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Pflanzenzucht: Sorten für den Klimawandel

Ein Jahr zu trocken, ein Jahr zu feucht. Pflanzen müssen gegenüber Wetterextremen künftig viel widerstandsfähiger sein als bisher. Wir haben nachgefragt, wie die Züchter darauf reagieren.

Lesezeit: 7 Minuten

Dieser Beitrag ist zuerst erschienen im "Wochenblatt für Landwirtschaft und Landleben".

Wochenblatt: Nicht nur für Landwirtinnen und Landwirte, auch für Pflanzenzüchter hängt der wirtschaftliche Erfolg davon ab, ob sie künftig Pflanzen zur Verfügung haben, die an die veränderten Klimabedingungen angepasst sind. In welchen Kulturen war die Pflanzenzucht auf verbesserte Resilienz besonders erfolgreich?

RAGT: Züchtung hat schon vor Jahren reagiert und nimmt nicht nur den Ertrag als wertprägende Eigenschaft in den Fokus, sondern ein breites Spektrum an Resistenzen und Toleranzen, um den Wandel hin zu weniger Pflanzenschutzmaßnahmen zu ermöglichen.

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Für Sommerungen werden Themen wie Trockenheitsresistenz immer wichtiger. Durch das deutsche System der Wertprüfung müssen sich die Zulassungskandidaten auch unter Dürrebedingungen bewähren.

DSV: Der Schlüssel für die Resilienz des Pflanzenbausystems liegt sowohl in gesunden und effizienten Sorten als auch in der ganzheitlichen Förderung der Bodengesundheit als Basis für gesunde Kulturpflanzenbestände. Neueste wissenschaftliche Ergebnisse zeigen, vielfältige Zwischenfruchtmischungen, die dauerhaft in die Fruchtfolge integriert werden, bringen große Vorteile mit sich. Ihre Nutzung und die damit gesteigerte Diversität führen zu mehr Resilienz im Pflanzenbausystem. Auch Beisaaten werden in Zukunft an Bedeutung gewinnen.

Saaten-Union: Im Vergleich zu Populationsroggen konnte die Züchtung von Hybridroggen einen deutlichen Ertragsvorsprung von 20 % Mehrertrag erreichen. Das verbesserte Wurzelsystem der Hybriden macht sie trockentoleranter.

Positive Ergebnisse können wir in der Wintergerste im Bereich Resistenzzüchtung erkennen. Sowohl die BaYMV Typ II-Resistenz gegen die bodenbürtigen Gelbmosaikviren als auch die BYDV-Resistenz gegen durch Blattläuse übertragene Verzwergungsviren werden immer häufiger in neuen Sorten.

Aber das Wetter wird volatiler, es kommen häufiger Extremwetterlagen vor. Es muss also eine ausgewogene Selektion in alle Richtungen erfolgen – eine züchterische Herausforderung!

I.G. Pflanzenzucht: Der Zuchtgarten steht in der sich verändernden Umwelt, unterliegt also genau wie die Praxis dem Klimawandel. Dementsprechend erfolgt automatisch eine Selektion der Genotypen, welche sich unter den aktuellen Bedingungen am leistungsfähigsten zeigen.

Der Zuchtfortschritt korreliert mit dem Anbauumfang der Kulturen. Es wird für die Kulturen am meisten aufgewendet (auch an Forschungsgeldern), welche den größten Anbauumfang haben. Sprich Weizen, Raps, Wintergerste und Mais. Besonders lukrativ sind durch 100 % Saatgutwechsel Hybridkulturen, hier wurden große Fortschritte erzielt; hohe Einnahmen für Züchter = hoher Zuchtfortschritt.

In welchen Kulturen gelingt Pflanzenzüchtung am besten?

Sind Zuchterfolge in den Kulturen gleich "leicht" zu erreichen? Wo gibt es Schwierigkeiten?

RAGT: Pflanzenzüchtung ist bei allen Kulturen trotz zunehmender Digitalisierung ein langwieriger und kostenintensiver Prozess. Markergestützte Selektion hilft uns hier sicher, unsere Ziele bei der Resistenzzüchtung zu erreichen, allerdings ist der Aufwand enorm. Andere Kulturarten wie etwa die Sonnenblume bringen von Haus aus eine geringe Krankheitsanfälligkeit mit.

DSV: In Getreide und Raps haben wir zahlreiche Zuchtfortschritte in Sachen Resistenzen erreicht. Im Gräserbereich sind ebenfalls Sorten selektiert worden, die eine verbesserte Resilienz bieten. Hier ist aber besonders die intelligente Kombination der Arten und Sorten in den Mischungen für die jeweiligen Herausforderungen wichtig.
Im Zwischenfruchtanbau wird bisher kaum über Sorten, sondern nur über die jeweilige Art gesprochen. Hier liegt noch viel Potenzial. Moderne Zwischenfruchtsorten sind wesentlich angepasster an heutige Klimabedingungen.

Saaten-Union: In keiner Kultur ist es leicht. Bei Resistenzen gegenüber Krankheiten wie Rost kann man zwar häufig mit Inokulation arbeiten, bei anderen Parametern, wie Winterhärte oder Fallzahlstabilität im Weizen ist dies sehr schwierig. Man benötigt Jahreseffekte.

Nicht erleichtern, aber beschleunigen können bestimmte Züchtungstechnologien. Hier ist die Hybridzüchtung in Roggen und Weizen zu nennen, die mit gezielter Kreuzung den Heterosiseffekt nutzt. Über die Doppelhaploiden (DH)-Technik lässt sich eine Reinerbigkeit in nur einer Generation erzielen.

I.G. Pflanzenzucht: Die größten Herausforderungen gibt es bei den Kulturen, wo neben Ertrag auch Qualität eine große Rolle spielt. Vergleicht man Winterweizen und Mais, so ist die Selektion im Weizen sicher schwieriger, da hier eine weitaus größere Palette an Krankheiten und Qualitätsparametern beachtet werden muss. Bei Sommergerste liegt der Fokus auf Qualität. Als Sommerung mit relativ kleiner Anbaubedeutung fließt auch nicht so viel Geld zurück in die Zuchtprogramme.

Passen "neue" Kulturen zu den absehbar veränderten Umweltbedingungen in NRW?

RAGT: Im Bereich der Futtergewinnung für Milchvieh sowie Schweine erleben wir gerade auch in NRW eine steigende Nachfrage nach S orghum. Hier ist es wichtig, die verschiedenen Typen (Körnersorghum, Silosorghum und Biogassorghum) zu kennen. Die Kultur ist im Jugendstadium wärmeliebender als der Mais. Aufgrund der Fruchtfolgeauflagen und des "Maisdeckels" bei Biogasanlagen rückt die Kultur zunehmend in den Fokus.

DSV: Mit Sorghum lässt sich dem zunehmenden Dürrerisiko begegnen, da er eine hohe Toleranz gegenüber abiotischen Stressfaktoren zeigt. Er hat niedrige Anforderungen an den Boden und kann Stickstoff hocheffizient nutzen. Er lässt sich in der menschlichen und tierischen Nahrung sowie für die Biomasseproduktion einsetzen. Die DSV bietet sowohl Sorghumsorten als auch Mais-Sorghum-Mischungen an.

Saaten-Union: Die Sojabohne könnte sich zur Bereicherung der Fruchtfolge stärker etablieren, da sie von der höheren Temperatursumme profitiert. Für die Leguminosen Ackerbohne und Erbse ergeben sich neue Vermarktungsmöglichkeiten, die sie ebenfalls interessanter machen.

In der Tendenz zeigen sich Kulturen mit früherer Entwicklung, zum Beispiel Wintergerste, positiv. Aber auch frühreifende Winterweizensorten können punkten, da sie reif werden, bevor Hitze und Trockenheit sich negativ auf den Ertrag auswirken. Auch die genügsamen Hybridroggen spielen ihre Vorteile aus. Kulturen, die mit weniger Wasser und mit höheren Temperaturen zurechtkommen, etwa Mais bzw. Hirse, gehören eher zu den Gewinnern.

I.G. Pflanzenzucht: Sie haben "neu" in Anführungszeichen gesetzt, deshalb gehe ich davon aus, dass Sie damit keine Exoten wie Erdnüsse im Sinn haben. Die Ausweitung des Sojaanbaus in nördlichere Anbaugebiete ist allerdings weniger dem Klimawandel, sondern mehr dem Zuchtfortschritt in Richtung frühreifere Sorten geschuldet.

Beste Resilienz?

Welche Sorte, welche Kultur werden Sie im Bezug auf beste Resilienz den Landwirten ans Herz legen, die diese bestenfalls bei den DLG-Feldtagen in Erwitte begutachten können?

DSV: In der Getreidezüchtung zeigen sich Erfolge unter anderem in Resistenzen gegen ertragsrelevante Virosen und Schädlinge. So ist die mehrzeilige Wintergerste Fascination resistent gegen den Gerstengelbverzwergungsvirus (BYDV), zeigt eine gute Blattgesundheit und Strohstabilität sowie sehr hohe Erträge. Ein weiterer Züchtungserfolg ist die Sorte Julia. Sie ist resistent gegen den Gerstengelbmosaikvirus (BaYMV). Ebenso erfolgreich ist die DSV Weizenzüchtung mit den Sorten Debian und Exsal, die gegen die orangerote Weizengallmücke ein Resistenzgen (Sm1) aufweisen.

Die Ertragsfähigkeit kohlhernieresistenter Rapssorten wurde in den vergangenen J ahren wesentlich gesteigert. Die in Deutschland über die Rapool-Ring GmbH vertriebene neue Sorte Cromat ist kohlhernieresistent und bringt gleichzeitig überdurchschnittlich hohe Erträge.

RAGT: Im Weizen ist es unser B-Weizen RGT Kreuzer. Eine gute allgemeine Resistenzausstattung gepaart mit hohen Ertragsleistungen, einer guten Standfestigkeit, Winterhärte und Fusariumtoleranz haben dazu geführt, dass die LWK NRW die Neuzulassung aus 2023 für alle Regionen zum Probeanbau empfohlen hat.

Der Winterraps Humboldt konnte bereits im ersten Prüfjahr insgesamt überzeugen und wird für NRW empfohlen. Abgesehen von der hohen Kornertragsleistung sind die gute Standfestigkeit und überdurchschnittliche Gesamtgesundheit positiv zu bewerten. Zu beachten sind die im Vergleich zu anderen Sorten relativ späte Blüte und die ebenfalls späte Abreife von Korn und Stroh.

RGT Alessia hat die Gelbverzwergungsresistenz (BYDV) gepaart mit gutem Hektolitergewicht und einer sehr guten Ertragsleistung. Das Bundessortenamt hat RGT Alessia in diesem Jahr neu zugelassen.

Saaten-Union: Unseren neuen Winterweizen SU Magnetron zeichnet eine hohe Resilienz aus. Er ist besonders N-effizient, frühreif, hat ein hohes Ertragsniveau bei sehr hohem Proteingehalt und verfügt somit über sichere Vermarktungsqualitäten. Er ist aktuell der standfesteste Winterweizen.

Darüber hinaus können wir bezüglich Resilienz bei Trockenheit unsere Hybridroggensorte SU Karlson empfehlen.
Bei Triticale setzen wir für die Nutzungen Korn und GPS mit unserer neuen Sorte Bicross auf Frühreife.

I.G. Pflanzenzucht: Hier haben wir mehrere sehr gute Sorten. Ich möchte die Resilienz gerne etwas untergliedern, das macht es einfacher.

Standfestigkeit: Winterweizen Director. Wintergerste: Arthene. Triticale: Fantastico. Frühreife (Stichwort Vorsommertrockenheit): Wintergerste Almut, Winterweizen Celebrity.

Gesundheit: Winterweizen Eriksen. Wintergerste: Goldmarie. Triticale: Charme. Qualität: Winterweizen Willcox (hohe und stabile Fallzahl). Hafer Karl (Sortierung, Hektoliter, Entspelzbarkeit). 

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