Landwirtschaft im Dialog

Starkes Bedürfnis nach Weiterentwicklung auf den landwirtschaftlichen Betrieben

Als Bundesvorsitzende der Landjugend wünscht sich Theresa Schmidt mehr Planungssicherheit von der Politik. Sie diskutiert am Mittwoch auf dem LiD-Podium in Berlin. Verfolgen Sie den Livestream.

Können wir es uns angesichts der Klima- und Ernährungskrise überhaupt leisten, auf moderne Technologien, wie z.B. CRISPR, zu verzichten? Wir wollen mit prominenten Expertinnen und Experten die Situation skizzieren und darüber diskutieren, wie eine innovative Landwirtschaft aussehen könnte, die das Ziel mehr Nachhaltigkeit und Biodiversität bei gleichzeitig höherer Produktivität erreicht. Bei unserer Veranstaltung aus der Reihe „Landwirtschaft im Dialog“ (LiD) in Berlin wollen wir am 23. November 2022 ab 19.30 Uhr mit prominenten Expertinnen und Experten über das Thema diskutieren. Wir übertragen die Veranstaltung live über unseren top agrar-YouTube-Kanal. Hierzu brauchen Sie sich nicht anmelden. Beginn des Live-Streams am Mittwoch: 19:30 Uhr.

Wir haben vorab mit Theresa Schmidt gesprochen, Landwirtin und Vorsitzende im Bund der Deutschen Landjugend.

Frau Schmidt, welche Rolle spielt das Thema Innovation generell auf dem Betrieb?

Schmidt: Das Thema Innovation spielt eine sehr wichtige Rolle auf unserem Betrieb. Blicken wir auf die letzten Jahre zurück, haben wir vor allem in unserem Schwerpunkt Ackerbau gemerkt, wie wichtig dieses Thema in Zukunft sein wird. Durch innovative Pflanzenzüchtung Pflanzen resilienter zu machen, spielt vor allem hinsichtlich der zunehmenden Dürreperioden eine wichtige Rolle. Ebenso sind erneuerbare Energien mit Blick auf die Energiewende von großer Bedeutung. Und gerade dann, wenn es um unsere Zukunft geht, gilt die Devise: Heute ist besser als morgen.

Wie nehmen Sie die öffentliche Meinung rund um das Thema moderne Landwirtschaft wahr?

Schmidt: Landwirtschaft erhält generell Wertschätzung und wir Landwirtinnen und Landwirte geben auch alles, um gesunde Nahrungsmittel zu erzeugen und das auch in Krisenzeiten. Dennoch werden vor allem negative Schlagworte wie Massentierhaltung oder Agrarindustrie mit der modernen Landwirtschaft von heute verbunden. Dabei ist die moderne Landwirtschaft gekennzeichnet durch innovative Züchtungen, Tierwohl, erneuerbare Energien, Precision Farming oder auch durch Digitalisierung. Modernste Techniken ermöglichen Einsparungen bei der präzisen Ausbringung von Pflanzenschutzmitteln. Das möchte aber kein Spaziergänger hören, der von Weitem dem Landwirt auf dem Feld zusieht und den Kopf schüttelt. In der öffentlichen Debatte rund um das Thema moderne Landwirtschaft wird oft mit Halbwissen argumentiert und das ist nicht richtig. Die Diskussion um die moderne Landwirtschaft muss faktenbasiert sein. Auch kann es nicht sein, dass im EU-weiten Kontext ein gesetzliches Ungleichgewicht herrscht, so zum Beispiel bei der Nutzung von Pflanzenschutzmitteln.

Sie sind Bundesvorsitzende der Landjugend – welche Innovationen werden unter den Mitgliedern am intensivsten diskutiert, wie stark ist das Bedürfnis nach Weiterentwicklung auf den Betrieben?

Schmidt: Das Bedürfnis nach Weiterentwicklung auf den Betrieben ist stark. Gerade junge Landwirtinnen und Landwirte stehen für eine zukunftsfähige Landwirtschaft, die gesunde und sichere Lebensmittel erzeugt und das im Einklang mit unseren Ressourcen. Themen wie Tierwohl und Digitalisierung sind dabei Dauerthemen auf den Betrieben. Auf unserem nächsten Arbeitskreis geht es um Grüne Gentechnik und auf unserem Junglandwirtekongress im Rahmen der Internationalen Grünen Woche diskutieren wir das Thema In-vitro-Fleisch. Auch der Einsatz von Drohnen und autonomes Fahren werden immer mehr zum Thema.

Generell benötigt Weiterentwicklung nicht nur Innovation in Züchtung und Technik, sondern auch in betriebswirtschaftlicher und persönlicher Ebene, so zum Beispiel bei den Themen Bürokratieabbau, Kosteneffizienz oder auch der Effizienz der eigenen Ressourcen wie der Arbeitszeit.

Was würden Sie sich von der Politik hinsichtlich der Gestaltung einer modernen Landwirtschaft wünschen?

Schmidt: Insgesamt geht das Vertrauen in die Politik verloren. Es wird nicht gehandelt und im Sinne der Betriebe entschieden. Die Planungssicherheit, die wir so dringend brauchen, fehlt.

Ich wünsche mir mehr Gespräche zwischen Politik und Praxis, um eine praxisnahe Politik zu ermöglichen. Bei zukunftsweisenden Gremien wie der Zukunftskommission Landwirtschaft und der Borchert Kommission wünsche ich mir klare Mandate und eine ausreichende Finanzierung, um unsere heimische Landwirtschaft auch noch in Zukunft erhalten zu können.

Generell wünsche ich mir eine Politik, die nicht in Legislaturperioden denkt, sondern in Jahrzehnten und Generationen, so wie es die Landwirtschaft schon immer tut.


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