Flexible Biogasproduktion

Politiker bekennen sich zu Biogas

Vertreter von CDU und Grünen sagten auf der e2m-Wintertagung in Walsrode ihre Unterstützung für die anstehende EEG-Novelle zu. Dazu gehört auch die Abschaffung des Flexdeckels.

Aus Sicht der Biogasbranche kam es auf der e2m-Wintertagung am 21. Januar in Walsrode zu einem erfreulichen Bekenntnis für die Rolle von Biogas in der Energiewende. Sowohl Martin Bäumer von der CDU (MdL Niedersachsen) als auch Dr. Julia Verlinden von Bündnis 90/Die Grünen (MdB) sprachen sich eindeutig für Biogas aus und sagten Unterstützung bei der bevorstehenden EEG-Novelle zu.

Flexible Leistung hat hohen Wert

Die Bundesregierung hat beschlossen, die Stromerzeugung aus Biomasse bis 2030 zu stabilisieren. Das ist Bündnis 90/Die Grünen laut Verlinden zu wenig, die derzeit installierte Leistung solle sich deutlich erhöhen. Auch Verlinden ist für die Abschaffung des Flexdeckels. Für den Landespolitiker Bäumer sind Biogasanlagenbetreiber neben Wasserkraft die zuverlässigsten erneuerbaren Energieträger. Auf Biogas könne man sich jeden Tag verlassen. „Insbesondere der hohe Wert von flexibilisierten und optimierten Biogasanlagen ist ein wertvoller Baustein, um der Unter- bzw. Überdeckung der Stromproduktion durch fluktuierende Energieträger wie Wind und Solar entgegenzuwirken,“ betonte Dr. Stefan Rauh, Geschäftsführer des Fachverbands Biogas e.V.

Rau stellte in seinem Beitrag die Rolle von Biogas für die Energiewende heraus. Mit 33 Terawattstunden Stromproduktion spielt Biogas heute schon eine zentrale Rolle im deutschen Energiemix. Das realistische Potenzial liege aber deutlich höher. Dies ist aber nur erreichbar, wenn die Politik den Flexdeckel im EEG kippt und Betreiber weiterhin ihre Anlagen flexibilisieren und am Strombedarf ausrichten.

Bessere Auslastung dank Flexibilisierung

Am Nachmittag der Wintertagung hatten die Praktiker das Wort. Aus der Not hat die Duxener Naturstrom GmbH eine Tugend gemacht. Im Hitzesommer 2018 kam es zu einem erheblichen Substratmangel. Nach dem Motto „aus begrenzten Ressourcen das Beste machen“ haben die Betreiber mithilfe des Stromhändlers e2m die vorhandene Flexibilität besser genutzt. Dies führte zu einer wirtschaftlichen Entlastung des Hofes. Mittlerweile hat Duxener Biogas überbaut und verfügt insgesamt über eine installierte Leistung von 2,75 Megawatt.

Flexibilisierung mithilfe der Fütterung

Im Zentrum des Vortrages von Dr. Fabian Jacobi, Landesbetrieb Hessisches Landeslabor, stand die bedarfsgesteuerte Biogasproduktion angepasst an den Strommarkt. In den Labortests wie Feldversuchen ging es um die Möglichkeit, die Strom- und Gasproduktion zeitlich zu verschieben. Das Fazit: Die Prozessbiologie hält den Marktanforderungen stand. Eine kurzfristige Steigerung und mittelfristige Senkung der Biogasproduktionsrate ist prinzipiell möglich. Die Gasqualität schwankt nur innerhalb 5 %. Vorteil für den Betreiber neben den besseren Strompreis-erlösen: Ein Gasspeichereinsparungspotenzial bis zu ca. 50 % ist laut Jacobi durch eine flexibilisierte Fütterung möglich.

Die Redaktion empfiehlt

Die Hochschule Ingolstadt hat Stromhändler gefragt, welche aktuellen Entwicklungen es bei der Vermarktung von Biogasstrom und bei der Flexibilisierung gibt.

Das Deutsche Biomasseforschungszentrum (DBFZ) informiert über Möglichkeiten und Voraussetzungen für die Flexibilisierung mit praxisnahen Antworten für Biogasanlagen.

Flexibilitätsprämie

Biogas: „Flexdeckel“ ist voll!

vor von Hinrich Neumann

Laut Bundesnetzagentur (BNetzA) ist der im EEG festgelegte Deckel von 1.000 Megawatt für die Flexibilitätsprämie ausgeschöpft. Die Biogasbranche fühlt sich ausgebremst.

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Diskussionen zum Artikel

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von Jürgen Greiner

Nur Biogas aus Gülle/Mist und Reststoffen ist nachhaltig

Die Biogasproduktion durch Anbau von Energiepflanzen auf mineralischen Böden mit mehr als 4 % Humusgehalt (häufig ehemaliges Dauergrünland oder auch entwässerte Moorböden) sollte nicht weiter gefördert werden sondern wegen des hohen Humusabbaus (CO2-Freisetzung wie beim laufenden Kohlekraftwerk und Grundwasserbelastung durch N-Freisetzng) mit einer CO2- und Wassersteuer belastet werden. Daneben sollten bei jeder klimaschädlichen Bodennutzung die GAP-Prämien wegfallen. Hohe N-Min-Werte im Sommer sind Indiz für eine nicht dem jeweiligen Standort angepasste Bodennutzung, die Luft und Wasser belastet. Die weitere Extensivierung mit weniger Dünger- und Pestizideinsatz wird in Deutschland zu einer sinkenden Nahrungsmittelproduktion / ha führen. Künftig werden mehr Flächen für den Teller und weniger für den Tank benötigt. Nachhaltig ist nur eine klima- und grundwasserneutrale Biogaserzeugung aus Gülle, Mist oder Reststoffen, die nicht in Konkurrenz zur Erzeugung von Nahrungsmitteln steht.

von Johann + Hendrik Köpke

Ich verstehe es nicht,

Insektensterben, Monokulturen, zu viel Gülle, Nitrat im Grundwasser, hohe Pachtpreise... Das alles hat sich seit dem Biogasboom deutlich verschärft. Biogas gehört an jeden Kuhstall/Schweinestall! Aus Abfall Strom und Wärme zu generieren macht durchaus Sinn aber doch nicht extra Mais anbauen dafür. Bin selber Betreiber einer BGA, wunder mich jedoch fast täglich über die Entscheidungen von oben...

von Karl Nölp

Das sagen fast alle Politiker das Biogas gut ist usw. Aber es sollte jetzt einmal einer sagen wie es wieder geht . Und nicht wieder wie gut das Biogas ist.

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