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So nutzen Landwirte die Potentiale der Zwischenfrüchte richtig

Betriebsstruktur und Standort definieren die Ansprüche an die Zwischenfrüchte. Intelligent kombiniert, können sie einen wertvollen Beitrag zur Nährstoffversorgung und Bodenfruchtbarkeit leisten.

Lesezeit: 7 Minuten

Unser Autor: Alexander Watzka, Bioland-Erzeugerring Bayern e.V.

Zwischenfrüchte haben in ihrem Anbauumfang in den letzten Jahren stetig zugenommen und sind in vielen Fruchtfolgen mittlerweile fest etabliert. Neben den abfrierenden Zwischenfrüchten haben auch zunehmend winterharte Arten einen Platz in der Anbauplanung gefunden.

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Dabei stehen Zwischenfrüchte insbesondere vor Mais und Zuckerrübe. Aber auch vor Körnerleguminosen finden immer häufiger speziell abgestimmte Zwischenfruchtmischungen ihren Einsatz. Hinzu kommen rechtliche Auflagen, z. B. durch die Düngeverordnung, die in gewissen Situationen zum Anbau verpflichten.

Auch in der neuen gemeinsamen Agrarpolitik (GAP), in den Standards für den guten landwirtschaftlichen und ökologischen Zustand der Flächen (GLÖZ), können Zwischenfrüchte ihren Platz einnehmen – denn in GLÖZ 6 ist gefordert, dass man vegetationslose Böden bedecken muss.

In jedem Fall bringt der Zwischenfruchtanbau ackerbauliche Vorzüge mit sich, was viele Landwirte gerade bei steigenden Energiepreisen zu schätzen wissen. Jedoch werden die Leistungen der Zwischenfrucht auf Bodenfruchtbarkeit und Nährstoffakkumulation sowie Nährstoffmobilisierung oft noch nicht vollumfänglich genutzt. Hier bietet sich Raum für betriebsindividuelle und standortspezifische Optimierungsmöglichkeiten.

Einen Überblick über die möglichen Formen des Zwischenfruchtanbaus gibt die Grafik 1. Sie stellt die Einsatzbereiche sowie mögliche Potentiale verschiedener Strategien auf ober- und unterirdische Biomasse dar. Gerade vor späten Sommerungen haben Landwirte verschiedene Möglichkeiten, die Zwischenfrüchte ohne Glyphosat zu managen.

Welche Strategie passt zu mir?

Wie der Einbau von Zwischenfrüchten in die Fruchtfolge gelingt und welche Effekte, Chancen und Risiken die möglichen Konstellationen bringen, zeigen die nachfolgenden Beispiele. Dabei handelt es sich um drei ökologisch wirtschaftende Betriebstypen auf unterschiedlichen Standorten.

Nehmen Sie diese Beispiele als Anregung, um selbst Ihr betriebsindividuelles Zwischenfruchtkonzept zu planen. Es gibt hier kein Patentrezept – Ihr Betrieb und Ihr Standort geben die Anforderungen und Rahmenbedingungen vor!

Ein wichtiger Hinweis vorab: Beachten Sie immer die länderspezifischen Regeln zum Anbau und Umbruch von Zwischenfrüchten, insbesondere durch die Auflagen von Düngeverordnung und GAP. Informieren Sie sich bei den örtlichen Behörden und Kammern beziehungsweise bei ihrer regionalen Beratung, bevor Sie betriebsindividuelle Anbau- und Umbruchstrategien entwickeln.

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Anbaubeispiel Futterbaubetrieb

Im ersten Beispiel wirtschaftet ein Futterbaubetrieb mit Rinderhaltung auf lehmigem Boden bei einem Jahresniederschlag von 800 bis 1.000 mm in der fünfgliedrigen Fruchtfolge Kleegras-Winterweizen-Mais-Ackerbohne-Wintergerste.

Der Fokus im Zwischenfruchtanbau liegt auf der Futtergewinnung, Stickstofffixierung, Unkrautregulierung sowie Nährstoffkonservierung von organischen Düngern und überschüssigen Restnährstoffen.

Die Strategie

Nach der Stoppelbearbeitung des Weizens wird das winterharte Landsberger Gemenge im August gesät, wie die Grafik 2 übersichtlich zeigt.

Der Aufwuchs lässt sich – je nach Witterung – im Herbst und im Frühjahr als Futter nutzen. Die Wurzel- und Blattkonkurrenz sowie die ein- bis zweimalige Mahd regulieren sehr gut Samen- und Wurzelunkräuter, die sich etablieren könnten. Die aktive Durchwurzelung selbst in den Wintermonaten sorgt für eine gute Bodengare.

Der Leguminosenanteil reichert Stickstoff an. Und der Grasanteil erlaubt eine organische Düngung und verwertet den ausgebrachten Stickstoff. Im nachfolgenden Mais erfolgt die Untersaat mit Deutschem und Welschem Weidelgras mit dem letzten mechanischen Pflegegang (Hacke) vor Reihenschluss.

Das Gras verbessert die Befahrbarkeit zur Ernte und schützt vor Bodenverdichtungen. Bei passender Witterung wächst es nach der Maisernte weiter und nimmt freie Mengen an Stickstoff auf. Im Optimalfall führt diese Strategie zu niedrigen Nmin-Gehalten im Frühjahr. So wird signifikant die Stickstofffixierung der nachfolgenden Ackerbohnen erhöht.

Chancen und Risiken

In einem nassen Frühjahr kann die winterharte Zwischenfrucht erst Wasser aus dem Boden ziehen, was die Befahrbarkeit zum Umbruchzeitpunkt vor Mais verbessert. Im Gegenzug sollten Sie auf trockenheitsgefährdeteren Standorten unbedingt darauf Acht geben, dass winterharte Zwischenfrüchte in wasserknappen Wintermonaten nicht zu lange stehen bleiben. Ansonsten könnten sie eine Wasserkonkurrenz für die Folgefrucht nach Mais darstellen.

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Anbaubeispiel Ackerbaubetrieb

Das zweite Beispiel zeigt einen viehlosen Ackerbaubetrieb, dessen Schwerpunkt auf Druschfrüchten in einer sechsgliedrigen Fruchtfolge liegt. Die Böden weisen einen hohen Sandanteil auf, der Jahresniederschlag beträgt weniger als 600 mm.

Ziele der Strategie sind, eine gute Bodenstruktur aufzubauen, die Wasserhaltekapazität zu verbessern sowie Nährstoffmobilisierung und -fixierung.

Die Strategie

Nach dem Dinkel erfolgt eine Stoppelbearbeitung. Sobald der Ausfall ankeimt, wird der Perserklee mit den Winterrübsen gesät (niemals gestreut!).

Die teilwinterharte Zwischenfrucht kann über den trockenheitsverträglichen Perserklee Luftstickstoff fixieren. Die winterharten Rübsen nehmen überschüssigen Stickstoff auf und sorgen für eine Begrünung, auch wenn der Perserklee abfriert. Die dauerhafte, aktiv wurzelnde Rübse soll auch bei einsetzenden Winterniederschlägen auf dem sandigen Boden Nährstoffverlusten vorbeugen.

Zwischen Hafer und Lupine steht eine leguminosenfreie, abfrierende Mischung, um Phosphor zu mobilisieren. Das gelingt durch Ausscheidung von Säureionen von Buchweizen und Phacelia. Wichtig ist, den Buchweizen im Auge zu behalten und ein Aussamen durch eventuelles Walzen vor der Samenreife zu unterbinden.

Generell geht es bei dieser Mischung nicht darum, hohe Aufwuchsmengen zu erzeugen, sondern wie auch bei der vorherig genannten Zwischenfrucht für eine Pflanzendecke zu sorgen, die den trockenheitsgefährdeten und leichten Standort bedecken soll. Darüber lässt sich unnötige, kapillare Verdunstung reduzieren und der Bodenwasserhaushalt schonen.

Zudem kann über Nacht Tau an den Blättern anhaften, später abtropfen und dadurch zusätzlich Wasser in das System bringen. Ältere Literatur nennt Werte von bis zu 1,5 l/m2 und Nacht. Die Bodendeckung sorgt zudem für eine Schattengare, was sich positiv auf die Bodenstruktur auswirkt.

Zwischen Roggen und Sonnenblume soll eine niedrigwüchsige, leguminosenhaltige und teilabfrierende Mischung Stickstoff über Serradella und Weißklee fixieren und freie N-Mengen über den nicht legumen Sandhafer konservieren. Gerade Serradella eignet sich sehr als Zwischenfruchtpflanze für trockene, leichte Standorte.

Chancen und Risiken

Trotz trockenheitsgefährdetem Standort setzt dieses Beispiel auf Zwischenfrüchte, obwohl der Etablierungserfolg natürlich nicht in jedem Jahr gegeben ist.

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Anbaubeispiel Ackerbau mit Hackfrucht

Beim dritten Beispiel handelt es sich um einen Ackerbaubetrieb mit Schwerpunkt auf Drusch- und Hackfrüchten in siebengliedriger Fruchtfolge auf Schluff bzw. tiefgründigen Lehmböden. Im Jahresmittel fallen ca. 700 mm Niederschlag. Der Betrieb ist zwar viehlos, es besteht aber eine Futter-Mist-Kooperation mit einem anderen Betrieb.

Die Zwischenfrüchte sollen zur Nährstofffixierung, Ausgleich von humuszehrenden Hauptfrüchten und Aufbau von positiver Bodenstruktur beitragen.

Die Strategie

Vor der Zuckerrübe reduzieren nematodenresistente Senf- und Ölrettichsorten Rübenzystennematoden. Die beigemengten Alexandriner- und Perserkleearten fixieren zusätzlich Stickstoff über die Knöllchenbakterien aus der Luft und tragen so zur N-Versorgung der Rübe bei.

Im Falle einer frühen Saat sollten Sie darauf achten, dass insbesondere Senf und Ölrettich nicht in die Samenreife kommen. Die Zwischenfrucht kann dann gemulcht oder gewalzt werden. Der mehrschnittige Alexandriner- und Perserklee hat danach noch mal die Chance, auszutreiben.

Da Ökobetriebe die Zuckerrübe tendenziell früher roden, bietet sich zwischen Rübe und Soja gegebenenfalls auch eine Zwischenfrucht an. Diese soll wieder Restmengen an Stickstoff aufnehmen und durch aktives Durchwurzeln in den Wintermonaten die Bodenstruktur verbessern.

Von Vorteil ist dies für die Folgefrucht Soja, insbesondere nach dem Roden mit schwerem Gerät. Geeignet dazu wäre z. B. Winterroggen. Nach Dinkel vor Körnermais ist es ebenfalls das Ziel, mit einer winterharten Zwischenfrucht aus Grünschnittroggen und Pannonischer Wicke viel Biomasse zu erzeugen und Stickstoff anzureichern. Bei einer etwas späteren Saat Anfang September bleibt ausreichend Zeit für mehrmalige Bodenbearbeitung, um Wurzelunkräuter wie Distel, Ampfer und Quecke zu regulieren.

Die Winterzwischenfrucht kann gerade im Frühjahr noch hohe Biomasseleistungen erzeugen und so einen Teil der Humuszehrung durch die Hackfrüchte ausgleichen. Der Aufwuchs lässt sich zudem in einer Biogasanlage oder Tierhaltung verwerten. Für den etwas später nachgebauten Mais empfehlen sich, je nach Standort, angepasste FAO-Zahlen.

Chancen und Risiken

Auch hier ist die Wasserkonkurrenz der winterharten Zwischenfrüchte in trockenen Jahren zu nennen. Im Gegenzug bieten diese aber mehr Potential, um ansonsten unproduktive Schwarzbrachezeiten zu nutzen und den Winter über aktiv zu wurzeln.

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