Unkonventionelles Erdgas

Verlinden: "Fracking birgt immense Gefahren!"

Die Expertenkommission übergibt dem Bundestag wissenschaftlichen Bericht zum Fracking in unkonventionellen Lagerstätten. Die Grünen-Sprecherin für Energiepolitik kommentiert das.

Die offizielle Expertenkommission der Bundesregierung hat ihren letzten und abschließenden Bericht über Risiken der unkonventionellen Erdgasgewinnung (Fracking) übergeben. Im vergangenen Jahr hat die Kommission drei Studien durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung beauftragen lassen, um den aktuellen Stand von Wissenschaft und Technik hinsichtlich der Umweltauswirkungen von Fracking aus unkonventionellen Lagerstätten zusammenfassen zu können. Als unkonventionelle Lagerstätten gelten solche, in denen Erdöl bzw. Erdgas in den Muttergesteinen Schiefer-, Mergel-, Ton- und Kohleflözgestein in kleinen Poren eingeschlossen ist.

Aus den beauftragten Studien hat die Expertenkommission Kernaussagen abgeleitet und bewertet. Betrachtet wurden Methanemissionen, Monitoringkonzepte für Grundwasser und Oberflächengewässer sowie mögliche Risiken durch dadurch ausgelöste Erdbeben („induzierte Seismizität“).

Keine klare Position

Die Kommission befürwortet die Technik nicht ausdrücklich, schließt sie aber auch nicht grundsätzlich aus. „Der aktuelle Stand der Wissenschaft und Technik ist in diesem Bericht zusammengefasst und beruht ausschließlich auf internationalen Erfahrungen und hypothetischen Szenarien für Deutschland“, schreibt die Kommission. Aus den drei dazu beauftragten Studien leiten die Wissenschaftler u.a. folgende Kernaussage ab: Die Studien zeigen, dass sich die Umweltrisiken aufgrund von Fracking unkonventioneller Lagerstätten durch eine angepasste Steuerung und Überwachung der Maßnahmen minimieren lassen. Jedes Gebiet habe jedoch eine andere Gesteinsformation, die eigene Schutzmaßnahmen erforderlich machen.

Jetzt ist eine politische Entscheidung gefragt

Zu dem im Mai veröffentlichten Berichtsentwurf haben sich Nichtregierungsorganisationen, Bürgerinitiativen sowie Bürger kritisch im Hinblick auf Klima- und Umweltschutz zur Gewinnung von Kohlenwasserstoffen durch Fracking aus unkonventionellen Lagerstätten geäußert. Deren Hinweise, Fragen und Kommentare wurden bei der Überarbeitung des Berichtes berücksichtigt.

Mit dieser fachlichen Grundlage zum Stand von Wissenschaft und Technik bezüglich der Auswirkungen von Fracking unkonventioneller Lagerstätten auf die Umwelt, insbesondere den Untergrund und den Wasserhaushalt, kann nach Einschätzung der Expertenkommission Fracking die Prüfung des Deutschen Bundestages zur Angemessenheit des Verbots für Fracking in unkonventionellen Lagerstätten (nach § 13a Wasserhaushaltsgesetz, WHG Absatz 1) vorgenommen werden. Ob die Option von Fracking in unkonventionellen Lagerstätten in Betracht gezogen wird, müsse jetzt einem umfassenden politischen Abwägungs- und Entscheidungsprozess unterzogen werden. Bei diesem müssten neben klimapolitischen Aspekten auch gesellschafts-, wirtschafts- und gesundheitliche Belange betrachtet werden.

Der Bericht steht auf der Webseite der Expertenkommission Fracking zur Verfügung.

Verlinden fordert Ausschluss von Fracking-Förderung

„Fracking zur Erschließung von Gas- oder Ölvorkommen birgt immense Gefahren für Mensch und Umwelt und widerspricht den Pariser Klimazielen“, erklärt Julia Verlinden, Sprecherin für Energiepolitik der Bundestagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen. Sie spricht sich daher für den Fortbestand des Auschlusses einer Förderung von fossilen Rohstoffen durch Fracking aus. Selbst die Expertenkommission habe in ihrem vorerst letzten Bericht erkannt, dass sich die Rahmenbedingungen seit ihrer Einberufung tiefgreifend verändert haben.

Mit Blick auf den Beschluss des höchsten deutschen Gerichtes zum Klimaschutz hätte die Bundesregierung die für dieses Jahr angesetzte Überarbeitung der Frackinggesetzgebung frühzeitig angehen müssen. „Stattdessen verharrt sie trotz neuer Klimaziele im fossilen Zeitalter und unterstützt sogar noch die Bestrebungen für den Neubau fossil genutzter Infrastrukturen wie das Flüssiggas-(LNG-)Terminal in Brunsbüttel zum Import von Frackinggas“, kritisiert Verlinden. Dabei sei klar: Klimaschutz sei eine globale Aufgabe. Anstatt ungebremst fossile Rohstoffe aus dem Boden zu pressen und dabei besonders klimaschädliche Methanleckagen zu verursachen, sei weltweit ein massiver Ausbau der erneuerbaren Energien nötig.

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