Plattform EE BW

Windkraftanlagen: Leistung in 10 Jahren verdoppelt

Einer Analyse zufolge erzeugen neu gebaute Windkraftanlagen in Baden-Württemberg heute doppelt so viel Strom wie vor 10 Jahren. Die Plattform EE BW sieht Vorteile für Betreiber, Kommunen und Natur.

Im Jahr 2021 erreichten die in Baden-Württemberg neu errichteten 28 Windenergieanlagen im Schnitt gut vier Megawatt (MW) installierte Leistung; der Rotordurchmesser lag bei rund 125 m, die Gesamthöhe bei 220 m. Zehn Jahre zuvor errichteten die Anlagen nur gut die Hälfte der Leistung: 2,1 MW – bei einem Rotordurchmesser von rund 85 m und einer Gesamthöhe von rund 175 m. Diese Zahlen gehen aus einer Analyse der Plattform Erneuerbare Energien Baden-Württemberg (Plattform EE BW) hervor.

Größere Windkraftanlagen liefern überproportional mehr Strom

Das Ende sei mit den Zahlen des Jahres 2021 noch nicht erreicht: Die Hersteller Enercon und Siemens Gamesa entwickeln bereits Anlagen mit einer Leistung zwischen 5,6 und 6,6 MW. „2030 erwarten Fachleute dann eine Steigerung auf rund sieben Megawatt, die aber auch noch deutlich übertroffen werden könnte“, so Jörg Dürr-Pucher von der Plattform EE BW.

Der Nutzen der größeren Anlagen liegt für Dürr-Pucher auf der Hand: Sie erzeugen deutlich mehr erneuerbaren Strom. Die Steigerung der Windstromausbeute sei sogar überproportional. Ein Beispiel: Ersetze ein Betreiber eine Anlage mit 1,5 MW durch eine mit 4,2 MW Leistung, steige die Stromerzeugung nicht wie vermutet um den Faktor 2,8, sondern um den Faktor vier. Das mache die Erzeugung des Stroms deutlich günstiger, was sich auch auf den Strompreis für Industrie und Kunden auswirken könne.

Aktuell drehen sich nach Angaben der Plattform EE BW in Baden-Württemberg rund 780 Windenergieanlagen, bis 2030 soll sich die Zahl auf über 1.300 fast verdoppeln. Die Stromerzeugung würde sich von 3,4 Terawattstunden (TWh) auf dann 12,3 TWh praktisch vervierfachen. Der Anteil am wachsenden Stromverbrauch steigt von aktuell rund 4,5 auf dann 14 %, wie eine im Jahr 2021 veröffentlichte aktualisierte Studie der Plattform EE BW gezeigt hat.

Plattform EE BW: Vögel fliegen unter großen Anlagen

In den Himmel wachsende Windenergieanlagen kommen der Plattform EE BW auch auch Vögeln zugute: Die drehenden Rotoren seien durch die höhere Nabenhöhe der Anlagen weniger gefährlich für den Rotmilan und andere Vögel. Grund: Die Tiere sollen tiefer fliegen als die Anlage hoch ist.

Kommunen profitierten ebenfalls von der Entwicklung: Die Gewerbesteuereinnahmen einer 3-MW-Anlage lägen je nach Ausgestaltung der Verträge und dem Windaufkommen zwischen 8.000 und 30.000 € pro Jahr. Da sich die Gewerbebesteuerung an den Gewinnen der Anlage orientiert, würde eine Anlage mit sechs Megawatt auf deutlich mehr Einnahmen für Städte und Gemeinden kommen. Diesen Betrag erhalten Kommunen zusätzlich zu den möglichen regulären Pachten für Wege, Kabel oder eigene Fundamentgrundstücke.

Dank Effizienzsteigerung weniger neue Windkraftanlagen nötig

Die Anzahl der künftig neu zu errichteten Anlagen wird der Analyse zufolge sinken. Bliebe die technische Entwicklung bei vier Megawatt Leistung stehen und würden alle Anlagen in Baden-Württemberg 2040 den Durchschnittswert der neuen Anlagen im Jahr 2022 aufweisen, bräuchte der Südwesten bis dahin insgesamt rund 3.350 Windenergieanlagen. Geht die technische Entwicklung wie prognostiziert weiter, seien im Jahr 2040, dem ersten Jahr der Klimaneutralität, nur insgesamt rund 2.230 Anlagen erforderlich. Sie würden dann 28 % der Stromnachfrage decken.

Um den möglichen Erfolg sicherzustellen, seien zahlreiche Nachbesserungen des regulatorischen und wirtschaftlichen Rahmens notwendig. Die Plattform EE BW schlägt daher eine praxisgerechte Ausgestaltung von Ausschreibungen und des Genehmigungs- und Planungsrechtes vor. So müssten feste Fristen definiert und eingehalten, Vorgänge digitalisiert und Artenschutzvorgaben vereinfacht sowie rechtssicher gestaltet werden. Bei Abwägungen solle zudem dem Klimaschutz mehr Gewicht zukommen.

Hintergrund: Die Plattform Erneuerbare Energien Baden-Württemberg e.V. ist eine Dachorganisation der Verbände, Unternehmen und Forschungsinstitute aus der Erneuerbaren-Energien-Branche in Baden-Württemberg. Der Verein wurde im März 2019 gegründet und setzt sich für den schnellen Ausbau der Erneuerbaren Energien und die sektorenübergreifende Umsetzung der Energiewende in Baden-Württemberg ein. Die Vereinszwecke der Plattform EE sind die klimapolitische, industriepolitische und volkswirtschaftliche Bedeutung der Erneuerbaren noch stärker ins Bewusstsein der Öffentlichkeit zu rücken, den Vorteil für Verbraucher, Unternehmen und Kommunen darzustellen sowie die gesetzlichen Rahmenbedingungen zum Ausbau der erneuerbaren Energien aktiv mitzugestalten.


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