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So kürzen Sie Getreide gekonnt mit Wachstumsreglern

Die richtige Intensität beim Einsatz von Wachstumsreglern zu treffen, ist jedes Jahr erneut eine Herausforderung. Hier die Empfehlungen für Ihre Wintergetreidebestände.

Lesezeit: 9 Minuten

Unser Autor: Jan Christoph Weber, LWK Niedersachsen

Trotz der seit 2018 trockenen Frühjahre und der verbesserten Sor­teneigenschaften in punkto Standfestigkeit führen viele Getreideanbauer den Wachstumsreglereinsatz oft noch pauschal durch. In Zeiten steigender Produktionskosten sollte man jedoch vor jeder Maßnahme genauestens abwägen, welche Behandlungen wirklich erforderlich sind, um den wirtschaftlichen Maximalertrag zu erreichen.

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Insbesondere in den letzten Jahren hat sich eindrucksvoll gezeigt, dass neuere Sorten unter den vorherrschenden Witterungsbedingungen mit verrin­gerten Mitteleinsätzen gut zurechtkommen. Vor allem die späten Einsatztermine zu BBCH 39/49 fielen häufig in einen Zeitraum mit Trockenstress und starker Sonneneinstrahlung. Wer dann Wachstumsregler anwendet, verursacht zusätzlichen Stress in der Pflanze – das kann sogar zu Ertragseinbußen führen.

Neben der Sorte und der Witterung spielen natürlich auch die Standort­eigenschaften, die Vorfrucht, der Saattermin und die Düngeintensität eine große Rolle bei der Wachstumsreglerstrategie. Insbesondere die Einstellung, dass auf besseren Standorten Wachstumsregler kaum überzogen werden können, ist unbedingt zu hinterfragen.

Gibt es neue Produkte oder Auflagen?

Im Erntejahr 2023 gibt es erwartungsgemäß keine neu zugelassenen Wirkstoffe. Allerdings verbessert das die Übersichtlichkeit des Marktes an Wachstumsreglern in keinster Weise. Denn es wurden neue Produkte mit bekannten Wirkstoffen (insbesondere im Bereich Trinexapac-ethyl) zugelassen, sodass die Mittelpalette im Vergleich zum letzten Jahr noch breiter ist.

Wichtig ist, die Zulassungen der scheinbar gleichen Produkte zu kennen. Denn zwei unterschiedliche Präparate mit gleichem Wirkstoff in gleicher Konzentration sind nicht zwangsläufig in gleichen Indikationen (Kulturen/Entwicklungsstadien/Aufwandmengen) zugelassen. Auch die weiteren Auflagen wie Abdriftminderungsklassen oder Gewässerabstände können variieren.

Sorgen Sie bei der Dokumentation unbedingt dafür, dass in Ihrer Schlagkartei immer der tatsächliche Name des eingesetzten Produktes zu finden ist.

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Wintergerste

Legen Sie den Fokus auf den frühen Termin!

Die wichtigsten Ziele beim Einsatz von Wachstumsreglern in Wintergerste sind die Stabilisierung des unteren Halmabschnitts und vor allem die Vermeidung von Ährenknicken. Bei der Wahl der Strategie sollte man neben dem Standort, der Witterung und der Düngeintensität daher viel Wert auf die Sorteneinstufung hinsichtlich Ährenknicken legen.

Generell haben neuere Sorten oftmals eine erheblich bessere Festigkeit gegen Ährenknicken als altbekannte Sorten. Hybride wie Bazooka, SY Baracooda oder SY Galileoo sind bei diesem Merkmal darüber hinaus häufig schlechter eingestuft als Liniensorten. Allerdings gibt es auch „problematische“ Liniensorten wie z. B. KWS Flemming, KWS Memphis, Lo­merit, Melia, Wootan und Paradies.

Tipps für Ihre Gerste

Weil die Witterung in den letzten Jahren zum späten Nachkürzungstermin gegen Ährenknicken (BBCH 39/49) oft trocken, heiß und strahlungsintensiv war, sollte man das Hauptaugenmerk der Einkürzung auf den frühen Termin in BBCH 31/32 legen, um Schäden zu vermeiden.

Für diese Behandlung hat sich eine Mischung aus 0,2 bis 0,4 l/ha Calma (oder ein anderes Trinexapac-Produkt) + 0,3 bis 0,5 l/ha Medax Top + Turbo (Mepiquat und Prohexadion) bewährt – das zeigen die Ergebnisse langjähriger Versuche. Alternativ können Sie Mischungen aus 0,3 bis 0,4 l/ha Calma + 1,0 bis 1,3 l/ha Bogota (CCC und Prohexadion) oder 0,4 bis 0,5 l/ha Prodax (Trinexapac und Prohexadion) + 1,0 bis 1,3 l/ha Bogota einsetzen.

Auf leichteren Standorten oder bei schlechter Wasserverfügbarkeit empfiehlt es sich, die Aufwandmengen entsprechend zu reduzieren. In solchen Beständen reicht zudem eine einmalige Behandlung meist aus.

Ansonsten wird auf fast allen Standorten standardmäßig eine Nachkürzung in BBCH 49 durchgeführt. Geeignet dafür sind Ethephon-haltige Produkte, wie z. B. 0,2 bis 0,5 l/ha Cerone 660. Wichtig ist es, diese Behandlung unbedingt vor dem Ährenschieben abzuschließen, da es sonst zu Schäden an der Gerste kommen kann (Ähren können im Halm steckenbleiben). Bei Sorten, die nur gering anfällig gegenüber Ährenknicken sind, und bei anhaltender Trockenheit kann und sollte man auf diese Maßnahme verzichten.

Geben Sie zu diesem Termin – anders als in der Vergangenheit oftmals durchgeführt – nicht zwangsläufig ein Fungizid mit in den Tank. Denn die Dauerleistung gegen Ramularia ist bei einem etwas späteren Anwendungstermin deutlich besser. Wenn die Gerste am „pinseln“ ist, lassen sich Grannen und Ähre besser benetzen und schützen.

Hinweis: Auch Ramularia kann – je nach Zeitpunkt des Erstauftretens – instabile Halme verursachen und zu einem Abknicken der Ähren führen! Weitere Empfehlungen zur Stabilisierung von Wintergerste finden Sie in der Übersicht.

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Winterweizen

Gehen Sie nicht nach Schema F vor!

Auch beim Winterweizen liegt der Fokus beim Einsatz von Wachstums­reglern auf der Einkürzung und der ­Stabilisierung der untersten Internodien an der Halmbasis. Da die Bestandesdichten und die N-Düngung bei Weizen oftmals höher als bei anderen Wintergetreidearten ausfallen, ist es wichtig, rechtzeitig mit der Einkürzung zu beginnen. Generell lässt sich die Pflanze nur in BBCH 31/32 im unteren Stängelbereich gut stabilisieren – verpasste Termine erreichen auch mit höheren Aufwandmengen nur eine deutlich schlechtere Stabilisierung.

Auf vielen Betrieben ist auf besseren Standorten die Dreifach-Strategie mit CCC-Vorlage zur Einkürzung weiterhin fest eingeplant. Doch bleiben Sie flexibel! Unter dem Aspekt der trockenen Frühjahre ist diese Strategie zumindest in standfesten Sorten kritisch zu hinterfragen. Überzogene Wachstumsreglermengen belasten den Geldbeutel unnötig und führen auf schwächeren Standorten sogar zu Mindererträgen.

Allerdings ist natürlich die Gefahr für Lager auf besseren Standorten ge­nerell höher und muss vermieden werden, um Ertrag sowie Qualität stabil zu halten. Insbesondere beim Winterweizen ist somit Fingerspitzengefühl gefragt. Zu den lageranfälligen Sorten ­gehören z. B. Argument, Asory, KWS Imperium, KWS Keitum und ­Boregar.

Empfehlung für Ihren Weizen

Zur Haupteinkürzung in BBCH 31/32 hat sich auf besseren Standorten eine Kombination aus 0,5 bis 1,0 l/ha CCC (720er Ware) + 0,2 bis 0,3 l/ha Calma oder 0,75 bis 1,0 l/ha CCC + 0,3 bis 0,5 l/ha Prodax bewährt.

Auf sehr guten Standorten mit gesicherter Wasserführung kann bereits zum Ende der Bestockung der Einsatz eines CCC-haltigen Produkts mit 1,0 l/ha sinnvoll sein. Dies führt jedoch nicht – wie häufig in der Praxis vermutet – zu einer Förderung der Bestockung. Durch den Einsatz zum Ende der Bestockung ist es vielmehr möglich, bereits gebildete Nebentriebe vor der Reduktion zu bewahren. Wer diese Maßnahme durchführt, sollte in BBCH 31/32 das CCC aber mit verringerter Aufwandmenge von 0,5 bis 0,75 l/ha in Kombination mit 0,2 bis 0,3 l/ha Calma einsetzen (alternativ sind auch 0,3 bis 0,5 l/ha CCC + 0,4 bis 0,6 l/ha Medax Top + Turbo möglich). Weitere Strategien entnehmen Sie folgender Übersicht.

Abhängig von den Sorteneigenschaften und insbesondere von der angekündigten Witterung sollte man eine Nachkürzung in BBCH 37/39 mit 0,3 bis 0,5 l/ha Medax Top + Turbo genauestens überdenken. Oft kann man darauf verzichten.

Genereller Hinweis: Auf leichten Standorten oder auf Flächen mit geringer Wasserverfügbarkeit reicht in den meisten Fällen sogar eine einmalige Behandlung mit 0,5 l/ha CCC + 0,2 l/ha Calma aus (siehe Übersicht 2, „Strategien für leichtere Übergangsstandor­te mit großer Ertragsvariabilität“).

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Roggen/Triticale/Dinkel

So bleibt ­die ­Basis ­stabil

Wegen seines geringen Wasserbedarfs steht Winterroggen oftmals auf schwächeren, leichten Standorten. Auf diesen ist der Einsatz von Wachstumsreglern mit Vorsicht zu genießen, um keine unnötigen Kosten oder Mindererträge zu verursachen.

Neuere Sorten mit geringerer Pflanzenlänge und guter Lagereinstufung wie KWS Tayo, Serafino oder Piano können auf solchen Standorten unter trockenen Bedingungen auch gänzlich ohne Wachstumsregler oder mit einer kleinen Menge von 0,75 bis 1,0 l/ha CCC auskommen. Auf besseren Standorten empfiehlt sich jedoch der Einsatz einer Tankmischung in BBCH 31/32, bestehend aus 0,3 bis 0,5 l/ha CCC + 0,1 bis 0,2 l/ha Calma.

Bei hoher Ertragserwartung oder auf sehr guten Standorten sollte man bei wüchsiger Witterung die Aufwandmengen entsprechend erhöhen. Lagernder Roggen ist unbedingt zu vermeiden, da sich dadurch die Qualitätsparameter rapide verschlechtern und die Ernte massiv behindert wird. In BBCH 39 können Sie in dieser Situation noch eine Nachkürzung mit 0,3 bis 0,5 l/ha Cerone 660 durchführen (ist eher in Ausnahmefällen notwendig).

Beachten Sie unbedingt, dass bei Vertragsanbau von Winterrogen manche Abnehmer CCC als Wachstumsregler ausschließen. Alternativ können Sie in diesem Fall auf die Trinexapac-Produk­te wie Calma usw. ausweichen. Möglich ist dann der Solo-Einsatz, abhängig von der Bodengüte und Witterung, in höheren Aufwandmengen: gute Standorte 0,4 l/ha, mittlere 0,2 bis 0,3 l/ha und schwache Standorte 0,1 bis 0,2 l/ha.

Von den Getreidearten spielt Wintertriticale eher eine untergeordnete Rolle. Wegen der Verwertung als Futter steht sie häufig auf Standorten mit langjähriger organischer Düngung. Wichtig ist daher, insbesondere die eventuell verzögerte Nachlieferung des organischen Düngers zu beachten, um Lager zu vermeiden.

Setzen Sie in diesem Fall in BBCH 31/32 eine Kombination aus 0,15 bis 0,2 l/ha Calma + 0,3 bis 0,5 l/ha CCC ein (siehe Übersicht 3). Falls diese Einkürzungsmaßnahme nicht ausreicht oder durch die Witterung die Organik gut wirkt, sollten Sie in BBCH 39 mit 0,3 bis 0,5 l/ha Cerone 660 nachkürzen. Das gilt auch, wenn Sie lageranfällige Sorten wie z. B. Brehat, Lumaco oder Securo angebaut haben.

Auch Dinkel hat – ähnlich wie Triticale – eher eine untergeordnete Bedeutung im Getreideanbau. Durch das kulturspezifisch bedingt tendenziell längere Stroh als bei anderen Getreidearten, kommt dem Einsatz von Wachstumsreglern bei dieser Kultur jedoch eine enorme Bedeutung zu, um die Quali­täten aufrechtzuerhalten und die Erntefähigkeit zu gewährleisten.

Wie beim Roggen ist es auch bei Dinkel nicht unüblich, dass der Einsatz von CCC im Vertragsanbau nicht zulässig ist. Zudem ist bei Dinkel insbesondere Wert auf die Indikationen der jeweiligen Produkte zu legen. Ohne CCC haben sich Spritzfolgen aus 0,3 bis 0,4 l je ha Moddus zu BBCH 31/32 und 0,4 bis 0,5 l/ha Prodax zu BBCH 37/39 bewährt.

Ist CCC möglich, können Sie Manipulator als einziges zugelassenes Chlormequatchlorid-Produkt zum Ende der Bestockung einsetzen. Auch bei diesem Szenario empfiehlt sich eine Spritzfolge bestehend aus 0,2 l/ha Moddus + 0,5 l/ha Manipulator zu BBCH 31/32 und 0,4 bis 0,5 l/ha Prodax zu BBCH 37/39. Auf Standorten mit geringer Ertragserwartung oder in wenig lageranfälligen Sorten können Sie die Aufwandmengen von Moddus und Prodax reduzieren. Hinweis: Stark lageranfällige Sorten sind z. B. Franckenkorn, Badensonne und Albertino.

Wertvolle Praxistipps

Damit die Wachstumsreglermaßnahme optimal wirkt, ohne zu überziehen und ohne Lager zu riskieren, sollte man auf Folgendes achten:

  • Legen Sie unbedingt ein Spritz­fenster an – das ist die beste und einfachste Methode, um die Wirkung der Maßnahme zu beurteilen und die weitere Strategie zu planen.
  • Berücksichtigen Sie die Witterung am Tag der Behandlung und die angekündigte Witterung in den Folgetagen. Um Schäden zu vermeiden, ist es angeraten, nicht vor einer Frostnacht zu behandeln, sondern besser danach.
  • Bedenken Sie, dass sich die Wirkung an sehr heißen, strahlungsintensiven Tagen verstärkt – insbesondere ­Etephon-haltige Produkte reagieren ­darauf sehr stark.
  • Beachten Sie, welche Mischungspartner für die Wachstumsregler freigegeben sind. Mischungen mit Herbiziden, Fungiziden oder Flüssigdüngern können die Wirkung sowohl positiv als auch negativ beeinflussen.

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