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Soziale Landwirtschaft: Was bringt sie für den Hof?

Die Kombination von Landwirtschaft mit sozialer Arbeit ist eine kleine, aber wachsende Nische. Die heilsamen Effekte für die betreuten Menschen sind unbestritten. Wird die Arbeit auch fair entlohnt?

Lesezeit: 4 Minuten

Landwirtschaftliche Familienbetrie­be öffnen sich zunehmend für Menschen mit Behinderungen. Sei es, dass sie eine geistige oder körperliche Beeinträchtigung haben oder dass sie sich in besonderen Problemlagen befinden.

Schnell gelesen

  • Es gibt viele Förderquellen für Höfe mit Sozialer Landwirtschaft. Die Betriebsleiter müssen sie aber selbst akquirieren.

  • Der Hof Grafel bietet einer Mitarbeiterin der örtlichen Behindertenwerkstatt einen sog. Außenarbeitsplatz auf dem Hof.

  • Christin Ebenbeck kooperiert mit einem Kinderzentrum und hat daraus unterschiedliche Förderangebote entwickelt.

Für die zu betreuenden Menschen bringt das Leben und Arbeiten auf dem Hof viele Vorteile mit sich. So unterstützen Naturerfahrungen, tiergestützte Therapien und das familiäre Umfeld auf den Höfen die Heilung und das Wohlbefinden. Manchmal geht es aber auch darum, einen Arbeitsplatz zu schaffen, der maßgeschneidert den individuellen Bedürfnissen der behinderten Menschen gerecht wird.

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Die Betriebsleiter treibt hingegen oft der eigene Idealismus an. Wenn dann –was häufig vorkommt – viel positives Feedback von den betreuten Menschen zurückkommt, verstärkt sich der Wunsch, diesen Zweig auszubauen.

Eigener Betriebszweig

Was die Investitionen und den Arbeitsaufwand betrifft, hat die Soziale Landwirtschaft auf etlichen Höfen bereits die Bedeutung eines eigenen Betriebszweiges erreicht. Dr. Viktoria Lofner-Meir, Vorsitzende des Vereins Soziale Landwirtschaft in Bayern, die Höfe auf diesem Weg unterstützt, beobachtet aber, dass in diesem Zweig die Kosten noch zu wenig kalkuliert werden. „Die Betriebsleiterinnen und Betriebsleiter müssen auch ihre Festkosten und Arbeitszeit zu einem angemessenen Stundenlohn in Ansatz bringen“, mahnt die frühere Referatsleiterin für Beratung und Qualifizierung für Landfrauen und Einkommenskombination am bayerischen Landwirtschaftsministerium.

Vor einem Einstieg sollte sich die ­Familie überlegen, ob sie die Zeit und das notwendige soziale Engagement für diesen Schritt hat, rät die Expertin. ­Zudem muss der Schritt ökonomisch durchleuchtet werden. Beispiele für Kalkulationen zu Projekten mit Sozialer Landwirtschaft hat die Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft erstellt.

Vielfältige Förderlandschaft

Hinzu kommt: Zwar können die Betriebe fast immer eine Förderung erhalten, die Angebote sind aber sehr viel­fältig und für Laien nur schwer durchschaubar. Zudem müssen die Betriebsleiter die Fördermittel meist selbst ­akquirieren.

„Zunächst ist zu klären, um welche Zielgruppe es bei der Sozialen Arbeit auf dem Hof geht“, sagt Kerstin Rose, Beraterin für Soziale Landwirtschaft am Landwirtschaftsamt Passau. Mögliche Anlaufstellen sind staatliche Einrichtungen, wie die Sozialverwaltung der Bezirke und die Jugendämter. Hilfe gibt es oft auch von den Pflegekassen.

Investitionen in die Soziale Landwirtschaft können als Diversifizierungsmaßnahme über die Einzelbetriebliche Investitionsförderung (EIF) mit 25 % bezuschusst werden. „Dafür braucht es aber ein solides Finanzierungskonzept und es bleibt immer eine Einzelfall­entscheidung“, ergänzt die Beraterin.

Zum Teil sind Betriebe mit Sozialer Landwirtschaft über das LEADER-Programm förderfähig, z. B im Bereich Bürgerengagement. Die Chancen für eine Förderung steigen, wenn Betriebsleiter an einem mehrtägigen Seminar zur Betriebszweigentwicklung „Soziale Landwirtschaft“ teilgenommen haben, die die Landwirtschaftsverwaltung in Bayern anbietet. Der nächste Infotag dazu findet am 18. Juli 2024 statt.

Investitionen in betreutes Wohnen lassen sich in Bayern über das Programm „PflegesoNah“ bezuschussen, mit dem die Pflegeinfrastruktur ausgebaut werden soll.

Kooperationen mit sozialen Einrichtungen

Hilfreich sind Kooperationen mit sozialen Einrichtungen und ihren Trägern, weil sie sich oft selbst um die Akquise der Fördermittel kümmern (siehe  Reportage Seite 47). Manche Patienten verfügen über ein persönliches Budget für die Freizeitgestaltung, mit denen sie Angebote auf Höfen bezahlen können.

Bei  Menschen mit Pflegegrad  besteht die Möglichkeit, Leistungen der Pflegekasse, wie den Entlastungsbetrag von 125 €/Monat oder die Verhinderungspflege von 1.612 €/Jahr einzusetzen, ggf. auch einen Teil der Kurzzeitpflege.

Wenn keine der genannten Anlaufstellen hilft, kann man sich auch  an Stiftungen wenden. Als letzter Weg bleibt das Crowdfunding, z. B. über die Gründung eines Fördervereins.

Ein weiteres Feld der Sozialen Landwirtschaft ist die Beschäftigung eines behinderten Mitarbeiters – als Alternative zur Behindertenwerkstatt. Gerade die Landwirtschaft mit ihrem vielsei­tigen Arbeitsumfeld bietet dafür oft gute Möglichkeiten. Welches Beschäf­tigungsmodell dabei infrage kommt, hängt vom Einzelfall ab. Mehr dazu lesen Sie in der folgenden Reportage vom Hof Grafel und dem Projekt von Christin Ebenbeck.

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