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Die Hofladentür bleibt zu: „Kein Schlachter und keine Kunden“

Zwei Jahre nach Eröffnung schloss Familie Streek Anfang Juni ihren Hofladen. Die Ukraine-Krise, hohe Kosten und die Lage des Hofes sind nur drei der Gründe, warum die Vermarktung nicht rentabel war.

Lesezeit: 4 Minuten

Dieser Beitrag stammt aus der HOFdirekt, der Fachzeitschrift für Direktvermarkter. Weitere Informationen zu diesem Thema, mehr Fotos und weitere spannende Themen rund um die Direktvermarktung finden Sie unter www.hofdirekt.de

Der Betrieb von Michael Streek und seiner Frau Zuzana liegt am Ortsrand von Rahden, einer Stadt mit etwa 15.500 Einwohnern im äußersten Norden von Nordrhein-Westfalen. Rahden gehört zum Kreis Minden-Lübbecke. Hier eröffnete Familie Streek vor zwei Jahren einen Hofladen.

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Michael (48) und Zuzana (40) Streek hielten auf dem Höhepunkt der Vermarktung über 50 Angler Sattelschweine. Das Fleisch wurde tiefgefroren angeboten, außerdem gab es Wurst der eigenen Schweine. Ein Zukaufsortiment aus Wein, Dips, Kräutern und Eingelegtem ergänzte das Angebot. Zwei Jahre nach der Eröffnung schloss die Familie ihren Hofladen nun wieder. Im HOFdirekt-Interview erzählen die Betriebsleiter, wie es dazu kam.

HOFdirekt: Wie sind Sie zur Direktvermarktung gekommen?

Streek: Wir spielten schon lange mit der Idee, Angler Sattelschweine zu halten, und nahmen 2018 7 ha unserer verpachteten Flächen zurück, um darauf die Tiere zu halten und das Futter anzubauen. Die Schweine wurden über einen Zeitraum von einem Jahr auf etwa 120 kg gemästet, von einem Schlachter in der Nähe geschlachtet und dann von einem Metzger verarbeitet. 2021 haben wir den Hofladen eröffnet, um unsere Produkte dort direkt zu vermarkten.

HOFdirekt: Wie lief die erste Zeit?

Streek: Wir öffneten den Laden Ende Juni 2021 und konnten bis Jahresende 20.000 € brutto erlösen mit viel Aufwand und Werbung. Wir waren sicher, dass es im Jahr 2022 weiter bergauf geht, und kalkulierten den doppelten Umsatz. Wir dachten, dass wir mit unserer Fleischqualität und der Art, wie wir unsere Tiere halten, die Kunden überzeugen können. Stattdessen haben wir im gesamten Jahr 2022 nur 10.000 € umgesetzt.

Es kamen keine Kunden mehr

HOFdirekt: Jetzt schließen Sie Ihren Hofladen. Was führte am Ende zu dem Entschluss?

Streek: Ausschlaggebend war am Ende, dass keine Kunden mehr in den Hofladen kamen. Wir halten unsere Schweine ganzjährig im Freiland und mästen sie mindestens ein Jahr lang. Artgerechter kann man Schweine nicht halten, dazu haben wir eine exzellente Fleischqualität, aber eben auch die dreifachen Kosten wie konventionelle Turbomast. Doch die Kunden waren einfach nicht mehr bereit, für 100 % Tierwohl und Produkte ohne Geschmacksverstärker höhere Preise zu zahlen.

Daneben hat unser Schlachthof zum 1. Januar diesen Jahres aufgehört, Schweine zu schlachten. Damit brach unsere mittlerweile gut eingespielte Verarbeitungskette zusammen. Die Kette neu aufzubauen, ist uns nicht gelungen. Es gibt kaum noch Schlachter, und die wenigen verbliebenen haben Personalnot und sind zu mehr als 100 % ausgelastet. Sie haben kaum Interesse daran, uns zu unterstützen, denn wir als Wiederverkäufer machen aus ihrer Sicht viel Arbeit, es gibt viel zu besprechen, und das für minimalen Umsatz.

HOFdirekt: War der Verkauf der Ware an den Lebensmitteleinzelhandel, an Berufskollegen oder an die Gastronomie eine Option?

Streek: Ja, wir haben darüber nachgedacht und einen Wiederverkauf kalkuliert. Allerdings treiben Margenerwartungen von 30 bis 40% die Endverbraucher-Preise für unsere Produkte in absurde Höhen. Und wir müssen ja auch noch daran verdienen.

Wir konnten einige Schweine an ein Vier-Sterne-Restaurant bei uns im Ort verkaufen. Hier waren die Fleischqualität, die Haltungsweise und die Regionalität entscheidend. Allerdings wollten die Gäste dort größtenteils Schnitzel essen. Somit hatte das Restaurant dann die Kühltruhe voll mit unserem Fleisch, aber kein Schnitzelfleisch mehr. Deshalb war die Nachfrage, was diesen Absatzweg angeht, auch nicht konstant.

"Es tut schon weh"

HOFdirekt: Wie groß ist der Schaden?

Streek: Unsere finanziellen Ressourcen sind aufgebraucht. Wir haben für den Hofladen, die Einrichtung und die Produkte 130.000 € investiert. Dies tut schon weh. Wir haben für unsere Tiere und für die Direktvermarktung gebrannt. Die Situation fühlt sich schrecklich an, und trotzdem wissen wir, dass die Entscheidung richtig ist. Wir haben alles probiert, es sollte nicht sein, und wir ziehen die Notbremse.

HOFdirekt: Wie geht es nun weiter?

Streek: Wir haben gehofft, wenigstens die Schweine weiter züchten zu können und doch noch irgendeinen Weg zu finden. Aber das funktioniert nicht, weil der Schlachter fehlt. Dies ist für uns auch persönlich das Schlimmste, dass wir jetzt unsere Zuchttiere in fremde Hände geben müssen. Die Flächen werden wir wohl behalten, um Ackerbau zu betreiben. Im Herzen sind und bleiben wir Landwirte.

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