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topplus Wieder Streit um Biokraftstoffe

Branche weist Kritik an vermeintlich klimaschädlichen Biokraftstoffen zurück

Nach einer neuen Studie seien Agrokraftstoffe aufgrund ihres Flächenbedarfs klimaschädlicher als bisher bekannt. Die Autoren haben einige Fakten ausgeblendet, hält die Biokraftstoffbranche dagegen.

Lesezeit: 7 Minuten

Derzeit sind mehr als 1,2 Mio. ha Ackerflächen rund um den Globus für den Anbau von Raps, Getreide & Co. zur Produktion von Biokraftstoffen für deutsche Diesel- und Benzinautos belegt. Das zeigt eine neue Studie des ifeu-Instituts im Auftrag der Deutschen Umwelthilfe (DUH). Dieser immense Flächenverbrauch mache den „angeblichen Klimavorteil von Agrokraftstoff gegenüber fossilem Sprit" mehr als zunichte. Denn statt Monokulturen könnte sich auf einer Fläche dieser Größe auch natürliche Vegetation entwickeln, die große Mengen an CO₂ binde. Die DUH fordert deshalb, die Förderung von Agrokraftstoffen in Deutschland und in der EU sofort zu beenden.

Dem halten Biokraftstoffverbände entgegen, dass Biodiesel, Bioethanol und Biomethan strenge Nachhaltigkeitsanforderungen erfüllen müssen, dass beim Rapsanbau gentechnikfreies Eiweißfutter entsteht und die Kosten der DUH-Vorschläge völlig im Dunklen bleiben:

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DUH: Biodiesel gehört nicht in den Tank

„Diesel aus Raps, Soja oder Palmöl und Benzin aus Getreide gehören nicht in den Tank. Unsere Studie zeigt: Der Anbau von Pflanzen für die Produktion von sogenannten 'Bio-Kraftstoffen' schadet dem Klima und der biologischen Vielfalt“, resümiert Sascha Müller-Kraenner, Bundesgeschäftsführer der DUH.

Die Studie ermittelt den Klimavorteil bei alternativer Nutzung der jetzigen Anbauflächen über einen Zeitraum von 30 Jahren. Die Berechnungen zeigen, dass pro Jahr durchschnittlich 16,4 Mio. t CO₂ aus der Atmosphäre gebunden werden könnten, wenn man auf einer Fläche in Größe der heutigen Anbaufelder natürliche Vegetation wie Wald wieder aufwachsen ließe. Das seien 7,2 Mio. t CO₂ mehr, als die Nutzung von Agrokraftstoffen in Deutschland laut amtlichen Angaben in 2020 eingespart hat. Der sofortige Ausstieg aus Agrokraftstoffen würde in Deutschland und weltweit eine Flächenentlastung schaffen.

Fläche für Solarstrom nutzen

Die Studie zeigt außerdem, dass sich erneuerbare Antriebsenergie für Fahrzeuge „auch ohne immense Flächenverschwendung“ herstellen ließe: Für die gleiche Kilometerleistung benötigt die Erzeugung von Solarstrom für E-Fahrzeuge 97 % weniger Fläche als die Produktion von Agrokraftstoff für Verbrennerfahrzeuge.

Gemeinsam mit den Fridays for Future-Aktivisten Frida Mühlhoff und Jannis Krüßmann hat die DUH eine Petition im Rahmen der EU-weiten Kampagne #beyondburning gestartet. Diese fordert die EU auf, die Förderung für „Agrokraftstoffe“ und die Förderung für das Verbrennen von Waldholz zur Energieerzeugung insgesamt einzustellen, weil sie die Klimakrise nicht eindämmen, sondern zusätzlich befeuern würden.

VDB: „Abschied von den Klimazielen im Verkehr“

„Mit ihrer Studie zu Biokraftstoffen verabschiedet sich die Deutsche Umwelthilfe von den Klimazielen im Verkehr für das Jahr 2030“, sagte Elmar Baumann, Geschäftsführer beim Verband der Deutschen Biokraftstoffindustrie (VDB). Die Umwelthilfe wolle offenbar ausschließlich die E-Mobilität fördern und mehr Solarstrom produzieren, um den Treibhausgasausstoß im Verkehr zu senken. „Aber selbst wenn die ehrgeizigen Ziele der Bundesregierung erreicht werden und 15 Mio. Elektroautos im Jahr 2030 in Deutschland fahren, sind noch über 30 Mio. Verbrenner auf der Straße. Dieser Fahrzeugbestand kann in den nächsten Jahren nur mit nachhaltig produzierten Biokraftstoffen klimafreundlicher fahren“, betont Baumann.

Nach geltender Gesetzeslage würden Biokraftstoffe bis zum Jahr 2030 den größten Beitrag zum Klimaschutz im Straßenverkehr leisten. „Weder Stromgewinnung noch Aufforstung können fossiles Benzin oder Diesel substituieren. Die Umwelthilfe will also Klimaschutz auf den Sankt-Nimmerleinstag verschieben, anstatt heute die Emissionen zu senken“, sagte Baumann. Biokraftstoffe mindern den Treibhausgasausstoß im Vergleich zu fossilen Kraftstoffen um 67 bis über 90 %. Nach Angaben der Bundesanstalt für Ernährung und Landwirtschaft (BLE) haben Biodiesel, Bioethanol und Biomethan im Jahr 2020 den CO₂-Ausstoß um 13,2 Mio. t reduziert.

Eiweißfutter nicht berücksichtigt

Unter anderem kritisiert die DUH den Flächenverbrauch für Biokraftstoffe aus Agrarrohstoffen, zum Beispiel durch den Anbau von Raps. „Wenn die Umwelthilfe anstatt des Raps lieber Photovoltaikanlagen aufbauen möchte, muss sie erklären, woher das dadurch entfallende Rapsschrot, das wichtigste heimische Eiweißfuttermittel, kommen soll“, betont Baumann. Außerdem wäre die Fruchtfolge gestört, deren wertvolles Glied Raps als tiefwurzelnde Blattfrucht sei. Raps werde nur alle drei Jahre auf einem Feld angebaut und sei keine reine Energiepflanze, wie es die Umwelthilfe behauptet, sondern böte vielfältige Nutzungsmöglichkeiten.

Aus der Rapsernte entsteht zu etwa 40 % Pflanzenöl, das als Nahrungsmittel verwendet oder zu Biodiesel verarbeitet werden kann, und 60 % eiweißreiches Tierfuttermittel, das Sojaimporte aus Südamerika ersetzt. Raps wurde bereits angebaut, bevor Biokraftstoffe für den Verkehrssektor eine Rolle gespielt haben.

Studie ignoriert Nachhaltigkeitsvorgaben

Die DUH will insbesondere Flächen mit einem besonders großen Kohlenstoff-Speicherpotenzial wie entwässerte Moore renaturieren. Jedoch verbiete die deutsche und europäische Nachhaltigkeitsgesetzgebung, dass Kohlenstoffsenken für den Anbau von Rohstoffen für die Biokraftstoffherstellung genutzt würden. „Rohstoffe für Biokraftstoffe dürfen nicht auf Flächen angebaut werden, die nach 2007 entwässert worden sind. Die Umwelthilfe sollte sich mit der geltenden Gesetzgebung auseinandersetzen, bevor sie Forderungen nach der Abschaffung einer der wenigen wirksamen Klimaschutzmaßnahmen im Verkehr aufstellt“, sagte Baumann.

Das deutsche Klimaschutzgesetz schreibt vor, dass die Emissionen im Verkehr bis zum Jahr 2030 von derzeit 148 Mio. t auf 85 Mio, t CO2 sinken müssen.

UFOP/BDBe: Kein kompletter Umstieg auf E-Autos

Auch aus Sicht der Union zur Förderung von Oel- und Proteinpflanzen e.V. und dem Bundesverband der deutschen Bioethanolwirtschaft (BDBe) stellt die DUH den amtlich zertifizierten Klimaschutzbeitrag nachhaltiger Biokraftstoffe völlig zu Unrecht in Frage. Die DUH vermittele den falschen und am tatsächlichen Handlungsdruck vorbeigehenden Eindruck, dass der derzeitige Fahrzeugbestand von mehr als 55 Mio. Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor mit Solarstrom angetrieben werden könne. Tatsächlich würden nachhaltige heimische Biokraftstoffe aus Anbaubiomasse und aus Reststoffen auch in den kommenden Jahrzehnten eine tragende Rolle bei der Energiewende im Straßenverkehrs spielen und Energieversorgungssicherheit sicherstellen.

Zusätzliche Kosten nicht berücksichtigt

UFOP und BDBe kritisieren, dass die Autoren der Studie nicht darauf eingehen, welche Kosten der Aufbau einer derartig großen Kapazität an Solaranlagen verursacht oder wie die Finanzierung des Vorhabens gesichert werden soll. Auch finden weder der Verlust an Einkommen auf Seiten der Landwirte durch die alternative Nutzung des Grund und Bodens Berücksichtigung, noch die Kosten für die Umstellung der Fahrzeugbestandsflotte auf Elektromobilität.

Auch beantworte die DUH nicht, wie die Einsparung klimaschädlicher Treibhausgase kurzfristig kompensiert werden soll, wenn nachhaltige Biokraftstoffe nicht mehr eingesetzt werden. Autos, die heute teilweise mit nachhaltigen Biokraftstoffen mit einer durchschnittlichen THG-Einsparung von über 90 % betankt werden, verschwinden nicht einfach von Deutschlands Straßen, wenn Biokraftstoffe vom Markt genommen werden.

Hier entstünden bei Nichterfüllung der im Bundes-Klimaschutzgesetz vorgesehenen Minderungsvorgaben tatsächlich Opportunitätskosten, weil die Bundesregierung gezwungen wäre, aus Steuermitteln Emissionsrechte von anderen Mitgliedsstaaten zu kaufen. Die derzeit im Verkehrssektor verbrauchte Energie besteht zu 92,5 % aus fossilen Energieträgern. Lediglich 7,5 % seien erneuerbar. An den erneuerbaren Energien machen biomassebasierte flüssige und gasförmige Kraftstoffe rund 90 % aus, bezogen auf den Straßenverkehr sogar über 98 %. Bis zum Jahr 2030 werden Bioethanol, Biodiesel und Biomethan schätzungsweise rund 120 Mio. t Treibhausgase im Verkehr eingespart haben.

Biokraftstoffe bleiben sofort verfügbare Alternative

Nachhaltige Biokraftstoffe auf Basis europäischer Agrarrohstoffe sind für die UFOP und den BDBe eine sofort verfügbare und für Verbraucher bezahlbare Alternative zu Benzin und Diesel. Ihre Produktion sichere Wertschöpfung und Arbeitsplätze im ländlichen Raum und trage mit den gleichzeitig hergestellten Koppelprodukten, vor allem gentechnikfreie Proteinfuttermittel, dazu bei, Lebens- und Futtermittelimporte aus Drittstaaten zu reduzieren.

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