Umfrage

Erschwerter Anbau von Sonderkulturen in Schutzgebieten

Das Aktionsprogramm Insektenschutz erschwert den Anbau von Spargel und Beeren in Schutzgebieten. So lautet eines der Ergebnisse der Umfrage des Netzwerks der Spargel- und Beerenverbände.

„Letztlich werden Sonderkulturbetriebe wie wir, die sehr viel für Insektenschutz tun, davon abgehalten, weiter zu wirtschaften“, beschreibt ein anonymer Spargel- und Beerenproduzent in einer Umfrage, wie sich das Aktionsprogramm Insektenschutz auswirken könnte. Zu der Umfrage vom 2. bis 8. Dezember 2020 hatte das Netzwerk der Spargel- und Beerenverbände aufgerufen. Teilgenommen haben 100 von den rund 1.000 angeschriebenen Sonderkultur-Betrieben.

Die Betriebe sollten u.a. angeben, wie viel ihrer Fläche in Schutzgebieten liegen (Naturschutzgebiete, FFH-Gebiete, Vogelschutzgebiete und gesetzlich geschützte Biotope). Zudem wurde erfragt, wie sich das drohende Verbot von Pflanzenschutzmitteln auswirken würde.

Umfrageergebnis: geplantes Insektenschutzgesetzt bedroht Sonderkulturanbau Schutzgebieten

Die betroffenen Spargelbetriebe, die an der Umfrage teilnahmen, haben im Mittel 39% ihrer Anbauflächen in Schutzgebieten. Insgesamt 50% der Erdbeerflächen von den teilnehmen Betrieben liegen ebenfalls in verschiedenen Schutzgebieten, wie die Übersicht zeigt.

Diese Kulturflächen sind betroffen (inkl. Junganlagen und künftige Tauschflächen in %)

Lage der Flächen

Spargel

Erd-
beeren

Heidel-
beeren

Him-
beeren

Johannis-
beeren

Sonstige Beeren

Sonstige Kulturen

FFH-Gebiet (außerhalb NSG)

13,2

24,1

2,6

9,9

2,0

8,0

8,6

NSG

0,7

1,0

5,9

3,3

1,0

5,0

8,2

gesetzlich geschütztes Biotop

0,8

8,4

0,0

0,0

0,0

0,0

0,0

Vogelschutzgebiet (außerhalb von NSG)

24,4

16,6

9,2

8,4

1,0

8,0

16,3

außerhalb von Schutzgebieten

61,0

50,0

82,3

78,4

96,0

78,9

66,9

Gesamtanteil in Schutzgebieten

39,0

50,0

17,7

21,6

4,0

21,1

33,1

NSG = Naturschutzgebiet (Quelle: VSSE)

Sollte es zu einem Anwendungsverbot von Pflanzenschutzmitteln in Schutzgebieten kommen, rechnen Spargelbetriebe mit rund 27 % und Erdbeeranbaubetriebe mit 20 % Ertragseinbußen. Sollte die Produktion in Schutzgebieten nicht mehr möglich sein, haben 77 % der befragten Betriebe keine ausreichenden und geeigneten Ersatzflächen. Für manche Betriebe wäre der Wegfall von Anbauflächen in Schutzgebieten nach eigenen Angaben existenzbedrohend. Insgesamt 2.700 Arbeitsplätze stehen laut Umfrage auf dem Spiel.

Grafik Ausgleichsfläche

77 % der teilnehmenden Betriebe geben an, dass keine ausreichend geeignete Ausgleichsflächen für den Anbau von Sonderkuluren vorhanden sind. (Bildquelle: VSSE)

Sonderkulturen sichern Insektenschutz

Dazu sagt Simon Schumacher für das Netzwerk der Spargel- und Beerenverbände sowie Vorstandssprecher des Verbands Süddeutscher Spargel- und Erdbeeranbauer e.V. (VSSE): „Ohne Sonderkulturen gibt es weniger Natur. Das ist das Besondere im Vergleich zu anderen großflächigen Kulturen. Blüten der Beeren- und von Spargelpflanzen liefern ein wichtiges Nahrungsangebot für Insekten, was sich in unterschiedlichen Studien zeigt." Würde der Anbau in ungeeignete Gebiete oder gar ins Ausland verlagert, sei das mit Blick auf regional produzierte Lebensmittel sicher nicht im Sinne des Naturschutzes, so Schumacher weiter. Die Ergebnisse der Umfrage hat das Netzwerk nach eigenen Angaben zusammen mit einer Stellungnahme an Bundesumweltministerium Svenja Schulze geschickt.

Die Ergebnisse der Umfrage finden Sie hier als Download:

Hintergrund: Insektenschutzgesetz sieht Pflanzenschutzverbot vor

Das Bundesumweltministerium hatte im Rahmen des Insektenschutzgesetzes vorgeschlagen, bestimmte Insektizide und Herbizide in Schutzgebieten zu verbieten. Diese Gebiete machen etwa 10% der landwirtschaftlichen Fläche aus. Das Bundeslandwirtschaftsministerium will diese Fläche auf 1,7% senken. Noch haben sich die Ministerien nicht geeinigt.


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Diskussionen zum Artikel

von Erwin Schmidbauer

Wir haben doch alles...

Himbeeren aus Marokko, Spargel aus Peru, was will der Käufer mehr?

von Wilhelm Grimm

Zunächst die Sonderkulturen,

dann alle Kulturen !

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