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Stromkosten bis 70 ct: Worauf müssen sich Landwirte bald einstellen?

Am Spotmarkt kostete Strom zuletzt bis zu 70 Cent je kWh. Landwirte mit hohem Strombedarf werden bei solchen Kursen zu Recht nervös. Womit müssen wir am Strommarkt rechnen?

Lesezeit: 4 Minuten

Unser Autor: Simon Göß, Experte für ­Energiemarkt und -wirtschaft

Der Strommarkt ist kompliziert, funktioniert aber im Prinzip wie der Öl- oder Weizenmarkt. Ist die Nachfrage größer als das Angebot, steigen die Preise so lange, bis Käufer nicht mehr bereit sind, diese Preise zu zahlen und die Nachfrage sinkt.

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Im Gegensatz zu Weizen und Öl ist Strom allerdings kaum „lagerfähig“, was zu extremen Ausschlägen führen kann. Denn am Spotmarkt orientieren sich die Preise an den kurzfristigen Erzeugungskosten des „letzten“ Kraftwerks, das die Nachfrage zu einer bestimmten Stunde deckt. Aktuell sind das meist die Gaskraftwerke, die aufgrund des Lieferstopps Russlands mit hohen Gaspreisen eben sehr teuren Strom produzieren.

So kam es an der Börse in Leipzig kurzzeitig zu Terminmarktpreisen von über 1.000 € je MWh. Da die deutschen Gasspeicher mittlerweile weitgehend gefüllt sind, hat sich die Lage etwas entspannt und die Preise pendelten Ende September auf rund 300 €/MWh zurück.

Anfang 2023 wird es eng

Das muss allerdings nicht so bleiben, wie die Kurse am Terminmarkt zeigen. Für den Januar und Februar 2023 liegen die Strompreise mit knapp 600 € pro MWh deutlich über dem aktuellen Spotmarkt.

Der Grund: In diesen Monaten sind auch die Terminkurse für Gas am höchsten, und dort sind Risikoaufschläge eingepreist. Offen ist beispielsweise, wie kalt der Winter wird. Möglicherweise gibt es zum Ende des Winters im März 2023 doch Probleme mit der Gasversorgung. Auch die Verfügbarkeit von Kernkraftwerken in Frankreich ist unklar, und über den Verlauf des Krieges in der Ukraine kann man nur spekulieren. Preisprognosen sind daher unmöglich. Man kann aber beschreiben, welche Faktoren den Strompreis eher stützen:

  • ein kalter Winter,
  • ein verringertes Angebot von LNG aufgrund steigender Preise in Asien,
  • eine kaum reduzierte Gasnachfrage in Europa,
  • ein völliges Ausbleiben russischer Gaslieferungen,
  • Angriffe auf Versorgungsinfrastruktur,
  • geringe Verfügbarkeit der französischen Kernkraftflotte,
  • Folgende Faktoren entspannen die Gasversorgung hingegen und dämpfen die Strompreise:
  • ein milder Winter, ein hohes Angebot von LNG bei niedrigem Verbrauch/Preisen in Asien,
  • eine starke Reduktion der Gasnachfrage und auch Stromnachfrage durch Verbraucher in Europa,
  • eine Wiederaufnahme der Gaslieferungen durch Russland (unwahrscheinlich),
  • LNG-Importe an den neuen Importterminals in Deutschland,
  • höhere Verfügbarkeit der französischen Kernkraftflotte.

Der Preisdeckel kommt

Unabhängig vom Markt wird die EU voraussichtlich in die Einnahmen von nicht-gasbefeuerten Anlagen im Spotmarkt eingreifen. Denn Produzenten, die mit Kernkraft, Kohle oder auch Erneuerbaren Energien Strom produzieren, haben derzeit viel geringere Kosten und schreiben zum Teil hohe Zufallsgewinne. Diese möchte die EU abschöpfen und plant für diese Erzeuger einen maximalen Erlös von 180 € pro MWh. Steigt der Strompreis über diesen Wert, wird der Mehrerlös abgeführt.

Wie das konkret abläuft, ist noch offen, zumal die EU-Länder von dieser Regelung auch etwas abweichen dürfen. In Deutschland wird man vermutlich gestaffelte Maximalpreise einführen, sodass Erzeuger mit Grenzkosten nahe null (wie z. B. Wind und Fotovoltaik) einen geringeren Maximalpreis erhalten als Betreiber von beispielsweise Biogasanlagen.

Darüber hinaus plant die Bundesregierung Hilfspakete für gewerbliche und private Verbraucher, um die extrem hohen Preise abzufedern. Nach jetzigem Stand scheint sich beim Gas ein Modell durchzusetzen, bei dem mit staatlichen Hilfen die Preise für 80 % des Basisverbrauchs gedeckelt sind. Referenz sind die Preise und der Verbrauch vor dem Krieg. Wer mehr Gas verbraucht, zahlt dann den gültigen Marktpreis. Die genaue Ausgestaltung wird von einer Kommission bis Mitte Oktober erarbeitet.

Was passiert Ende Winter?

Ziemlich sicher ist, dass Gas bis zum Frühjahr und darüber hinaus teuer bleibt. Das gilt dann wohl auch für Strom. Viel hängt zudem von Frankreich ab, weil das Stromnetz dort mit unserem eng verknüpft ist. Bleiben viele Atomkraftwerke in Frankreich über den Winter abgeschaltet, kann es dort sogar zu „rollierenden“ Stromausfällen kommen. Dabei werden Netzbereiche nacheinander gezielt für einige Stunden abgeschaltet, um eine Überlastung des Netzes zu vermeiden.

Für Deutschland sind solche Abschaltungen eher unwahrscheinlich, auch wenn kurzzeitige, lokale Stromausfälle nicht ausgeschlossen sind. Wenn wir den Winter gut überstehen, könnten die Strompreise erst mal sinken. Dafür spricht auch, dass in Deutschland einige Kohlekraftwerke wieder ans Netz gehen und das Stromangebot steigt.

Für alle Verbraucher und damit auch für Landwirte gilt vor diesem Hintergrund die Devise: Sparen Sie Strom ein, wo es geht! Wer vor einem neuen Vertragsabschluss beim Strom steht, sollte intensiv vergleichen, denn aktuell sind die Preisunterschiede zwischen Versorgern sehr hoch. Und wer Möglichkeiten hat, auf lokale Erneuerbare Energien wie PV-Anlagen zuzugreifen, sollte diese im Eigenverbrauch nutzen bzw. aufbauen.

Denn die Energiekrise ist mit dem kommenden Winter nicht vorbei. Auch für den Winter 2023/24 muss Deutschland wieder viel Gas einspeichern. Ein Blick auf den Terminmarkt verrät: Es bleibt langfristig teurer. Auch 2024/25 sind Preise von 200 € pro MWh wahrscheinlich.

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