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Große Unsicherheit

Secobra: Politisch unruhige Zeit hat Folgen für die Getreidezüchtung

Agrarreform, Ukrainekrieg und eine Aufgabewelle bei den Schweinehaltern: All das hat Auswirkungen auf die Saatzuchtbranche. Da Neuentwicklungen lange Zeit benötigen, ist die Unsicherheit groß.

Lesezeit: 6 Minuten

Getreidezüchtung ist ein langfristiges Geschäft, Produktentwicklungszyklen von fünf, zehn oder mehr Jahren sind keine Seltenheit. Massive politische Veränderungen, wie die aktuelle Agrarreform oder das plötzliche Kriegsgeschehen in Europa stellen alle Beteiligten in der Getreideproduktion vor große Herausforderungen.

Die Folgen und weiteren Entwicklungen sind nur schwer abzuschätzen, es herrscht viel Verunsicherung und Zurückhaltung, wenn es um Entscheidungen für Investitionen geht. Das berichtete das Unternehmen Secobra am Mittwoch bei seinem aktuellen Presseupdate.

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Züchter spüren Aufgabewelle der Schweinehaltung

Die Secobra Saatzucht GmbH hatte sich 2018 gegründet und baut seit 2022 das Sortenportfolio aus - von überwiegend Winterungen mit den Sorten Asory, Campesino und Teuto hin zu mehr Sommerungen und Sortenvielfalt. Auch der Einstieg in die Hafer-, Erbsen- und Sojabohnenvermehrung sei geglückt, die Nachfrage steigt, so das Unternehmen.

Die Entwicklung der allgemeinen Vermehrungsflächen sei dabei ein Spiegelbild der Agrarpolitik und somit der noch nicht endgültig umgestalteten Agrarreform. „Wir haben die letzten Monate viele Gespräche mit unseren Kunden insbesondere den VO´s (Vermehrer-Organisationen) geführt“, sagt Holger Milk, Vertriebsleiter der Gesellschaft.

„Insbesondere bei Triticale ist ein starker Einbruch zu verzeichnen. Überwiegend als Schweinefutter eingesetzt, wirkt sich der deutliche Rückgang in der Schweinehaltung massiv auf den Anbau und die Vermehrung von Triticale aus. Konsequenterweise geben viele, insbesondere auch große Betriebe, die Tierhaltung oder ihr Geschäft als Ganzes auf. Neue politische Auflagen im Stallbau, Tierhaltung, Kennzeichnungspflichten, aber auch die gestiegenen Energie- und Futtermittelpreise bei gleichbleibend niedrigen Verkaufspreisen, bringen viele Betriebe ins wirtschaftliche Minus."

So sei der Anbau von Futtergetreide Triticale im letzzten Jahr um 5,9 % zurückgegangen, in der Vermehrungsfläche sogar um 15 %. Mittelfristig wird dies auch Auswirkungen auf die Züchtung haben, erwartet Milk.

Getreidekulturen Rückblick und Ausblick

Die Entwicklung der Kulturen spiegelt nicht recht die Hoffnung von Secobra aus 2022 wieder. Entgegen der Aktivitäten, den Ausbau der Sommerungen voranzutreiben, haben im Gesamtmarkt besonders die Winterungen 2022 zulegen können.

„Gewinner im Anbau ist Wintergerste und Raps, beides durch die Wirtschaftlichkeit der hohen Preise und guten Erträge bei der Trockenheit in 2022 getrieben“, so Holger Milk über die Entwicklung. „Auch Winterweizen hält seine Position. Insgesamt haben Winterungen 100.000 ha hinzugewonnen zu Lasten der Sommerungen. Für 2023 bleibt es spannend, welche Kultur Gewinner sein wird: Leguminosen oder Sommerweizen?“

Gerade vor dem Hintergrund politisch unruhiger Zeiten sieht sich Secobra mittel- und langfristig mit der Ausweitung der Sortenvielfalt auf dem richtigen Weg. Marktschwächen bestimmter Kulturen oder politische Einflüsse auf Abnehmergruppen können so leichter ausgeglichen werden.

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Gerstenzüchtung bei Secobra

Secobra züchtet an seinen Standorten in Lemgo und Feldkirchen seit vielen Jahren Getreidesorten. So auch Sommergerste- und zweizeilige bzw. mehrzeilige Wintergerste, mit teils unterschiedlichen Züchtungsschwerpunkten. Zielmärkte der Sommergerstensorten sind grundsätzlich Regionen mit kontinentalem Klima, Deutschland, Osteuropa und globale Märkte. Ihre Merkmale sind vor allem:

  • Ertrag und Ertragsstabilität
  • Frühreife
  • Sortierung
  • Brauqualität in Bezug auf Cytolyse, Proteolyse, Amylolyse
  • Alle Anforderungen des „Berliner Programms“
  • Pilzkrankheiten wie z.B. Mehltau, Netzflecken, Zwergrost, Remularia
  • Umweltanpassungen

Darüber hinaus kommen zukünftig weitere Herausforderungen hinzu. So zum Beispiel die Integration neuer Resistenzquellen und Verbesserung der Brauqualität bei stabiler Ertragsleistung. Auch eine verbesserte Toleranz gegenüber abiotischem Stress, wie Trockenheit, Hitze oder auch Frost, für erhöhte Ertragsstabilität soll erreicht werden.

Zahlreiche international etablierte Sorten kommen aus den deutschen Secobra Züchtungsstationen, so z.B.: Explorer, Traveller und Focus. Die mehrzeiligen Wintergerstensorten von Secobra werden vor allem für die Hauptmärkte Deutschland, Polen, Tschechien und Österreich gezüchtet. Die Züchtungsschwerpunkte liegen hierbei primär auf diesen Merkmalen:

  • Ertrag und Ertragsstabilität
  • Strohstabilität
  • Kornqualität
  • Resistenzen gegenüber Pilzkrankheiten
  • Virus Resistenzen: BYDV (yd2,3,4) und BYMV (rym2, 3, 4/5) sowie WDV

Wie auch bei der Sommergerste liegen die zukünftigen Herausforderungen ebenfalls in der Integration neuer Resistenzquellen bei stabiler Ertragsleistung. Auch die Toleranz gegenüber abiotischem Stress fließt in das Züchtungsprogramm mit ein. Nicht zuletzt in der Anpassung an neue Rahmenbedingungen hinsichtlich des immer stärker restriktierten Einsatzes von Dünger- und Pflanzenschutzmitteln liegen große Herausforderungen.

Erfolgreich etablierte SECOBRA Sorten sind beispielweise: Quadriga (2014), Contra (2020) und Teuto (2020). Ebenso wie Contra ist auch der jüngste Zulassungskandidat Integral BYDV resistent und bietet Ertragssicherheit, bei ausgewogenen agronomischem Profil und ausgezeichneter Kornqualität, wirbt das Unternehmen weiter.

Gewünschte Merkmale: Beispiel BYDV-Resistenz

Um gewünschte Eigenschaften im Getreide zu züchten, ist es wichtig, den Genotyp genau zu analysieren und herauszufinden, welche genotypischen Ausprägungen mit einem bestimmten Phänotyp assoziiert sind. So lassen sich molekulare Marker entwickeln, die anschließend zur Selektion genutzt werden.

Ganz grundsätzlich erfolgen Kreuzung und Selektion nach den mendelschen Gesetzen, die Herausforderung liegt in der Komplexität der Merkmale und Anforderungen. Nicht zuletzt die langen Entwicklungs- und Zualssungsphasen erschweren die Züchtung, die labortechnische Weiterentwicklung und moderne Ausstattung können den Prozess beschleunigen.

Am Beispiel BYDV kann mit Hilfe molekularer Marker, eine gewünschte Eigenschaft auch ohne Kentniss des Phänotyps bereits in jungen Generationen selektiert werden. Auf dem Feld zeigt sich das Ergebnis: Integral mit dem Resistenzgen yd2 gegen BYDV zeigt ein gesundes zügiges Wachstum, wohingegen die nicht resistente Vergleichssorte bereits eklatante Wachstumsdepressionen aufweist. Dies kann zu erheblichen bis hin zu totalen Ernteausfällen führen. Die Mehrkosten für ein oder mehrere Behandlungen von nicht-resistenten Sorten können dies nur zum Teil verhindern und zeigen, welchen Stellenwert die Resistenzzüchtung bereits jetzt hat.

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Einige neue Sorten im Überblick

Wintergerste Integral: Die mehrzeilige Wintergerste Integral ist eine frühe Sorte, die sich bei allgemein ausgewogener Gesundheit besonders durch seine Resistenz gegenüber dem Gerstengelbverzwergungsvirus BYDV auszeichnet. Darüber hinaus liefert sie hohe Erträge bei sehr guter Sortierung. Integral steht in jedem Bundesland im LSV zur Ernte 2023.

Winterweizen Garfield und Westport: Der frühe A-Qualitätsweizen zeigt sich besonders widerstandfähig gegen Ährenfusarium sowie Mehltau, Gelb- und Braunrost. Zudem besitzt er das SM1-Resistenzgen gegen die Orangegelbe Weizengallmücke. Der frühe Qualitäts-Grannenweizen ist auch spätsaatverträglich, ideal nach Mais. Der Winterweizen Westport ist Zulassungskandidat März 2024. Dieser gesunde Hochertragsweizen zeigt sich kurz und standfest und insbesondere gegen Gelbrost resistent.

Futtererbse Protin: Nach der Markteinführung 2022 konnte die Futtererbse Protin im vergangenen Anbaujahr ihre Qualitäten unter Beweis stellen. Protin punktet in den wesentlichen Aspekten: Standfestigkeit und Rohproteingehalt!

Sojabohne Ascada: Nicht zuletzt durch die wärmeren Temperaturen hierzulande ist der Anbau von Soja auch in Deutschland wirtschaftlich interessant. Ascada 000 liefert gleich dreifach hohe Erträge, sowohl in Korn- und Ölertrag als auch im Rohproteingehalt. Mit Standfestigkeit, gleichmäßiger Abreife und guter Verzweigungsleistung kann die Sojabohne punkten. Mit ihrer Ertragsleistung erreichte sie in den LSV Süddeutschland 113 Punkte.

Gelbhafer Stephan und Erlbek: Bereits zum Jahreswechsel wurde der neue Gelbhafer Stephan vorgestellt. Ein sehr frühes Rispenschieben, gleichmäßige Abreife von Rispe und Stroh sowie sehr gute Hektolitergewichte und Kernanteile zeichnen diese Sorte aus. Ein weiterer aussichtsreicher Kandidat ist der standfeste Gelbhafer Erlbek. Als Ertragssieger im EUSV 2022 liefert er besonders hohe Hektolitergewichte.

Sommerbraugerste Ostara: Zulassungskandidat im Dezember 2023 ist die Sommerbraugerste Ostara. Mit hohen Qualitätsund Ertragswerten erreichte Ostara nach zwei Jahren Wertprüfung eine Top-Platzierung im Index des Bundessortenamts. Mit dieser Sommerung hat Secobra aus dem eigenen Züchtungsurspung gesunder Braugersten wieder ein neue Sorte im Programm.

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