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Geringere Besatzdichten: Agrarminister beraten nach Ostern über Putenmast

Die grünen Agrarminister hatten auf der AMK erwartungsgemäß für schärfere Besatzdichten in der Putenhaltung gestimmt. Özdemir will aber mit den Haltern reden und praxisgerechte Lösungen finden.

Lesezeit: 4 Minuten

Laut der Selbstverpflichtung der deutschen Putenhalter liegt die maximale Besatzdichte und bei Beteiligung am Gesundheitskontrollprogramm je Quadratmeter nutzbare Stallfläche für Putenhähne bei 58 kg Lebendgewicht, für Hennen bei 52 kg.

Das von Bundesagrarminister Cem Özdemir vorgelegte Eckpunktepapier mit schärferen Mindeststandards würde diese Grenzen für Hähne jedoch auf 40 kg/m2 und für Hennen 35 kg/m2 senken, so dass weniger Tiere gehalten werden könnten.

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Entsprechend groß ist die Wut der Tierhalter, die von den Länderagrarministern klare Worte auf ihrer Konferenz forderten, die vergangene Woche in Büsum stattfand. Am Ende waren es allerdings lediglich die Ressortchefs von Baden-Württemberg, Bayern, Mecklenburg-Vorpommern, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Sachsen-Anhalt, Schleswig-Holstein und Thüringen, die eine Überarbeitung von Özdemirs Eckpunktepapier verlangen. Die grünen Minister schließen sich dieser Forderung nicht an.

Europäischer Wettbewerbsnachteil droht

Für die Ressortchefs von CDU, CSU, SPD, FDP und Linken sind insbesondere die vorgeschlagenen Besatzdichten nicht akzeptabel. Ihrer Ansicht nach dürfen die Besatzdichten der Initiative Tierwohl (ITW) und entsprechende Vorgaben in anderen EU-Ländern nicht erheblich unterschritten werden, um Wettbewerbsnachteile für hiesige Erzeuger zu vermeiden.

In ihrem wie immer einstimmigen Beschluss betont die AMK, dass eine tiergerechtere Haltung von Mastputen notwendig sei und geregelt werden müsse. Dafür sei das Eckpunktepapier des Bundeslandwirtschaftsministeriums für eine Änderung der Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung eine „Grundlage“. Gleichzeitig wird aber in dem gemeinsam getragenen Beschluss auf die erheblichen wirtschaftlichen Belastungen verwiesen, die eine vollständige Umsetzung der Eckpunkte für die deutsche Putenhaltung mit sich bringen würde.

Özdemir zeigt sich gesprächsbereit

Einen Hoffnungsschimmer sehen die Putenhalter dennoch. So soll Minister Özdemir zugesagt haben, eine für die Praxis funktionierende Lösung erarbeiten zu wollen. Für Christopher Kalvelage, geschäftsführender Gesellschafter der Firma Heidemark, ist das der erste Schritt auf dem richtigen Weg.

„Jetzt gilt es, diese Worte mit Taten zu füllen. Wir begrüßen die Bereitschaft des Bundesministers, mit allen Marktteilnehmern und im breiten Konsens mit allen Parteien eine moderne und funktionierende Putenhaltung in Deutschland gesetzlich zu verankern. Dafür ist es allerdings notwendig, dass sich das BMEL von den Vorgaben im Eckpunktepapier trennt und für gemeinsam entwickelte Richtlinien offen ist. Wir bekräftigen im Namen der Branche unsere Bereitschaft gemeinsam eine praxistaugliche Lösung zu erarbeiten“, sagt der Unternehmer.

Thema Puten kommt nach Ostern auf den Tisch

Der Vorsitzende der Agrarministerkonferenz, Schleswig-Holsteins Landwirtschaftsminister Werner Schwarz, hatte zuvor einen Sondergipfel der AMK zur Nutztierhaltung nach der Osterpause angekündigt, auf dem auch die zukünftige Putenhaltung beraten wird. „Wir müssen eine Abwanderung der Tierhaltung ins Ausland verhindern“, sagte er. Auf diesem Gipfel würden nicht nur die Schweinehaltung, sondern auch andere Tierarten in das Gesamtkonzept eingebunden.

Backhaus will auf Augenhöhe sprechen

Christopher Kalvelage unterstützt ausdrücklich Mecklenburg-Vorpommerns Landwirtschaftsminister Till Backhaus, der den Vorschlag des BMEL für die Putenhaltung nicht akzeptieren will. Man müsse sich zusammenhocken und Wettbewerbsfähigkeit mit Tierwohl so miteinander verknüpfen, dass wir den Anschluss in Europa nicht verlieren, hatte Backhaus gefordert.

Scharfe Kritik aus Bayern

Vor der Agrarministerkonferenz hatte schon die Opposition ihre Verärgerung zum Ausdruck gebracht. CSU-Agrarsprecher Artur Auernhammer sprach von einer Gefahr und einem fatalen Signal für die hiesigen Putenhalter durch die geplanten Mindestanforderungen und die deutliche Verringerung der Besatzdichten. Es gebe keinen nachvollziehbaren Grund für so strenge Regelungen.

Und Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger warnte: „Wer deutsche Putenhalter mit unsinnigen Regelungen zum Aufgeben zwingt, handelt unvernünftig." Die von den Grünen geforderten Verschärfungen würden zur Folge haben, dass viele heimische Betriebe ihre Qualitätsproduktion aufgäben und ausländisches Billigfleisch mit deutlich niedrigerem Tierschutz ins Land kommen würde.

Aiwanger teilt die Ausfassung des Bayerischen Bauernverbandes (BBV), dass es ausreichende Regeln für die deutsche Putenhaltung gibt. Diese seien bei der Besatzdichte, Fütterung und Belüftung weitaus strenger als bei den Hauptkonkurrenten aus Polen, Frankreich, Spanien, Italien oder Ungarn.

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