Streit um Studie zum Insektensterben

Für viel Aufruhr sorgt derzeit eine Studie zum Insektensterben: Rund 75 % weniger Insekten soll es demnach in Teilen Deutschlands geben. Die Datengrundlage wird allerdings heftig diskutiert. Das sagen Wissenschaftler der Unis Göttingen, Hohenheim und Freiburg dazu...

Für viel Aufruhr sorgt derzeit eine Studie zum Insektensterben: Rund 75 % weniger Insekten soll es demnach in Teilen Deutschlands geben. Die Datengrundlage wird allerdings heftig diskutiert. Bereits 2013 meldete der Entomologische Verein Krefeld, dass sie im Vergleich zu 1989 rund 75 % weniger Masse an Fluginsekten in ihren Untersuchungen wogen. Die gesamte Messreihe bereitete der Krefelder Verein nun mit niederländischen und englischen Forschern auf, im Oktober dieses Jahres veröffentlichten sie die Studie. 

Ihre Ergebnisse: Innerhalb von 27 Jahren (1989 bis 2016) sei die Masse an Fluginsekten um 76 %, im Hochsommer um 82 %, in Schutzgebieten zurückgegangen. Die Forscher fingen die Insekten dazu stichprobenartig an 63 Orten in Nordrhein-Westfalen und Brandenburg mithilfe von sogenannten Malaise-Fallen. Das sind große Netze, in denen die Insekten nach dem Fang in Alkohol abgetötet werden. Dann wird ihr Gewicht ermittelt.

Mit Modellen übertrugen die Forscher die Daten auf westliche Schutzgebiete und bewerten die Ergebnisse als repräsentativ. Das Stichprobenverfahren beeinträchtige die Ergebnisse nicht, sagen die Forscher. Als Ursache komme nach ihren Aussagen die intensive Landwirtschaft infrage.

Auch Prof. Dr. Teja Tscharntke (Uni Göttingen) sieht in der Verwendung von Agrochemie eine plausible Ursache für das Insektensterben. Dass der Abwärtstrend der Insektenmasse unbestreitbar ist, bestätigt auch Prof. Dr. Johannes Steidle (Uni Hohenheim). Doch eine intensive Untersuchung von landwirtschaftlichen Einflüssen halte er für angebracht. Die Ergebnisse seien nach seiner Ansicht auch in nicht geschützte Ökosysteme zu übertragen.

Das sieht Prof. Dr. Alexandra-Maria Klein (Uni Freiburg) anders: Ob Insekten auch in Agrar- und Forst-Ökosystemen weniger geworden sind, sei anhand dieser Studie nicht zu sagen. Auch die Methodik sei nicht optimal. Die Stichproben seien jenseits der üblichen wissenschaftlichen Seriösität gemacht worden, zitierte die WELT kürzlich den anerkannten Statistikprofessor Walter Krämer. Auch mit dem von den Forschern verwendeten Modell sei er nicht einverstanden.

top agrar meint: Dass die Artenvielfalt sinkt, ist unbestritten. Die Landwirtschaft spielt dabei eine Rolle, ist aber mit Sicherheit nicht der alleinige Verursacher. Jetzt muss es doch darum gehen, gemeinsame Lösungen zu finden. Mit dem Greening und mit Agrarumweltmaßnahmen sind bereits Schritte gemacht. Was in dieser Diskussion aber keinem hilft, sind gegenseitige Beschimpfungen.   

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