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topplus Auf ein Wort mit dem Ausbilder

Diese Erfahrungen machen Landwirte mit der Ausbildung von Fachwerkern

Fachwerker, -praktiker oder Helfer in der Landwirtschaft sind Berufsausbildungen für Menschen mit Behinderungen. Wir haben den Ausbilder gefragt: Wie sieht der gemeinsame Arbeitsalltag aus?

Lesezeit: 4 Minuten

Die Ausbildung zum Landwirtschaftsfachwerker ermöglicht Jugendlichen mit körperlichen Beeinträchtigungen oder einer Lernbehinderung den Einstieg ins Berufsleben. Neben der Berufsschule und einem Kooperationspartner bzw. einem Trägerverein, spielt der Ausbildungsbetrieb eine entscheidende Rolle.

Bis auf den Ausbilderschein muss ein Landwirt keine besonderen Voraussetzungen erfüllen, um einen Fachwerker ausbilden zu können. Der Trägerverein stellt eine Sonderpädagogische Fachkraft bereit und sorgt beispielsweise für Nachhilfestunden oder unterstützt beim Berichtsheft. Lesen Sie hier mehr über die Ausbildung:

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Für Ausbilder auf der Suche nach motivierten Arbeitskräften kann hier eine Chance liegen: Denn junge Nachwuchskräfte sind vor dem Hintergrund des Fachkräftemangels rar. Nachdem wir uns am Wilhelm-Emmanuel-von-Ketteler-Berufskolleg in Münster informiert haben, sprachen wir mit Stefan Vogelsang, dem Ausbilder von Berufsschüler Nikolas, über seine Erfahrungen.

Hof Vogelsang: ein moderner Familienbetrieb in Ostwestfalen

Stefan Vogelsang ist der Leiter des in Rheda-Wiedenbrück (NRW) gelegenen Hof Vogelsang. Er bildete bereits zwei Landwirtschaftsfachwerker auf dem 180 ha großen Betrieb aus. Über seinen Instagramkanal @hof_vogelsang teilt er gemeinsam mit seiner Frau seinen Alltag mit Milchvieh, Sauenhaltung  und Ackerbau sowie Feld- und Technikversuchen und erreicht damit über 30.000 Menschen. Auch der angehende Fachwerker Nikolas, den wir am Berufskolleg in Münster kennenlernten, verfolgte das Social Media Profil und bewarb sich bei Vogelsang. Neben Nikolas beschäftigt der 38-jährige zwei feste Mitarbeiter, drei Aushilfen und einen angehenden Landwirt. Auch seine Frau Anne und seine Eltern packen mit an.

Eine Herzensangelegenheit

Für Stefan Vogelsang ist es aufgrund einer privaten Geschichte eine Herzensangelegenheit, Menschen mit Behinderung einen Berufsausbildung zu bieten. „Es macht außerdem viel Spaß: Er hat einen klasse Humor und bringt oft eine andere Herangehensweise mit“, erzählt der Landwirt. Allerdings gibt er auch zu, dass die Arbeit herausfordernd sein kann: „Manchmal ist es schwierig für mich, nachzuvollziehen, warum er manche Aufgaben vergisst oder nicht direkt versteht.“

Die wichtigsten Daten in Kürze:

  • Zielgruppe: Jugendliche und junge Erwachsene mit Lernschwächen und Behinderungen

  • Dauer: 3 Jahre

  • Abschluss: Landwirtschaftsfachwerker, alternativ: Werker, Fachpraktiker, Helfer

  • Betreuung: Berufsschule, Trägerverein, Ausbildungsbetrieb

  • Finanzierung: Agentur für Arbeit (variiert je nach Art und Schwere der Behinderung)

  • Ausbilderanforderung: Keine speziellen Voraussetzungen außer dem Ausbilderschein und die Anerkennung durch die Landwirtschaftskammer

  • Ziel: Zugang zur Arbeitswelt für Menschen mit Behinderungen und Lernschwächen, Verringerung von Benachteiligungen in Ausbildung und Beruf

Positives Feedback statt Druck

Nikolas arbeitet möglichst eng mit ihm zusammen, reicht ihm Werkzeuge, hilft beim Reinigen der Maschinen und aufräumen. Außerdem kontrolliert er täglich die Mastschweine, Tränken, Futter, Buchten und Lüftung. „Das klappt ganz oft gut, wir gehen aber immer hinterher. Manchmal übersieht er Dinge oder verstellt die Automaten“, sagt Vogelsang. Er weiß: „Am besten schreibt man die Aufgaben auf einen Zettel. Wir loben viel und feiern kleine Erfolge. Nikolas ist durch Stolz und Motivation besser drauf. Mit Aussagen wie „Streng dich mehr an“ oder „Beeil dich“ funktioniert das nicht.“

Mehr Unterstützung gewünscht

Das Gehalt zahlt der Träger vollständig, in Nikolas Fall handelt es sich um das Kolpingwerk. Eine spezielle Weiterbildung hat Vogelsang nicht machen müssen. Ein Ausbildungsberater sichtete die künftige Arbeitsstelle und klärte ihn über alle Besonderheiten auf. Denn der Betrieb muss den speziellen Bedürfnissen der Auszubildenden schlussendlich gerecht werden.

Zwar muss man sich bewusst sein, dass der Azubi nicht einfach eine günstige Arbeitskraft ist. Aber man bekommt viel zurück. Es ist eine sehr dankbare Aufgabe.
Stefan Vogelsang

Dazu gehören beispielsweise Sicherheitsunterweisungen und Anpassungen für mehr Barrierefreiheit am Arbeitsplatz. Für Nikolas waren neue Werkzeuge und ein eigener Hoftruck vorgesehen. Doch nachdem Vogelsang den Antrag für die Maschine stellte, fiel der finanzielle Zuschuss mit rund einem Zehntel der ursprünglichen Summe verschwindend gering aus. „Da ist noch Luft nach oben: Uns wurde am Anfang mehr Unterstützung vom Arbeitsamt versprochen. So auch bei der Erstattung der Schäden, denn es geht öfter was kaputt.“

Dennoch kann sich Vogelsang bei den passenden Bewerbern vorstellen, weiterhin Landwirtschaftsfachwerker auszubilden. „Zwar muss man sich bewusst sein, dass der Azubi nicht einfach eine günstige Arbeitskraft ist. Aber man bekommt viel zurück. Es ist eine sehr dankbare Aufgabe.“

Umfrage: Bewerten Sie Ihre Ausbildung!

Wir haben unter dem Namen ZukunftsCheck eine Umfrage gestartet, die sich mit der Ausbildung zum Landwirt, Tierwirt und zur Fachkraft Agrarservice befasst. Dabei gibt es einen Fragebogen für Auszubildende und einen, der sich an die Ausbilder richtet.

Hier geht's noch bis zum 23. Juni zur Umfrage: topagrar.com/zukunftscheck2024

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