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Bio-Legehennen: Längere Lebensdauer und Legerekord rentieren sich

Jochen Ostermann hält seit zehn Jahren Biolegehennen nach EU-Standard. Zunehmend lässt er die Tiere länger im Stall. Im letzten Durchgang legte jede seiner 15.000 weißen Hennen 512 Eier.

Lesezeit: 5 Minuten

Dieser Beitrag erschien zuerst im Wochenblatt für Landwirtschaft und Landleben.

Im Stall dudelt NDR1, während die 20 Wochen alten Hennen neugierig näher an die Stallbesucher herankommen. Die Herde legt gerade die ersten Eier. Jochen Ostermann aus Lähden im Emsland hat die Erfahrung gemacht, dass seine Hennen weniger empfindlich auf Geräusche und Menschen reagieren, wenn sie von Anfang an Radio hören.

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Weiße Hennen vorne

Noch bleibt abzuwarten, wie lange die neue Herde ihrer Legetätigkeit nachgehen wird. Das entscheidet Ostermann, wenn die Hennen 60 bis 70 Wochen alt sind. Doch sein Ziel ist es, seine bisherige Bestleistung nochmals zu toppen. „Eine Henne ist mit etwa 300 Eiern bezahlt, es ist ein Unterschied, ob sie letztendlich 360 oder 500 Eier legt“, sagt der Landwirt.

Gestartet ist er mit braunen Hennen. Von den drei Herden konnte er die beste 78 Wochen lang halten. „Dann nimmt bei braunen Tieren die Schalenstabilität deutlich ab“, sagt er. Deshalb ist Ostermann inzwischen auf weiße Dekalb-Hennen umgeschwenkt, die er von der ostwestfälischen Brüterei ab ovo bezieht. Deren Mitarbeiter beraten ihn speziell im Hinblick auf eine längere Haltungsdauer.

Über die Jahre gelang es ihm so, stetig die Legedauer auszudehnen. Die ersten beiden Durchgänge mit weißen Hennen hat Ostermann zehn Wochen länger gehalten als die braunen. „Ich habe mich erst mal herangetastet, es wäre auch noch länger gegangen“, erzählt er.

Tiere lange im Stall behalten

Nicht nur die Fitness der Tiere, die Legeleistung und die Eiqualität entscheidet darüber, wie lange die Hennen im Stall bleiben. Wichtig ist es zudem, sich mit dem Eierhändler abzustimmen.

Ostermann liefert seine Eier von Beginn an zum Unternehmen Gutshof Ei. Bis zu 6 % Sekundaware darf es geben, um für alle Eier den vollen Preis zu erhalten.

Als der Landwirt mit der ersten weißen Herde die Haltungsdauer auf 93 Lebenswochen ausdehnte, erzielte er erstmals 446 Eier/Anfangshenne bei Verlusten von 9,9 %. Mit den darauf folgenden Herden begann er die Haltungsdauer noch weiter hinauszuziehen. Der vierte und bislang letzte Durchgang weißer Hennen legte mit 100 Lebenswochen und 512 Eiern/Anfangshenne den bisherigen Rekord hin. Es gab 6,9 % Verluste. Zum Zeitpunkt des Ausstallens betrug die Legeleistung noch 80 %.

Guter Legestart ist wichtig

Hennen, die lange fit bleiben und dabei Eier mit guter Schalenstabilität legen – der Landwirt ist überzeugt, dass dies insbesondere mit weißen Hennen möglich ist. Sie sind seinen Erfahrungen nach zwar sensibler, was Geräusche und Störungen angeht als braune Hennen, aber gesundheitlich sehr robust. Zudem legen sie sehr lange Eier guter Qualität.

Wichtig sei es, dass die Tiere zu Legebeginn ein gutes Gewicht aufweisen. Weil die jungen Tiere hier etwas Nachholbedarf haben, kann Ostermann aufgrund einer Anordnung der Tierärztin den Tieren ­aktuell noch den Auslauf verweigern. Vorschrift ist es, den Hennen sieben Tage nach dem ersten Ei Zugang ins Freie zu ermöglichen.

Weil es in direkter Umgebung zu Ostermanns Stall sowohl eine Junghennenaufzucht als auch eine Freilandhaltung gibt, fährt der Landwirt ein entsprechend abgestimmtes Impfprogramm, insbesondere was die IB-Impfung angeht. Als Vorteil sieht er es an, dass seine Geflügelfachtierärztin auch die Aufzucht seiner Nachbarn betreut. Lediglich nach einer Impfung setzt er Vitamine ein, ein besonderes Tränkwassermanagement mit Säuren oder Chlor wendet er hingegen nicht an.

Fokus liegt auf Eigewicht

Nach der vorübergehenden Erlaubnis, 5 % konventionelle Ware ins Futter einzumischen, ist dieses seit dem 1. Dezember 2022 wieder zu 100 % biologisch. Ostermann bezieht es von Beginn an von der Raiffeisengenossenschaft Ems-Vechte, von der er sich gut unterstützt fühlt. Wenn ein durchschnittliches Eigewicht von etwa 60 g erreicht ist, füttert Ostermann reduziert. Legen die Hühner zu schwere Eier, gelinge eine längere Haltung weniger gut, weil die Tiere dann insgesamt schon zu viel ­Eimasse erzeugt haben, so seine Beobachtung. „Ich möchte die Hennen zu diesem Zeitpunkt auf keinen Fall mästen“, betont er.

Eine Herausforderung in der Biohaltung stellt inzwischen die Bekämpfung der Würmer dar. Aufgrund der neuen Bestimmungen dürfen die Eier bei dem Verabreichen einer Wurmkur sieben Tage lang nicht als Bio-Eier vermarktet werden. „Früher haben wir alle acht Wochen entwurmt, jetzt werden wir diesen Zeitraum wohl auf 15 bis 20 Wochen ausdehnen“, sagt Ostermann. Für diese Zeit müssen die Eier umgeprintet werden – bei entsprechend geringerer Bezahlung.

Ostermann legt sein Augenmerk deshalb nun noch mehr auf Prophylaxe, Kotproben und die Sektion von Tieren.

Im stallnahen Bereich der Ausläufe trägt Ostermann nach jedem Durchgang die oberste Schicht ab und fährt wieder weißen Sand auf. „Hier fällt der überwiegende Teil an Kot und Keimen an“, sagt er.

Neben dem finanziellen Vorteil, der sich durch einen geringeren Bedarf an Junghennen, damit auch weniger anfallende Bruderhähne und mehr Eier ergibt, sieht Ostermann noch ein weiteres Plus der längeren Haltungsdauer: Das arbeitsintensive Ausstallen sowie die Serviceperiode fallen seltener an. Und weil deshalb auch die Reinigungs- und Desinfektionsmittel weniger häufig ausgebracht werden, bleiben Stall und die Einrichtung länger intakt.

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