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topplus Diskussion um Holz

Ohne Energie aus Holz sind Energiekrise und Klimaziele nicht zu bewältigen

Die Bundesregierung plant das Heizen mit Holz einzuschränken oder ganz zu verbieten. Das hätte fatale Folgen auch für den Klimaschutz, warnt der Fachverband Holzenergie.

Lesezeit: 5 Minuten

Holz ist für die Strom- und Wärmegewinnung mit einem Anteil von 31 % aller erneuerbaren Energien das Zugpferd der Energiewende. „Im Wärmebereich allein ist Holz mit einem Anteil von drei Vierteln der erneuerbaren Energien absolut dominierend“, betont Sebastian Henghuber, Vorstand der MW Biomasse AG aus Bayern und Vorstandsmitglied des Fachverbandes Holzenergie (FVH). Wie Henghuber auf einer digitalen Pressekonferenz anlässlich des am 8. und 9. November in Würzburg stattfindenden 22. Fachkongresses Holzenergie deutlich macht, kommt Holz bei der verlässlichen sowie klimaschonenden Energieversorgung aus heimischen Quellen eine zentrale Rolle zu.

Abschöpfung von Strommarkterlösen wäre fatal

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Mit Blick auf aktuelle Herausforderungen der Holzenergie ergänzt Julia Möbus, Geschäftsführerin des Deutschen Säge- und Holzindustrie Bundesverbandes (DeSH) und ebenfalls FVH-Vorständin: „Obwohl die aktuelle Energiekrise nochmals verdeutlicht hat, dass wir dringend die Abkehr von fossilen Energien schaffen müssen, sieht sich die Branche derzeit großen, teilweise existenzbedrohenden Herausforderungen gegenüber.“ Dazu zählt sie u.a. den aktuell diskutierten Entwurf des Bundeswirtschaftsministeriums zur rückwirkenden Abschöpfung von Strommarkterlösen. Dieser verkennt, dass auch Holzheizkraftwerke mit deutlich gestiegenen Brennstoffkosten konfrontiert sind. Eine rückwirkende Abschöpfung sei nicht nur ein massiver Vertrauensverlust, sondern könnte für viele Anlagenbetreiber von Holzheizkraftwerken das Ende ihrer Existenz bedeuten, da diese Erlöse vielfach bereits neu investiert wurden.

EU-Ziele behindern Klimaziele

Auch die aktuell auf EU-Ebene diskutierten Entwürfe für die Überarbeitung der Erneuerbare-Energien-Richtlinie (RED III) passen laut den FVH-Vorständen nicht zu den Zielen für Klimaschutz und den Ausbau erneuerbarer Energien. Henghuber kritisiert: „Angesichts des Zeitdrucks beim Klimaschutz und der nochmals deutlich angehobenen Ziele der EU für den Ausbau erneuerbarer Energien ist es entscheidend, dass Energie aus Waldholz nicht zur erneuerbaren Energie zweiter Klasse degradiert wird. Die Energiewende und der Waldumbau zur Klimaanpassung erfordern beide, dass die energetische Verwertung von Holz aus Waldpflegemaßnahmen oder Ernteresten förderfähig und voll als erneuerbare Energie anrechenbar bleibt.“

Im September hatte sich das EU-Parlament dafür ausgesprochen, dass so genannte „Primäre Holzbiomasse“, also Waldholz, die Förderfähigkeit verlieren soll und nicht über den Anteil hinaus, den es 2017 bis 2022 am Endenergieverbrauch hatte, auf die Ziele für erneuerbare Energien der EU-Mitgliedsstaaten anrechenbar sein kann. Die EU- Kommission und der Europäische Rat lehnen die Forderung des Parlaments ab und verhandeln dazu voraussichtlich noch bis Ende des Jahres im so genannten Trilogformat mit dem EU-Parlament.

Biomassestrategie darf Holz nicht ausbremsen

Mit Blick auf die von der Bundesregierung zu erarbeitende Nationale Biomassestrategie appelliert FVH-Vorständin Möbus an die Bundesregierung: „Die Biomassestrategie muss die Grundlage zur Abkehr von fossilen Ressourcen durch erneuerbare und nachwachsende Quellen bilden. Die Holzenergiebranche ist bereit, ihren Beitrag zur Lösung der Energie- und Klimakrise zu leisten. Um die Vielfalt der Holzenergie, aber auch ihre Potenziale nicht von Beginn an auszubremsen, bedarf es eines ausgewogenen Dialogs über Verfügbarkeiten und effiziente Einsatzgebiete, bevor durch Gesetze Fakten geschaffen werden.“

Kritik an Feinstaub nicht berechtigt

Ein weiteres Argument der Holzenergiegegner ist der Feinstaub. „Das Bundesumweltministerium diskreditiert mit diesem Argument die komplette Holzenergie. Dabei gibt es einen großen Unterschied von Zentralheizungen mit Lambdasondensteuerung und ineffizienten Einzelraumöfen“, sagt Henghuber. Bei modernen Holzzentralheizungen misst die Lambdasonde den Restsauerstoff und optimiert mit der Zuführung von Sauerstoff den Ausbrand. Zudem sind sie mit Filtereinheiten ausgestattet, um den Feinstaubausstoß zu minimieren. Das alles gibt es bei ungeregelten Holzöfen nicht.

„Es passt nicht ins Bild, dass die Bundesregierung die Förderung vom Austausch von Öl- oder Gasheizungen gegen moderne Holzheizungen reduziert hat“; kritisiert Möbus. Denn im August hat der Gesetzgeber den Zuschuss für Holzheizungen in der Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG) von maximal 55 % auf 20 % gekürzt. „Damit macht man die Feinstaubreduktion, die technisch möglich wäre, faktisch unattraktiv. Jetzt werden alte Heizungen weiter betrieben und der Wechsel eher verhindert“, resümiert sie.

Starke Nachfrage nach Holz

Ungeachtet von der politischen Diskussion ist die Nachfrage nach Holz extrem hoch. Besonders zu spüren war das bei den Holzpellets, deren Preis im Sommer um mehr als das Vierfache auf über 800 €/t gestiegen war. Bislang hatte die Pelletbranche immer damit geworben, dass die Pelletpreise unabhängig von fossilen Rohstoffen sei. Der extreme Preisanstieg hat zu einem starken Imageverlust geführt. „Der Preisanstieg hat verschiedene Ursachen, der unabhängig von den Gaspreisen war“, revidiert Möbus. Ihrer Aussage nach sind es folgende Gründe:

Pellets werden zu 90 % aus Sägemehl gepresst, also aus Rückständen der Sägeindustrie. Das Aufkommen von Sägenebenprodukten hängt aber mit der Baukonjunktur zusammen. Diese ist in diesem Jahr stark gesunken, es gab weniger Material am Markt.

Gleichzeitig ist die Nachfrage stark gestiegen, nicht nur bei den Pelletherstellern, sondern auch bei der Holzwerkstoffindustrie, die daraus u.a. Spanplatten herstellt, oder bei Papierherstellern. Das hat zu einem starken Preisanstieg geführt.

Zudem gab es aufgrund des Ukrainekriegs einen extrem starken Vorratskauf. Viele Besitzer von Pelletheizungen haben sich neben loser Ware auch Säcke mit Pellets eingelagert. Laut Möbus haben die Kunden damit vier- bis fünfmal mehr einkauft als in normalen Jahren. Auch Pellethändler haben die Ware bevorratet. „Das alles hat den Preis im Sommer unüblicherweise ansteigen lassen. Jetzt sind die Läger voll, es wird weiter produziert, darum werden Pellets aktuell wieder günstiger“, sagt Möbus.

Trotzdem appelliert sie an die Bundesregierung, dass analog zur Gaspreisbremse auch eine Entlastung bei Kunden mit Pellets- oder Ölheizung kommen müsse.

Holzenergiekongress in Würzburg

Vertiefende Diskussionen der Themen und der Austausch innerhalb der Branche ist auf dem 22. Fachkongress Holzenergie möglich. Der Fachkongress findet vom 8. bis 9. November mit anschließender Exkursion als Präsenzveranstaltung im Congress Centrum Würzburg statt. Unter dem Motto „Versorgungssicher, klimaschonend, innovativ - nachhaltige Holzenergie“ präsentieren sechzig Redner den Status Quo der Holzenergie und diskutieren gemeinsam mit Experten und Vertretern aus Politik, Praxis und Wissenschaft über die Weiterentwicklung und Zukunft dieser. Weitere Informationen zum Programm und zur Anmeldung erhalten Interessierte unter www.fachkongress-holzenergie.de

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