der Fruchtfolge sind Krankheiten wie Verticillium, Kohl­hernie und Sklerotinia, die sich zudem in vielen anderen Kulturen vermehren.
Ideal sind 5- bis 6-jährige Fruchtfolgen, mit maximal 20 % Raps und 20 % Sommerungen.
Weite Fruchtfolgen bzw. geringere Anbaudichten senken das Schädlingsrisiko.

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Als Winterblattfrucht lockert Raps enge Getreidefruchtfolgen auf und vermindert den Stickstoffaustrag. Zusätzlich kann die Ölfrucht dank der bis zu 2 m tiefen Wurzel vor allem in gründigen Böden Nährstoffe in tieferen Schichten nutzen – und sich dort auch am Wasser bedienen, sollte im Frühjahr Regen ausbleiben. Für die Fruchtfolge ist die Kultur ein echter Gewinn. So hinterlässt der Kreuzblütler neben einer guten Bodenstruktur auch Nährstoffe für die Folgefrucht (siehe Übersicht 1).

Neben Kalium und Calcium gilt das verstärkt für die Spu­rennährstoffe Bor und Molybdän. Da­rüber hinaus wirkt Raps auf die Bo­denfruchtbarkeit humusmehrend, wenn das Stroh auf dem Feld bleibt und die Intensität der nachfolgenden Bodenbearbeitung angepasst (reduziert) wird.

Neben diesen Vorteilen ist ein Nachteil nicht zu bestreiten: Raps ist nicht selbstverträglich. Somit stand er in den letzten Jahren häufig zu eng in der Fruchtfolge, was sich an Krankheitsproblemen mit Kohlhernie oder Sklero­tinia zeigte. In den letzten 50 Jahren bestimmten reine Mähdruschfruchtfolgen das Bild des Ackerbaus in Nord- und Nordostdeutschland, aber auch in den klimatisch ungünstigeren Höhenlagen im Süden: Auf rund der Hälfte der ­Fläche stand die enge Fruchtfolge Raps – Wintergetreide­ – Wintergetreide. Oft folgte sogar Winter­getreide zum dritten Mal. In Süd- und Westdeutschland wurde die reine Winterungsfolge hingegen meist durch Mais oder Rüben unterbrochen.

Welchen enormen Effekte Raps in der Fruchtfolge hat

Nimmt man die Landessortenversuche im Norden, Nord­osten und Süddeutschland unter die Lupe, dann lagen die Rapserträge vor allem im Süden in den letzten Jahren deutlich über den ­Erträgen im Norden und Osten. Der Unterschied in der Ertragsentwicklung ist insbesondere in der engeren Fruchtfolge mit 3-jährigem Rapsanbau im Nordosten zu suchen. Im Süden wurde Raps alle 4 bis 5 Jahre angebaut.

Schon in einer 4-jährigen Fruchtfolge bringt Winterraps im Vergleich zu einer 3-jährigen um 4 bis 7 % höhere Erträ­ge. Das zeigen die Schlagkarteiauswertungen der N. U. Agrar GmbH. Bei einer 4-jäh­rigen Anbaupause, also 5-jährigem Rapsanbau, ist gegenüber dem 3-jährigen Raps sogar mit einem Mehrertrag in Höhe von 8 bis 15 % zu rechnen.

Wurde Raps allerdings über einen langen Zeitraum von 20 Jahren alle drei Jahre angebaut, war der Ertrags­zuwachs durch die Umstellung von ­3- auf 4-jährigen Rapsanbau gering: Der Mehrertrag lag bei 2 %. Auch die Umstellung auf 5-jährigen Rapsanbau wirkte sich mit einem Ertragsplus von 4 % kurzfristig nicht so stark aus, wie erhofft. Erst nach einer 5- bis 6-jährigen Anbaupause war ein deutlicher ­Ertragsanstieg beim Winterraps um 12 bis 18 % zu beobachten. 

Raps: Mehr Abstand in der Fruchtfolge reduziert ­Krankheiten

Der Grund für die geringeren Erträge bei enger Rapsfolge sind Fruchtfolgekrankheiten. Als windbürtiger Erreger profitiert die Wurzelhals- und Stängelfäule (Phoma lingam) von der Anbaudichte in der Region. Die wichtigsten bodenbürtigen Erreger im Raps sind Kohlhernie (Plasmodiophora brassicae), Rapswelke (Verticillium longisporum) und Weißstängeligkeit (Sclerotinia sclerotiorum).

Kohlhernie und Verticillium können im Boden viele Jahre überdauern und sich an kreuzblütigen Unkräutern und Zwischenfrüchten (z.B. Ackersenf, Hirtentäschel, Hederich, Rauken) vermehren.

Wirtspflanzen für Verticillium und Sklerotinia sind andere kreuzblütige Arten (Senf, Ölrettich) und dikotyle Ackerkulturen (siehe Übersicht 2) – darunter auch Sonnenblumen. Daher ist vor allem Verticillium fast auf jedem Standort anzutreffen. Anfällig für ­Sklerotinia sind Korbblütler wie Sonnenblume, Ramtillkraut, Ringelblume sowie Leguminosen. Askosporen von Sklero­tinia können aber auch über weite Strecken zufliegen.

Flächen, auf denen über 30 Jahre kein Raps stand, können deshalb bereits beim erstma­ligen Anbau trotzdem mit Verticillium oder Sklerotinia verseucht sein. Das heißt: Um Fruchtfolgekrankheiten im Raps unter einer kritischen Befallsschwelle zu halten, reicht eine 3-jährige Anbaupause bei 00-Sorten nach heutigen Erkenntnissen nicht mehr aus. Auch eine Anbaupause von vier Jahren reicht nicht, um einen vorhandenen, massiven Besatz mit Kohlhernie oder Verticillium signifikant ­einzudämmen – dabei spielt auch Ausfallraps eine entscheidende Rolle.

Wer in den letzten zwölf Jahren viermal Raps auf der gleichen Fläche bestellt hat, dem ist kurzfristig eine ­Umstellung auf einen wenigstens 4-jährigen, besser 5-jährigen Rapsanbau dringend angeraten. Doch erst nach einer Anbaupause von sechs Jahren verringert sich in der Praxis der Besatz mit Kohlhernie oder Verticillium spürbar – gleichzeitig steigt dann der Rapsertrag deutlich. Um Verticillium einzudämmen, sind sogar acht Jahre notwendig.

Stehen Sonnenblumen anstelle des Rapses, gilt dieser Abstand ebenfalls. Denn sonst schaukeln sich Verticillium oder Sklerotinia auf. Wichtig ist auch, bei Zwischenfruchtmischungen wachsam zu sein, denn diese enthalten oft Senf, Ölrettich oder Meliorationsrettich. Im Raps- und Kohlanbau sind diese Mischungen tabu.

Um einen stark belasteten Schlag zu sanieren, ist deshalb ein langer Atem nötig – mit einer zweimaligen Anbaupause von sechs Jahren. Aber selbst dann ist noch nicht von einem vollständig sanierten Boden zu sprechen.

Welcher Fruchtfolgeanteil für Raps sinnvoll ist

Sinnvoll ist eine 5-jährige Rapsfruchtfolge. Anteilig stehen dann 20 % Raps und 20 bis 40 % Sommerungen in der Fruchtfolge. Ob Getreide dann zu 60 oder zu 40 % in der Fruchtfolge steht, hängt von der Marktlage ab. Wichtig ist, eine möglichst frühräumende Vorfrucht zu wählen, damit ausreichend Zeit bis zur Rapssaat bleibt.

Die eingeplante Sommerung muss nicht aus einer Kultur bestehen. Aus Gründen des Risikoausgleichs können zwei oder selbst drei Arten als Som­merung angebaut werden, die dann rotieren. Ackerbohnen, Hafer, Mais oder Öllein stehen dann nur alle 10 oder 15 Jahre auf derselben Fläche (siehe Übersicht 3).

Die Folge Getreide – Getreide steht in dieser Fruchtfolge aus phytosanitären Gründen besser nach der Sommerung als nach Raps. Die 5-jährige Fruchtfolge mit Raps – Getreide – Sommerung – Getreide – Getrei­­de bietet sich als Mähdruschfolge für alle Standorte an.

Auch 6-jährige Fruchtfolgen eignen sich für Druschbetriebe, wie Übersicht 4 zeigt.

Dabei gilt grundsätzlich: Wer massive Probleme mit Ackerfuchsschwanz hat, sollte vor dem Winterraps besser Sommer- statt Wintergetreide anbauen.

Vorteil: Weniger Schädlinge durch geringe Anbaudichte

Da durch die weiten Fruchtfolgen weniger Rapsschläge mit vorjährigen Rapsflächen benachbart sind, sollte neben dem Krankheits- auch das Schädlings­risiko geringer werden. Nachbarschaftsverhältnisse spielen bei der Ausbreitung von Schädlingen eine wesentliche Rolle. Rapserdfloh, Kohlschotenmücke, Rübenderbrüssler oder Getreidelaufkäfer wandern von Nachbarschlägen aus in den aktuellen Raps ein.

Sinnvoll ist es, angesichts der prekären Situation bei den Insektiziden, den Rapsanbau auf Gewanne zu konzentrieren, die einen Abstand von wenigstens 1 km zu den nächstjährigen Rapsflächen haben. Der weite Abstand ist übrigens ein Vorteil der großen Schläge im Osten.

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