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Kann man mit Zwischenfrüchten die Ungräser verdrängen?

Ohne Glyphosat ist die Ungraskontrolle vor Sommerungen kein Selbstläufer mehr. Alternativ können Zwischenfrüchte die Gräser unterdrücken – wichtig dafür sind aber die richtige Mischung und Saatzeit.

Lesezeit: 6 Minuten

Unser Autor: Günter Klingenhagen, Landwirtschafts­kammer Nordrhein-Westfalen

Die konservierende Bodenbearbeitung hat besonders in Hanglagen und auf Tonböden viele Vorteile gegenüber dem Pflug. Denn damit lässt sich Energie sparen, Humus erhalten und die Erosionsgefahr reduzieren. Die Unkrautwirkung des Pfluges wird bei diesem Verfahren durch Herbizide auf Basis von Glyphosat ersetzt.

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Dabei geht es vor allem um die Beseitigung von unerwünschten Pflanzen vor der Aussaat einer Sommerung. Während man auf milden Lehm- oder Sandböden den Aufwuchs vor Früchten, die erst im April gesät werden (z. B. Mais), mit Bodenbearbeitungsmaßnahmen gut beseitigen kann, gelingt das bei Früchten, die früh gesät werden (z. B. Ackerbohnen, Sommerhafer, Rüben), oft nicht. Denn bei früher Saat ist der Boden für eine intensive Bearbeitung häufig noch zu feucht.

Auf Tonböden kommt noch hinzu, dass eine mechanische Bekämpfung von z. B. bestocktem Ackerfuchsschwanz nur in den seltensten Fällen gelingt – demnach auch nicht vor der Aussaat von Mais. Doch wie lassen sich Ungräser und -kräuter in diesen Fällen beseitigen, wenn der Einsatz von Glyphosat nicht mehr möglich ist?

Saat der Zwischenfrucht im Schatten des Dreschers

Der Schlüssel dazu sind Zwischenfrüchte, welche die Ungräser verdrängen. Um Ackerfuchsschwanz und Ausfallgetreide unterdrücken zu können, ist es wichtig, dass die Saat der Zwischenfrucht direkt nach dem Drusch des Getreides erfolgt (Saat im Schatten des Dreschers).

Eine Besonderheit bei Fuchsschwanz ist, dass man die Aussaat ohne Bodenbearbeitung durchführen sollte, weil dies sonst einen Auflauf von Fuchsschwanzsamen aus dem Bodenvorrat provozieren würde. Zudem würde eine Bearbeitung dazu führen, dass die Fuchsschwanzsamen, die zur Ernte des aktuellen Jahres ausgefallen sind, in die sekundäre Keimruhe fallen – dann können sie einen Zeitraum von fünf und mehr Jahren überdauern.

Bleibt der Samen hingegen an der ­Bodenoberfläche, sind laut JENSEN (2009) mehr als 95 % nach einem Jahr nicht mehr keimfähig. In weiteren Untersuchungen (2018) konnte er zeigen, dass die Keimfähigkeit bei offen liegenden Samen bereits nach acht Wochen (Anfang August bis Ende September) auf unter 5 % abgesunken war. Hingegen lag die Keimfähigkeit von Samen, die in Bodentiefen von 2 bis 10 cm lagen, bei ca. 30 % im Jahr 2017 bzw. bei über 70 % im Jahr 2018.

Daraus folgt: Weil sich die Samen, die im aktuellen Jahr ausgefallen sind, kurz nach der Getreideernte zum überwiegenden Teil noch in der primären Keimruhe befinden, sollte man diese Zeit für die Saat der Zwischenfrucht nutzen.

Welche Mischungen?

Für gleichmäßige Zwischenfruchtbestände, die Ungräser gut unterdrücken können, ist eine optimale Stroh- und Spreuverteilung die Grundlage. Ungünstig ist es, wenn das Stroh geborgen werden soll. Denn dies kostet Zeit und obendrein kommt es im Strohschwad zu einer Anhäufung von Spreu, was die Keimung der Zwischenfrucht behindert und Mäuse anlockt. Auch Schadverdichtungen von Erntemaschinen verhindern gleichmäßige Bestände.

Besonders empfindlich gegenüber Bodenverdichtungen ist Phacelia. In dieser Hinsicht robuster zeigt sich z. B. Ölrettich, der zusätzlich sehr konkurrenzstark ist und Stickstoff gut ins Frühjahr tragen kann. In Fruchtfolgen, in denen Raps als Hauptfrucht stehen soll, ist Ölrettich als Kreuzblütler allerdings keine Option. Zudem stellen nicht abgestorbene Pflanzen ein Problem dar, sofern Zuckerrüben oder Leguminosen folgen.

Generell bewährt haben sich Mischungen mit Leguminosen wie Kleearten. Die stickstoffsammelnden Pflanzen sorgen für eine sehr gute Durchwurzelung mit guter Bodengare ausgangs Winter und versorgen die Mischungspartner mit Stickstoff. Dadurch werden die Bestände konkurrenzfähiger gegenüber Ungräsern. Ist ausreichend Keimwasser vorhanden, lassen sich auch großkörnige Arten wie Wicken, Erbsen, Bohnen oder Lupinen zumischen.

In der Praxis bewährt hat sich z. B. eine Kombination aus 7 kg/ha Phacelia + 7 kg/ha Alexandriner Klee bzw. aus 7 kg Phacelia + 4 kg/ha Alexandriner Klee + 4 kg/ha Inkarnatklee. Der Inkarnatklee ist im Gegensatz zu den anderen beiden Komponenten winterhart. Frieren die Partner frühzeitig ab, kann er den frei werdenden Platz übernehmen. Dies bedingt aber, dass im Frühjahr eine mechanische oder chemische Bekämpfung erfolgt. Über weitere Partner kann man die Mischung vielfältiger gestalten.

Wichtige Hinweise: Wie Phacelia entwickeln sich auch Buchweizen und Ramtillkraut sehr zügig. Nachteilig beim Buchweizen ist die rasche Samenbildung. Ramtillkraut kann man als Zumischpartner hingegen mit geringen Samenanteilen nutzen – allerdings stirbt es bereits bei unter 4 °C ab. Ist der Anteil in der Mischung zu groß, besteht die Gefahr, dass der Boden nicht mehr ausreichend beschattet wird.

Ebenfalls sehr konkurrenzstark ist Rauhafer. Unter trockenen Bedingungen ist er in unseren Praxistests allerdings nicht ausreichend aufgelaufen. Läuft er in „Normaljahren“ aber auf und friert dann über Winter nicht rechtzeitig ab, bilden sich je nach Bestandesdichte teils sehr üppige Wurzelballen, die die Saat der Frühjahrskultur erschweren.

Grundsätzlich sind Trockenheit und Temperaturen über 30 °C ungünstig für die Keimung von Gräsern. Dies zeigte sich im Sommer 2018, als Phacelia sehr gut, Weidelgras so gut wie nicht und Sorghum auch nur zu einem geringen Anteil keimte. Insgesamt hat sich Phacelia über die Jahre auf verschiedenen Standorten als geeignete Pflanze gezeigt, das gilt besonders bei früher Saat. Bei Pflanzen mit grobkörnigeren Samen wie Sonnenblumen, Erbsen, Ackerbohnen oder Wicken gilt besondere Vorsicht: Unter trockenen Bedingungen und bei Saatterminen kurz nach der Ernte keimen sie oft nicht ausreichend.

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V E R S U C H

Wer taugt als Glyphosat­ersatz?

Um zu prüfen, welches Verfahren der Zwischenfruchtsaat am besten als Glyphosatersatz taugt bzw. welches Verfahren die Ungräser am wirkungsvollsten unterdrückt, wurden 50 Versuche auf Betriebsebene durchgeführt. Diese fanden auf unterschiedlichen Boden­arten in den Jahren 2018/19 bis 2020/21 statt.

Die Ergebnisse entnehmen Sie der Übersicht. Dargestellt sind die einzelnen Verfahren und der prozentuale Anteil, der angibt, inwieweit die Zwischenfrucht als Glyphosatersatz getaugt hat. Ein Beispiel für die Variante „eingestreut“: Hier wurde das Zwischenfruchtsaatgut 10 bis 14 Tage vor der Ernte in die Kultur gestreut. Dies wurde 8-mal durchgeführt und hat in einem Fall funktioniert. Die Erfolgsquote lag demnach bei 12,5 %.

Bei der Entscheidung, ob man in der jeweiligen Situation auf den Einsatz von Glyphosat verzichten konnte, spielte die Bodenart eine wichtige Rolle. Auf Sand- und milden Lehmböden lässt sich eine Restverunkrautung deutlich besser mechanisch bekämpfen, als das auf tonhaltigen Böden der Fall ist. Dies zeigen die beiden rechten Säulen, bei denen alle Verfahren zusammengefasst wurden.

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