Bundesamt für Naturschutz

Jetzt bundesweit 128 Wolfsrudel - Kritiker zweifeln das an

Das BfN hat neue Zahlen zur Ausbreitung des Wolfes veröffentlicht. Der DJV zweifelt diese an, die Rudel würden bewusst kleingerechnet. Laut FDP gibt es 2029 über 25.000 Wölfe!

Im Monitoringjahr 2019/2020 gab es 128 Wolfsrudel in Deutschland. Das geht aus den Erhebungen der Bundesländer hervor, die das Bundesamt für Naturschutz (BfN) und die Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes zum Thema Wolf (DBBW) in Abstimmung mit den Ländern zu den amtlich bestätigten deutschen Wolfszahlen zusammengeführt und jetzt veröffentlicht haben.

Das Wolfsvorkommen konzentriert sich wie in den Vorjahren auf das Gebiet von Sachsen in nordwestlicher Richtung über Brandenburg, Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern nach Niedersachsen. Weitere Wolfsterritorien wurden in Baden-Württemberg, Bayern, Hessen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Schleswig-Holstein und Thüringen nachgewiesen. Die meisten Wolfsrudel leben im Wolfsjahr 2019/2020 (1. Mai 2019 bis zum 30. April 2020) in Brandenburg (47), gefolgt von Sachsen (28) und Niedersachsen (23).

Neben den 128 Rudeln sind 35 Wolfspaare sowie zehn sesshafte Einzelwölfe für das Monitoringjahr 2019/20 bestätigt. Im vorhergehenden Monitoringjahr 2018/19 wurden 105 Rudel, 41 Paare und zwölf Einzelwölfe nachgewiesen (aktualisierter Stand vom 30.10.2020).

Doppelt soviel Fallwild

Die Anzahl aufgefundener toter Wölfe (Totfunde) hat sich im Vergleich zum Monitoringjahr 2017/18 verdoppelt. Waren es im Monitoringjahr 2017/2018 noch 61 tote Tiere, so waren es im Monitoringjahr 2018/2019 100 und im Jahr 2019/2020 bereits 126 Totfunde, die von den Bundesländern an die DBBW gemeldet worden sind.

Dazu BfN-Präsidentin Prof. Beate Jessel: „Nach Verkehrsunfällen ist die illegale Tötung die zweithäufigste Todesursache. Auch die absoluten Zahlen sprechen bei den Ursachen eine deutliche Sprache: Von den insgesamt 126 tot aufgefundenen Tieren sind 98 im Verkehr gestorben. Elf Wölfe wurden illegal getötet; darüber hinaus wurde bei weiteren sieben verunfallten Tieren bei den Untersuchungen illegaler Beschuss festgestellt. Anlässlich dieser Entwicklung ist noch einmal festzuhalten: Der Wolf ist und bleibt eine streng geschützte Art. Das illegale Nachstellen und das Töten von Wölfen sind strafbar“, erklärt die Umweltschützerin.

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DJV-Vorwurf: Bestände bewusst kleingerechnet!

Helmut Dammann-Tamke

Helmut Dammann-Tamke (Bildquelle: CDU)

Nach Ansicht des Deutschen Jagdverband (DJV) rechnet die Behörde den Bestand weiterhin klein: Die Zahlen seien ja bereits über ein halbes Jahr alt und berücksichtigten den Nachwuchs vom Frühjahr 2020 nicht.

Nach Angaben der offiziellen Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes zum Wolf (DBBW) liege die Vermehrungsrate des Wolfs seit einigen Jahren bei über 35 % jährlich. "Wir fordern künftig eine zeitnahe und an der realen Situation ausgerichtete Informationspolitik", sagte DJV-Vizepräsident Helmut Dammann-Tamke. Im Extremfall anderthalb Jahre alte Zahlen seien nicht nachvollziehbar, die Bevölkerung im ländlichen Raum habe kein Vertrauen mehr.

Auf Basis von Literaturwerten für Europa leben pro Rudel etwa 8 bis 10 Tiere. Nach DJV Hochrechnungen lebten bereits im Frühjahr 2020 rund 1.800 Wölfe in Deutschland.

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FDP: 25.600 Wölfe im Jahr 2029?

Karlheinz Busen

Karlheinz Busen (Bildquelle: Kevin Schneider)

Der jagdpolitische Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion, Karlheinz Busen, betont, dass das Wachstum der Wolfspopulation exponentiell ist. "Hatten wir Anfang 2019 noch 878 Wölfe in Deutschland, leben inzwischen 1.624 Wölfe in unserem Land. Geht die Entwicklung so weiter, sprechen wir 2024 von 5.500 Wölfen und 2029 sogar von 25.600 Wölfen. Diese Populationsentwicklung hat der Wolfsexperte Gregor Beyer aus Brandenburg plausibel dargelegt."

Busen mahnt, dass die Politik dieser unkontrollierten Ausbreitung von Wölfen nicht tatenlos zusehen dürfe. Notwendig seien dringend gesetzliche Vorgaben für bestandsregulierende Maßnahmen.

"Schon heute leiden viele Weidetierhalter unter den Wölfen. Herdenschutzmaßnahmen nach den staatlichen Empfehlungen sind oft wirkungslos oder führen zu unverhältnismäßigen Nachteilen. So müssen die Landwirte tatenlos zusehen, wie Wölfe ihre Weidetiere reißen. Die extrem steigende Zahl an Wölfen in Deutschland gefährdet auch Erfolge des Artenschutzes. So würde ein Wolfsrudel etwa die Existenz der letzten Dülmener Wildpferde auf der Wildpferdebahn in Dülmen-Merfeld gefährden", betont Busen weiter.

Er wünscht sich einen ideologiefreien Umgang mit dem Schutzstatus der Wölfe. Dazu gehöre auch, anzuerkennen, dass der Wolf nicht vom Aussterben bedroht ist.

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Rukwied für Begrenzung des Wolfsbestandes

Joachim Rukwied

Joachim Rukwied (Bildquelle: Twitter @JRukwied)

Sehr besorgt zeigt sich DBV-Präsident Joachim Rukwied: „Die Zahl der Wölfe in Deutschland steigt weiterhin rasant und ist inzwischen deutlich zu hoch. Wir müssen den Wolfsbestand begrenzen. Das Bundesumweltministerium und das Bundesamt für Naturschutz dürfen nicht länger die Augen vor den Existenzsorgen der Weidetierhalter und den Ängsten der Menschen im ländlichen Raum verschließen."

Jetzt nicht regulierend einzugreifen hält Rukwied für fahrlässig. Das werde zu unumkehrbaren Problemen für die Weidetierhaltung führen, glaubt er. "Die Zunahme an Rissen lassen eine Weidetierhaltung bald nicht mehr zu. Nahezu täglich angefressene, zerfetzte, getötete Tiere auf den Weiden sind inakzeptabel, konterkarieren den Tierschutz und sind für unsere Tierhalter nicht zumutbar.“

Der Deutsche Bauernverband geht inzwischen von bis zu 1.800 Wölfen in Deutschland im Jahr 2020 aus.

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