Einloggen / Registrieren

Startseite

Schlagzeilen
Messen & Termine
Themen
Wir für Euch
Sonstiges

Nässe auf den Feldern Stilllegung 2024 Güllesaison

topplus Prof. Dr. Gerhard Beloff

N- und P-Ausscheidungen bei Geflügel lassen sich durch diese Futtertricks senken

Eine Reduzierung der Nährstoffausscheidungen von Geflügel ist über das Futter machbar. Es gibt aber Grenzen und drohende Nachteile. Ein Fachexkurs.

Lesezeit: 5 Minuten

Die NEC-Richtlinie (EU) 2016/2284 schreibt für Deutschland seit 2020 eine Reduktion von Schwefeldioxid von 21 %, der Stickstoffoxide von 39 % und von Ammoniak von 5 % vor. Ab 2030 verschärft sich das noch: Dann müssen oben genannte Werte um 58 %, 65 % und 29 % sinken.

Besonders das Thema Ammoniak ist für die Landwirtschaft wichtig. Immerhin stammen 95 % der Ammoniak-Emissionen aus dem Sektor, davon 20 % aus der Rinderhaltung, 16 % aus der Schweinehaltung und 6 % aus der Geflügelhaltung, erklärte Prof. Dr. Gerhard Bellof von der Uni Weihenstephan-Triesdorf am Dienstag beim Webinar von „Oil & Millers Best ´23“.

Steuerbar sind die Ausscheidungen über die Proteinmengen im Futter. Daran sollte auch der Geflügelhalter Interesse haben: Denn hohe NH3-Ausscheidungen durch eine ineffiziente Proteinnutzung würden nicht nur den Boden belasten und die Kosten durch Ausbringung und Verfügbarkeit von Fläche erhöhen, sondern auch die Tiere beeinträchtigen. Beloff nennt ihr Atemwegserkrankungen sowie Probleme beim Stoffwechsel und den Fußballen.

Wichtig zu wissen ist hierbei, dass Geflügel den Stickstoff in Form von Harnsäure ausscheidet, nicht wie Säugetiere als Harnstoff. „Trotz des hohen Syntheseaufwandes stellt die Harnsäurebildung einen großen Vorteil für fliegende Tiere dar. Es wird wenig Gewicht in Form von Wasser für die N-Ausscheidung benötigt“, erklärt der Fachmann dazu.

Ansätze zur N-Einsparung

Möglichkeiten zur N-Reduktion sind die bereits eingesetzte Phasenfütterung. Aber auch eine Absenkung des Rohproteingehaltes bei gleichzeitigem Einsatz synthetischer Aminosäuren zeigt Erfolge. Zudem können Tierhalter hochverdauliche Eiweißkomponenten und Proteasen einsetzen. Bei leichten Legehybriden empfiehlt Beloff auch den Einsatz freier AS:

Aber Vorsicht: Auch die nicht essentiellen Aminosäuren (NEAS) können durch eine Proteinreduktion ins Defizit geraten!

Unendlich lassen sich die Rohproteingaben jedoch nicht senken, denn dann schlägt sich das deutlich im Gewicht der Tiere nieder:

Es gab auch bereits Versuche zur Wirksamkeit synthetischer Aminosäuren bei XP-reduzierten Futtermischungen. Erfolglos ist demnach der Einsatz der Aminosäuren Lys, Met, Thr, Ile, Glu, Ala, Asp, Pro in proteinreduzierten Futtermischungen (16 % XP oder 18 % XP). Mit einer Ausnahme: Beim Einsatz von Glycin in XP-reduzierten Diäten erreichten die Tiere dieselbe Leistung wie die Kontrollgruppe (22 % XP).

Eine Reduktion des Proteingehaltes in Futtermischungen für Broiler ist also bis zu einem Gehalt von 16 % XP bei einer gleichzeitigen Supplementation von 2,44 % Glycin + Serin möglich, so Prof. Beloff.

Folgende Futtermittel enthalten besonders viel Glycin:

Zwischenfazit:

Defizit an NEAS insbesondere Glycin bei starker Proteinabsenkung (XP < 20 %)

Eine erfolgreiche XP-Reduktion im Geflügelfutter ist nur möglich, wenn …

… synthetische AS gezielt eingesetzt werden können

… die praecaecale Verdaulichkeit der AS im Futtermittel bekannt ist.

Unter praktischen Bedingungen ist für die Geflügelmast eine XP-Reduktion auf < 18 % nicht zu empfehlen: Der Anteil wertvoller Teilstucke (Brustanteil) verringert sich bei extrem N-reduzierter Fütterung.

Phosphor-Verbindungen in Futtermitteln – Bedeutung für die Geflügelfütterung

Prof. Beloff ging anschließend auf den Phosphor in der Fütterung ein. Hier muss man wissen, dass es verschiedene Phosphor-Fraktionen gibt: den Gesamtphosphor, verdaulichen Phosphor, den mineralischen Phosphor und den Phytin-Phosphor.

Der Phosphor wird im Dünndarm absorbiert. Positiv darauf wirken sich Vitamin D (Resorption aus dem Darm), die Anwesenheit von Calcium-Ionen, ein ausreichender Eiweißgehalt im Futter, ein enges Ca:P-Verhältnis und organische Säuren darauf aus. Negativ auf die P- Absorption wirken dagegen ein weites Ca:P Verhältnis, die Zufuhr von Eisen und Aluminium und die Bindung als Phytin-P.

Geflügel kann Phytin-Phosphor zwar zu ca 65 % abbauen. Mit zunehmender Supplementierung von mineralischem P nimmt der Phytat-Abbau jedoch stark auf 30 % ab. Phytase hat laut dem Ernährungsexperten unter dem Strich einige gute Eigenschaften. Sie löst antinutritive Effekte auf, reduziert Futterkosten, schont die endliche Ressource Phosphat und verringert die Phosphorausscheidungen.

Möglichkeiten und Grenzen der Phosphorabsenkung in Geflügelfuttermischungen

Fütterungsversuch Broilermast zur Reduktion von mineralischem Phosphor in Alleinfuttermischungen:

Versuchsaufbau 1

  • 288 männliche Broiler (Ross 308) in 48 Käfigen
  • 6 Versuchsgruppen (8 Wiederholungen mit 6 Tieren pro Käfig)
  • Alleinfuttermischungen auf Basis von Mais, Weizen und Sojaschrot
  • Mastperiode unterteilt in vier Phasen:

    Starter: Tag 1 – 10;

    Mast I: Tag 11 – 20;

    Mast II: Tag 21 – 27;

    Endmast: Tag 28 – 35

Versuchsaufbau 2

Bildung von 6 Versuchsgruppen:

  1. Positivkontrolle: Standardfutter entsprechend den Empfehlungen
  2. Ration A: kein Zusatz von anorganischem Phosphor ab Tag 28 / in der Endmast, Zusatz von 500 FTU Phytase
  3. Ration B: kein Zusatz von anorganischem Phosphor ab Tag 21 / ab Broilermast II, Zusatz von 500 FTU Phytase
  4. Ration C.1: kein Zusatz von anorganischem Phosphor ab Tag 11 / Broilermast I, Zusatz von 500 FTU Phytase
  5. Ration C.2: kein Zusatz von anorganischem Phosphor ab Tag 11 / Broilermast I, Zusatz von 750 FTU Phytase
  6. Ration C.3: kein Zusatz von anorganischem Phosphor ab Tag 11 / Broilermast I, Zusatz von 1000 FTU Phytase

Broiler können ab dem 11. Lebenstag ohne Zusatz von anorganischem Phosphor gefüttert werden. Voraussetzung hierfür ist ein Phytase-Zusatz von 1.000 FTU/kg Futter.

Schlussfolgerungen

Maßnahmen zur Reduktion der N- und P-Ausscheidungen in der Geflügelfütterung:

• Durchfuhrung einer Phasenfutterung;

• Kalkulation der Futtermischungen auf der Basis praecaecal verdaulicher Aminosauren und verdaulicher P;

• Einsatz von freien Aminosauren;

• Einsatz von Phytase;

• Rückführung bzw. Verzicht auf mineralische P-Ergänzung (P-freies Mineralfutter).

Wer mehr dazu erfahren möchte, dem sei das DLG-Merkblatt 457 empfohlen

Mehr zu dem Thema

Seien Sie der Erste der kommentiert!

Werden Sie top agrar-Abonnent und teilen Sie Ihre Meinung mit anderen Lesern.
Jetzt abonnieren
Sie haben bereits ein Abonnement?
Jetzt einloggen.
top + Das Abo, das sich rechnet!

3 Monate top agrar Digital + gratis Wintermützen-Set + Gewinnchance für 19,80 €!

Wie zufrieden sind Sie mit topagrar.com?

Was können wir noch verbessern?

Weitere Informationen zur Verarbeitung Ihrer Daten finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Vielen Dank für Ihr Feedback!

Wir arbeiten stetig daran, Ihre Erfahrung mit topagrar.com zu verbessern. Dazu ist Ihre Meinung für uns unverzichtbar.